Sprachübungen: Zwei Schüler der Asylbewerberklasse beim Bankgespräch. Foto: ruder

Erfolgreicher Unterricht für Asylbewerber

Weilheim - Nach 16 Monaten fällt die Bilanz einer Asylbewerberklasse in der Berufsschule Weilheim positiv aus.

Weilheim - Die Stimmung ist gelöst. Ein kleines Stofftier fliegt zwischen den Schülern der Asylbewerberklasse an der Weilheimer Berufsschule hin und her. Wer es fängt, muss einen Begriff aus dem Bankgewerbe aufsagen: „Girokonto“, „EC-Karte“ oder „Sparbuch“ geht den jungen Männern leicht über die Lippen, immer wieder fällt ihnen ein Wort ein, das noch nicht gefallen ist.

Dorothea Schumann, die Deutschlehrerin vom Bildungskolleg Weilheim, ist hochzufrieden mit den Fortschritten der 2. Asylbewerberklasse. Im September 2013 begann das von der EU geförderte Pilotprojekt an der Berufsschule, nach 16 Monaten sprechen die Asylbewerber alle gut Deutsch, beherrschen die Grundrechenarten und haben einiges über das soziale und gesellschaftliche Leben ihrer neuen Heimat gelernt.

Im zweiten Jahr werden die jungen Männer und die eine Frau verstärkt auf eine mögliche Ausbildung vorbereitet. Drei Tagen Unterricht folgen zwei Tage Praktikum. Und die ersten Erfolge zeigen sich bereits. Abraham Ojei aus Nigeria (40), der mit Abstand älteste Schüler, hat einen Ausbildungsplatz als Raumausstatter bei „Wölfle“ in Garmisch-Partenkirchen sicher, mehrere andere Asylbewerber einen in Aussicht, zum Beispiel als Pfleger oder Hotelkaufmann.

Der Eifer und die Disziplin der Syrer, Afghanen und Pakistani sowie der Männer aus Schwarzafrika ist genauso ausgeprägt wie am ersten Tag, das bestätigt neben Schumann auch Schulleiter Burkhard Küster: „Es ist eine Freude, die Entwicklung zu beobachten.“ Alle haben beste Aussichten, die Prüfung im Mai zu bestehen, dann steht bei den meisten einer Ausbildung nichts mehr im Wege. Mubares Khan (21) aus dem Süden Afghanistans beispielsweise würde gern als Landmaschinenmechaniker arbeiten, ein Praktikum hat er bereits absolviert. Aber nicht alle werden zum September 2015 eine Ausbildung beginnen können, so Martin Krojer, der Klassenlehrer. Manche werden sich noch ein Jahr weiter qualifizieren müssen.

Neben der 2. Asylbewerberklasse gibt es auch zwei erste Klassen mit knapp 40 Schülern an der Berufsschule, die im September starteten und in Container unterrichtet werden, die allerdings den normalen Klassenräumen in nichts nachstünden, so Küster. Von der Regierung sei ihm bereits signalisiert worden, dass in den nächsten Jahren mit weiteren vier oder fünf Klassen zu rechnen sei, so Küster.

Dafür reichen die Kapazitäten in Weilheim nicht mehr aus. „Da müssen wir die Berufsschule Schongau mit ins Boot holen“, so Küster. Es könnte schon im Februar eine neue Klasse mit dem Unterricht starten. Die Entwicklung lasse sich nur schwer vorhersagen. Das Umdenken der Politik, auch Asylbewerber zu schulen, ist gesellschaftspolitisch nicht ganz uneigennützig. Die Asylbewerber sollen dabei helfen, den in einigen Branchen bereits bestehenden Fachkräftemängel zu beheben.

Trotz des Lobes für die Multi-Kultiklasse gab es in den vergangenen 15 Monaten auch Probleme: Schwarzafrikaner und Menschen aus dem Mittleren und Nahen Osten mussten sich erst aneinander gewöhnen. Reibereien blieben nicht aus. Ein Schüler wurde ausgeschlossen. Er hatte sich als Muslim geweigert, etwas über die christlichen Bräuche an Weihnachten zu erfahren, er hielt sich im Unterricht die Ohren zu. „Von dem Schüler haben wir uns getrennt“, so Küster.

Johannes Thoma

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