+
Zu kurze Einsicht wegen dieser Hecke haben die Autofahrer, die aus der Birkländer Straße nach links in die Dießener Straße fahren wollen. 

Erschreckende Unfallbilanz

So gefährlich ist die Dießener Straße

  • schließen

Schongau - Eine Straße, drei Abzweigungen und besorgniserregend viele Unfälle: 18 Mal hat es heuer auf und an der Dießener Straße gekracht – so oft wie nie zuvor. Polizei und Straßenmeisterei haben jetzt reagiert – und eine äußerst kuriose Maßnahme getroffen.

Die Dießener Straße, die zwischen Peiting und Schongau nach Birkland führt, gilt schon immer als gefährliche Strecke. Es gibt viele unübersichtliche Stellen, scharfe Kurven, häufig überfrierende Nässe und regen Wildwechsel. Kein Jahr vergeht auf dieser Straße ohne Blech- und Personenschaden. So richtig besorgniserregend ist vor allem die Einmündung in die Peitinger Straße, die Abzweigung aus der Birkländer Straße und die scharfe 90-Grad-Kurve am oberen Herzogsägmühler Berg. Allein an diesen drei Stellen krachte es laut Unfallstatistik der Schongauer Polizei im Jahr 2015 18 mal (siehe Kasten). Zum Vergleich: 2014 passierten dort (nur) vier Unfälle.

„Gott sei dank ist noch kein tödlicher Unfall passiert“, sagt Udo Mewes. Der erfahrene Schongauer Verkehrspolizist verfolgt diese extreme Unfall-Häufung mit größter Sorge, war vergangenen Montag gemeinsam mit Vertretern von Landratsamt und Staatliches Bauamt auf Verkehrsschau. Das Ziel: Diese drei Gefahrenherde sicherer machen.

Gefahrenbereich an der Peitinger Straße

Eine äußerst kuriose Maßnahme wurde an der Abzweigung Peitinger Straße/Dießener Straße getroffen. „Wir haben dort eine Holzwand zur Einschränkung der Sicht aufgestellt“, sagt Mewes. Wie bitte? Die Sichteinschränkung soll Unfälle verhindern? Mewes sagt „ja.“ Weil der Autofahrer den Verkehr auf der Peitinger Straße durch die Holztafel erst ganz spät zu sehen bekommt, ist er gezwungen, langsamer an den Einmündungsbereich heranzufahren.

Tatsächlich krachte es dort immer wieder, weil die aus der Dießener Straße kommenden Autofahrer mit viel Schwung auf die Peitinger gefahren sind, dabei den von oben, also von Peiting kommenden Verkehr, zu spät gesehen und die Geschwindigkeit falsch eingeschätzt haben.

Gefahrenbereich an der Birkländer Straße

Die Methode, die an der Peitinger Straße jetzt Unfälle verhindern soll, ist an der zweiten Gefahrenstelle das mit Abstand größte Problem: eingeschränkte Sicht. Beim Abbiegen von der Birkländer Straße nach links in die Dießener Straße ist die Einsicht wegen einer gut zwei Meter hohen Hecke gleich Null. Und der Verkehrsspiegel, der dort seit rund zehn Jahren steht, ist speziell zur kalten Jahreszeit ständig beschlagen oder zugefroren.

„Die Hecke muss auf jeden Fall geschnitten werden“, sagt Mewes. Und: Es wird an dieser Stelle ab sofort wieder regelmäßig geblitzt. Im Mai 2014 wurde aufgrund der bayernweiten Flurbereinigung die Zone 60, in der früher sehr oft geblitzt wurde, aufgehoben. Seither rasen die Autofahrer nicht selten mit wesentlich mehr als den erlaubten 80 km/h an der Birkländer Straße vorbei. Diese Temposünder möchte die Schongauer Polizei nun wieder einbremsen.

Gefahrenbereich am oberen Herzogsägmühler Berg

Auf Fuß weg vom Gas rät Mewes an der dritten Gefahrenstelle so oder so. Die scharfe 90-Grad-Kurve am oberen Herzogsägmühler Berg wird häufig unterschätzt. „Deshalb werden wir dort zwei weitere Richtungstafeln anbringen.“ Vier statt zwei rote Pfeile sollen künftig noch deutlicher auf die Kurve hinweisen, die Autofahrer zu langsameren Fahren bewegen.

Ob Holztafel, Heckenschneiden, eventuell ein beschlagfreier Verkehrsspiegel und zusätzliche Richtungstafeln fruchten, zeigt sich in den kommenden Monaten. Was in jedem Falle hilft: Die Vernunft des Autofahrers. Mewes weißt ausdrücklich darauf hin: „Vor allem jetzt im Winter, bei plötzlich einsetzendem Schneefall, muss man auf dieser Strecke immer mit überfrierender Nässe rechnen.“ Zumal der Räumdienst trotz guter Vernetzung nicht überall gleichzeitig sein kann.

Johannes Schelle

Auch interessant

Kommentare