Noch im Gespräch hatten Bürgermeister Josef Taffertshofer und Landrätin Andrea Jochner-Weiß per Handschlag die für Wildsteig gefundene Problemlösung besiegelt. foto: os

Asyl-Helferkreis arbeitet wieder

Wildsteig - Weniger Zuweisungen, ärztliche Besuche und die umgehende Behandlung erkrankter Asylbewerber - das ist das Ergebnis nach dem Besuch der Landrätin.

„Mir kemman, wenn’s brennt“, hatte Andrea Jochner-Weiß dem Wildsteiger Bürgermeister Josef Taffertshofer versprochen. Vorsichtshalber hatte die Landrätin vier Amtsleiter und Behördenvertreter dabei, als sie am Montagabend nach Wildsteig kam. Durchaus angebracht bei einem wahren Minenfeld an Problemen, die sich am Schlossberg aufgehäuft hatten. Nach rund eineinhalb Stunden Meinungsaustausch und Diskussion mit Bürgermeister, Asylhelfern und Mitarbeitern aus der Verwaltung aber gab es einen Handschlag zwischen Jochner-Weiß und Taffertshofer. Noch während der Zusammenkunft wurden Pläne geschmiedet, der Helferkreis versprach die Wiederaufnahme der Arbeit.

Zuvor aber mussten drängende Probleme besprochen werden, wobei die Landrätin zugab, dass man die Wildsteiger nicht genügend beachtet hatte. Zuletzt hatte Matthias Bertl, der Leiter des Helferkreises, in der Bürgersprechstunde der Landrätin einen Punktekatalog übergeben. Sie habe noch vergangene Woche eine Mail als Reaktion auf die Hilferufe geschickt, so Jochner-Weiß, doch ihre Reaktion habe sich überschnitten mit den aktuellen Ereignissen.

Als man vor fast genau einem Jahr angeboten habe, Asylsuchende in Wildsteig aufzunehmen, so Taffertshofer, sei das ehrlich gemeint gewesen. Jetzt aber habe sich die Situation verändert: „Die Probleme sind sehr groß, wir brauchen eine Lösung hier oben.“ Man sei komplett überfordert, wobei die aktuelle Entwicklung mit den Krätze-Krankheitsfällen quasi der letzte Auslöser war. Mit den einstmals im Raum stehenden 20 oder 30 Asylbewerbern auf dem Schlossberg hätte man in Wildsteig keine Probleme gehabt. Auch Familien hätte man besser integrieren können in die Dorfgemeinschaft, so der Bürgermeister. Nun aber seien fast ausschließlich junge Männer hier. Matthias Bertl: „Ich lebe in der Pampa, weil ich Ruhe und Frieden haben will. Sonst könnte ich auch nach München ziehen.“ Er wolle seine Kinder unbesorgt vor die Türe gehen lassen, so der Vater, auch das Müllproblem stört den Anrainer. Man habe ein Tohuwabohu hier oben, wovon sich die Landrätin schon eingangs ein Bild machen konnte.

Das soll nun aber gelöst werden, nicht nur mit der Verkleinerung der Gruppen. In einem bereits bestellten Müllcontainer sollen neben den Matratzen auch der sonstige Unrat verschwinden. Bertl versuchte, auch Verständnis für die Situation der Anrainer zu bekommen. „Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie ihren Lebenstraum realisieren wollen?“ - und dann quasi eine Kolonie vor die Haustür gesetzt bekämen.

Wobei vor allem die Helfer immer wieder betonten, einfach mit der aktuellen Situation überfordert gewesen zu sein und allein deshalb ihre Arbeit eingestellt hätten. Noch im Gespräch wurden die nächsten Schritte angedacht, nachdem klar war, dass sich die Situation entspannen wird. Man habe Spenden gesammelt, so Bertl, um einen Tischkicker zu beschaffen und andere Gegenstände, um die Freizeit der Asylbewerber angenehmer zu gestalten. Mit der nun beschlossenen Schließung des Appartements 1 stehen neue Räumlichkeiten zur Verfügung. Dort sollen Sozial- und Gemeinschaftsräume eingerichtet werden, der bisherige Schulungsraum könnte dann für den ärztlichen Dienst zur Verfügung stehen. Künftig wird es auch einige Male im Jahr Konsultationen geben.

Insgesamt, so Taffertshofer, seien die Asylbewerber eine Bereicherung für die Dorfgemeinschaft. „Man kann schon Leute motivieren mitzutun“, so der Bürgermeister. „Und wenn man sieht, es geht was vorwärts, kann man die Menschen auch integrieren."

Oliver Sommer

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