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Ins Milch-Olivenbad taucht Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt seine Finger – um damit sein Fingerspitzengefühl zu verbessern? Die Damen (von links Kreisbäuerin Christine Sulzenbacher, Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Kerstin Lory aus Prem) amüsieren sich köstlich.

Milchfrühling in Berlin

Landfrauen kapern Küche der Bayerischen Vertretung

Schon dreimal rührten die Bäuerinnen die Werbetrommel für Milchprodukte. Einmal in Brüssel und jetzt schon zum zweiten Mal in Berlin. Dafür kaperten sie erneut die Küche der Bayerischen Vertretung und kredenzten Feinstes mit Milch

Berlin – „Beim letzten Mal hatte ich drei Kabelbrände im Herzschrittmacher, als dieser wilde Ameisenhaufen die Küche geentert hat“, erzählt Ralf Heuer, Küchenchef der Bayerischen Vertretung in Berlin, und muss unweigerlich erheitert auflachen, wenn er daran zurückdenkt. Das letzte Mal war im Jahr 2011 – da machten sich die Landfrauen aus dem Kreis Weilheim-Schongau das erste mal auf den Weg nach Berlin, um den Milchfrühling einzuläuten und so kräftig die Werbetrommel für Milch und Milchprodukte zu rühren.

Ein Catering der Extraklasse kredenzten die Damen aus dem Pfaffenwinkel ihren Gästen in Berlin. Verwendet wurden natürlich hauptsächlich Milchprodukte. Außerdem warteten Stände auf die zahlreichen Besucher, die sich davon überzeugen konnten, was die Milch so alles kann.

Weil sechs Jahre eine lange Zeit sind, wollten die Landfrauen aus dem Oberland wieder einmal ein Zeichen setzen und mit den bereits erprobten und bewährten Mitteln „ein positives Bild der Landwirtschaft zeichnen und zugleich Wissenswertes rund um die Milch und die Milchwirtschaft vermitteln“, wie Silvia Schlögel aus Peiting-Ramsau im Vorfeld der Veranstaltung berichtete. Und so gab es am Donnerstag ein sehr herzliches Wiedersehen, denn 27 Landfrauen und fünf Landmänner, die sie bei ihrer neuerlichen Mammutaufgabe tatkräftig unterstützten, nahmen wieder Ralf Heuers Küchenreich in Beschlag.

Bereits am Mittwoch hatte sich der ganze Tross mit dem Bus in die deutsche Hauptstadt aufgemacht. Am Tag darauf wurde es dann ernst: Es galt, einen strengen Zeitplan einzuhalten. Los ging’s gleich nach dem Mittagessen mit der Verteilung der Lebensmittel. Die haben die Landfrauen wieder selbst im Bus mitgebracht. Gut 400 kg kommen da an Schmand, Käse, Butter, Milch, aber auch Fisch, Gemüse, Kräuter und Gewürzen zusammen.

Die Landfrauen wollen den rund 200 Gästen ja schließlich zeigen, was für kulinarische Köstlichkeiten mit Milch alles gezaubert werden können. „Ich wünsche euch super viel Spaß! Und wir sind für Euch da, wenn Ihr etwas braucht“, lässt Küchenchef Heuer die Landfrauen noch wissen, doch die wissen schon genau, was sie zu tun haben und machen sich ans Werk. Hier sind er und seine Küchenmannschaft fast überflüssig, „weil die Landfrauen ganz autark arbeiten“, schmunzelt Heuer anerkennend.

Während in der Küche Käse geschnitten, Zwiebeln geschält und Rote Beete mit Milch püriert wird, laufen auch die Vorbereitungen in der „Halle Bayern“, der imposanten Veranstaltungshalle des Milchfrühlings, an. Der glasüberdachte ehemalige Innenhof des Gebäudekomplexes, in dem die Bayerische Vertretung beheimatet ist, wurde mit viel Liebe zum Detail geschmückt. „Stiellos ist besser!“, tönt BBV-Kreisobmann Wolfgang Scholz. Es dauert einen Moment, bis klar wird, dass nicht die Gestaltung des Raumes oder etwa die Garderobe für den Abend gemeint ist – nein, er spricht von den Gläsern, die er für den Cocktailstand wünscht. Pina Colada, Espresso und Mango sind nur einige der Geschmacksrichtungen, die zur Wahl stehen. Mit und ohne Schuss versteht sich.

