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Stimmung auf der Bühne und im Publikum: Das Neujahrskonzert des Kulturvereins Schongauer Land im Ballenhaus war ein voller Erfolg. Auch oder gerade weil nicht alles nach Plan lief und improvisiert wurde.

Neujahrskonzert des Kulturvereins Schongauer Land

Hervorragende Improvisationen und ein Überraschungsgast

Schongau - „Wien, Wien, nur du allein...“, sang Schongau. Und das zum Abschluss eines wunderbaren Neujahrskonzerts im Schongauer Ballenhaus. Traditionell hat dazu der Kulturverein Schongauer Land zum Jahresauftakt eingeladen

Improvisationskunst ist ein Talent. Und an diesem Abend konnten nicht nur die Mitwirkenden, sondern auch einige Zuhörer ihre Gabe in dieser Hinsicht unter Beweis stellen, denn es lief nicht alles strikt nach Programm. Aber genau diese Tatsache war es, die für eine überaus lockere, vergnügliche und entspannte Stimmung sorgte.

„Mir ist manches schon passiert, aber so etwas noch nicht“, lautet eine Textzeile in dem Lied „Ich hab sie doch nur auf die Schulter geküsst“ aus dem „Bettelstudent“ von Carl Millöcker, das Bariton Herbert Hanko eindrucksvoll sang. Zutreffender hätten diese Worte für Tenor Harrie van der Plast nicht sein können. Seine eigentliche Veranstaltung war krankheitsbedingt abgesagt worden, und er hatte sich auf einen ruhigen Abend in Karlsruhe gefreut. Bis der Anruf von Michael Suttner kam, der mit seinem Ensemble das Neujahrskonzert für Schongau zusammengestellt hatte. Sein Tenor Adam Sanchez verlor just an diesem Tag erkältungsbedingt seine Stimme. Und so schlüpfte van der Plast unvorbereitet, aber umso gekonnter, in die verschiedensten Rollen.

Gleich zu Beginn schmetterte er mit klarer, kräftiger Stimme das Motto der Veranstaltung, „Freunde, das Leben ist lebenswert“, aus der Operette „Guidita“ von Franz Lehár in den Raum. Und interpretierte später mit herrlich schmelzender Stimme das Lied „ E lucevan de stelle“ des Malers Cavaradossi aus der Oper „Tosca“ von Giacomo Puccini.

Die Kunst des Improvisierens ist auch ein Muss für Susanna Klovsky. Denn am Klavier ein komplettes Orchester zu ersetzen, die Sänger zu führen und zu begleiten, ist keine leichte Aufgabe. Klovsky überzeugte jedoch durch Spritzigkeit, Feingefühl und Spielwitz. Und die exzellente Pianistin sorgte auch noch für eine weitere Überraschung: „Bring’ doch eine Zigarre mit“, hatte sie Moderator, Sänger und Violonist Michael Suttner anlässlich ihres kürzlichen Auftritts in Kuba gebeten. Aber Klovsky brachte ihm jetzt in Schongau keine Zigarre, sondern einen Überraschungsgast mit. Ihr kubanischer Ehemann, Tenor Brian Gonzalez, hatte seinen Auftritt in Schongau, und das kann man als Bereicherung des Abends bezeichnen.

Die begeisterten Zuhörer kamen so in den Genuss von „Granada“, gesungen von beiden Tenören, und der angekündigte „Lagunenwalzer“ aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“ wurde kurzerhand gestrichen, damit Gonzalez noch ein Lied aus der Telenovela „Amalia Batista“ singen durfte.

Die Idee, den Kontrabassisten Rocky Knaur mit auf die Bühne zu holen, war ausgezeichnet und auch ungewöhnlich. Der Künstler ist eigentlich im Jazz zuhause, mit Improvisationen musikalischer Art daher durchaus vertraut. An diesem Abend spielte er zusammen mit Michael Suttner nicht nur einen hervorragenden Tango, sondern begleitete spontan gekonnt und passend weitere Stücke.

Sopranistin Sigrid Plundrich war voll bei Stimme an diesem Abend: Herrlich ihre Interpretation des Lieds „Vilja“ aus „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár, bei dem das Publikum wunderbar mitsang. Und ihre Gänsehaut-Vorstellung des Songs „Summertime“ aus „Porgy and Bess“ von George Gershwin, das die Zuhörer ebenfalls bejubelten.

Das Publikum hatte überhaupt so einiges zu tun. Es konnte nicht nur singen, schunkeln, lachen und klatschen. Sechs männliche Freiwillige improvisierten einen ungarischen „Csárdás“-Tanz auf der Bühne und das gar nicht mal so schlecht. Das Leben war wahrlich lebenswert an diesem Abend.

Regina Wahl-Geiger

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