Bürgermeister Norbert Essich gratulierte mit einem Geschenkkorb der Gemeinde. Franziska Schuster scherzte: „Den müssen wir jetzt leermachen, denn so einen schweren Korb kann ich nicht tragen.“ foto: herold

Eine Jubilarin mit viel Humor

Schwabbruck - Franziska Schuster aus Schwabbruck feierte ihren 95. Geburtstag - und zwar nicht still und leise im Kämmerlein, im Gegenteil.

Die Jubilarin ließ es geradezu krachen und hatte ihre gesamte Familie zum Feiern in den Gasthof „Frank“ geladen.

95. Geburtstag? Nicht zu fassen. Da sitzt Franziska Schuster an der Stirnseite der Festtafel und witzelt mit Charme und einer Portion lustiger Sprüche.

Man will sich ja vorsichtig heranfragen, um etwas über die nette Jubiliarin zu erfahren - diese aber knallt gleich den ersten Trumpf auf den Tisch: „Des is ja Leut ausfragen, und ich muss es büßen“, sagt sie und hat natürlich die Lacher auf ihrer Seite. Und sie stellt fest: „Solang’ man noch lacht, geht’s einem doch gut!“

In ihrer Kindheit hatte Franziska Schuster nicht viel zu lachen. Harte Zeiten stehen an, als sie 1921 auf dem Bauernhof „Beim Bartl“ in Oberegg bei Krumbach geboren wird. Sie ist das sechste von 13 Kindern, das zweite Mädchen in der Geburtfolge. Die Mutter stirbt früh, die ältere Schwester geht ins Kloster. So muss Franziska den Posten der Ersatzmutter übernehmen und den Hof schmeißen. Sie schafft das.

Jetzt aber die Frage: Wo und wann hat’s denn in der Liebe gefunkt? Franziska Schuster dreht wieder auf, schelmisch sagt sie in Richtung des Fragenden: „Des schreibst mir aber nicht auf, sonst musst du des dem Pfarrer noch als Beichtzettel bringen.“

Doch die Jubilarin lüftet das Geheimnis ihrer großen Liebe: Ein gewisser Sebastian Schuster aus Schwabbruck wurde als einer von zwei Soldaten abgestellt, um russische und französische Kriegsgefangene in Franziska Schusters Heimatdorf zu bewachen. Da hat’s bei der ersten Begegnung gefunkt. „Die Liebe war groß“, sagt Franziska Schuster. „Ich bin mit dem Zug zu ihm gefahren, er mit dem Fahrrad zu mir“, erinnert sie sich, und gesteht: „Wir haben uns zum ersten Rendezvous einfach verpasst.“

Liebesgott Amor war bei den beiden aber schon treffsicher. 1945 wurde in Schwabbruck geheiratet. „Ganz in Schwarz“, erklärt Franziska Schuster - und zieht gleich den nächsten Trumpf aus dem Ärmel: „Und auch schwarz geschlachtet haben wir - eine schöne große Sau.“

Zusammen mit ihrem Mann, der 1982 starb, bewirtschaftete sie eine Landwirtschaft. Franziska Schuster hat sechs Kindern das Leben geschenkt, ein Sohn verstarb.

Ihren Gästen und auch Schwabbrucks Bürgermeister Norbert Essich gab Franziska Schuster noch ganz nebenbei eine Einladung mit auf den Weg: „Wir sehen uns alle dann bei meinem 100.“ hh

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