In der Küche wird derweil weiter mit Hochdruck an den insgesamt 3000 Häppchen gearbeitet. Dank des gut getakteten Planes – und der routinierten Köchinnen, die auch der zunehmende Zeitdruck nicht aus der Ruhe bringen kann – wird alles rechtzeitig fertig. So bleibt noch Zeit, und die Hauptprotagonistinnen des Abends können sich in Schale schmeißen und ihre feschen Dirndl präsentieren.

Pünktlich um 19 Uhr treffen dann die ersten Gäste ein, die sich die Eröffnungsrede des bayerischen Staatsministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner, nicht entgehen lassen wollten. Er pries angesichts der schwierigen Zeit, die viele bayerische Milchbauern durchleben, deren größte Stärke: Einfallsreichtum im Ausfindigmachen zusätzlicher Standbeine für ihre Betriebe, „denn Vielfalt ist unser Reichtum“.

Das außerordentliche Engagement der Landfrauen hob Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hervor. „Warum sprachen Sie so wenig über die Agrar- und Milchpolitik?“, fragte anschließend Silvia Schlögel, die die nächste am Rednerpult war, ihre Vorredner und legte damit den Finger in die Wunde. Mit Inbrunst veranschaulichte sie ihre Sicht auf die Milchviehwirtschaft und schloss auch an die Politik gerichtet: „Wenn der Wind des Wandels weht, dann bauen die einen Mauern und andere bauen Windmühlen. Packen wir’s endlich an!“ Dafür erntete sie den stürmischen Beifall des Publikums.

Während Räucherkäse-Tartar, Couscousburger, pikante Windbeutelchen und gerollter Wurstsalat aufgetragen wurden, lud Milchprinzessin Eva-Maria Bäuml Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Milchpräsident des Deutschen Bauernverbandes Karsten Schmal und den stellvertretenden Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner, zum Wettmelken. Anfangs sehr optimistisch gab Dobrindt zu Protokoll: „Ich bin Rekordhalter im Bundestag. Da schlägt mich höchsten Gregor Gysi, der ist aber auch gelernter Melker.“

Den Sieg trug letztendlich Günther Felßner dank seiner ausgefeilten Melktechnik davon. Er brachte den Messbecher gar zum Überlaufen. Das war der Auftakt für den lockereren und weniger förmlichen Teil des Abends. Nach Lust und Laune wurde geschlemmt – und gelernt.

An zwölf Ständen informierten die Landfrauen über Urlaub auf dem Bauernhof, welcher Wein am Besten zum schmackhaften Bärlauchkäse passt, oder wie Milch noch schöner machen kann. Dafür soll beispielsweise ein Handbad aus Milch mit einem Schuss Olivenöl sorgen. Von der Wirkung überzeugten sich gleich Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Alexander Dobrindt. Ob man sich da auch ganz reinlegen könne, so wie es Cleopatra zu Lebzeiten gepflegt hatte, fragten die beiden scherzhaft. Referenzen gab es dazu noch nicht, abgeraten wurde nicht. Das wäre doch einmal einen Selbstversuch wert.

Hochzufrieden mit dem Abend beluden die Landfrauen und ihre männlichen Begleiter nach der gelungenen Neuauflage des Milchfrühlings ihren Reisebus wieder. Diesmal mit deutlich weniger Gewicht. Der Abend war da aber noch lange nicht vorbei. Unisono stürzten sie sich ins Berliner Nachtleben. Die letzten seien erst um 5.15 Uhr heimgekehrt. Aber wer will es ihnen verdenken. Wer hart arbeitet, kann auch feiern.

Franziskus Reich

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