Mit Verspätung soll bald das neue Asylbewerberheim in der Schongauer Pöllandtstraße belegt werden.

Ende des Jahres bis zu 1200 Asylbewerber

Weilheim-Schongau - Der Landkreis sieht sich gerüstet für neue Asylbewerber - und das ist auch dringend nötig: Bis Ende des Jahres könnten mehr als 1200 Flüchtlinge hier leben.

Vergangenes Jahr hatte der Landkreis manchmal hart zu kämpfen, um alle zugeteilten Asylbewerber unterzubringen. Einige Projekte wie die Ammermühle bei Rottenbuch platzten, andere wie das Containerdorf in Penzberg verzögerten sich - für den Notfall sicherte sich der Landkreis sogar die Berufsschul-Turnhallen in Weilheim und Schongau für die vorübergehende Einquartierung.

Dass das Thema nach einer Winter-Atempause spätestens im Frühling wieder hochaktuell werden wird, verdeutlichen die Zahlen, die Landrätin Andrea Jochner-Weiß gestern bei ihrem Jahres-Pressegespräch verkündete: „Derzeit haben wir 412 Asylbewerber im Landkreis, Ende des Jahres werden es nach Berechnungen der Regierung im Worst-Case-Fall 1234 sein.“

Das muss natürlich nicht erreicht werden, schließlich gingen die Berechnungen für Ende 2014 im schlimmsten Fall von 600 Flüchtlingen aus, was weit verfehlt wurde. Nichtsdestotrotz muss sich der Landkreis vorbereiten, und da sieht sich Jochner-Weiß gerüstet: „Wir haben alles zusammengerechnet und werden Ende des Jahres 1000 Plätze für Asylbewerber anbieten können“, sagte die Landrätin.

Denn es stehen einige Projekte kurz vor der Umsetzung. Die Kapazität des Containerdorfs am Weilheimer Leprosenweg soll von 44 auf 88 verdoppelt werden, in Penzberg will man mit den Containern für 75 Flüchtlinge auch bald soweit sein, gleiches gilt für Peiting. Und dann gibt es noch Überraschungen wie die diese Woche bekannt gewordenen Pläne eines Investors, am Weilheimer Gewerbegebiet Trifthof bis zu 120 Menschen unterzubringen. „Dass es so viele werden sollen, habe ich heute auch erst aus der Zeitung erfahren“, sagte Jochner-Weiß. Sie sei von weit weniger Plätzen ausgegangen. Die Bedenken im Weilheimer Bauausschuss kann sie zumindest theoretisch verstehen. „Bei weniger Plätzen hätte ich keine Probleme gesehen. Aber irgendwann wird sich die Frage nicht mehr stellen, sondern dann sind wir froh, wenn wir die Asylbewerber überhaupt unterbringen.“

Auch das vom Landkreis gekaufte Haus an der Schongauer Pöllandtstraße dürfte bald die Voraussetzungen erfüllen. Eigentlich sollten dort schon vergangenen Oktober 50 Flüchtlinge untergebracht werden, doch der Landkreis musste bei der Sicherheit nachbessern - was Jochner-Weiß nur bedingt nachvollziehen kann: „Wir überlegen, ob wir die Menschen in Turnhallen unterbringen, und da kann niemand wohnen, weil die Treppengeländer zehn Zentimeter zu niedrig sind“, sagt sie kopfschüttelnd. „Da hat ja früher auch jemand gewohnt.“ Selbst die Helfer, bei denen sich die Landrätin insgesamt herzlich bedankt („die Hilfsbereitschaft ist unglaublich, ohne die Ehrenbamtlichen würde es gar nicht gehen“), werden bereits unruhig: Man setze sich alle zwei Monaten mit den Asyl-Helfern zusammen, „und in Schongau warten 25 Ehrenamtliche darauf, endlich in der Pöllandtstraße loslegen zu können“.

In Böbing sind am Dienstag die bisher letzten zwölf Flüchtlinge angekommen und im Gasthaus Alte Post untergekommen, wo bereits seit einigen Wochen eine Mutter mit ihren beiden Kindern lebt. Er sei rechtzeitig informiert worden, wisse aber noch nicht, woher sie stammen, sagte Bürgermeister Peter Erhard. Das wollte er gestern Abend bei einem Antrittsbesuch nachholen. „Aber ein Kind habe ich schon radeln sehen“, sagte Erhard. Mit 15 Plätzen sei die Alte Post jetzt voll besetzt. Auch in Böbing hatten sich bereits im Vorfeld engagierte Bürger angeboten, den Flüchtlingen beim Erlernen der deutschen Sprache hilfreich zur Seite zu stehen.

Boris Forstner

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