Der Chor der Stadt Schongau zusammen mit der Neuen Süddeutschen Philharmonie und Robert Blnak (Dirigent) beim Konzert in der Wies. Foto: bse-pictures

Festlicher Sommer in der Wies: Stabat Mater mit Ehrfurcht ausmusiziert

Wies - Haydn zwischen fließender Schönheit und meditativer Versenkung - so kann das zweite Konzert beim Sommer in der Wies umschrieben werden.

Seine ersten Sinfonien schrieb Mozart bereits im Kindesalter mit acht Jahren. Zehn Jahre später, im Jahre 1773 - Mozart war nach unserem heutigen Zeitempfinden „volljährig“ - entstand „die kleine g-moll“, wie sie liebevoll von Musikfreunden genannt wird. Die bis dato geschaffenen dreisätzigen Sinfonien folgten gerne dem gefälligen italienischen Parlando-Ton, die viersätzigen deutlich der Mannheimer und Wiener Schule.

Mit der großen Schwester, der beinahe schmerzlich schönen g-moll KV 550, verbindet nicht nur die Tonart, sondern auch der nachdenklich melancholische, fein in den Stimmungen ziselierende Charakter des Werkes. Mit den hervorragenden Bläsern, besonders die Solo-Oboe und die Hörnern der Neuen Süddeutschen Philharmonie boten warm strömenden Genuss, gestaltet Robert Blank den Konzertauftakt zum diesjährigen Zyklus geschmeidig fließend. Seine stets uneitel achtsame, enge Verbundenheit mit dem eigens für die Wieskirchkonzerte zusammengestellten Klangkörper zeigte sich auch für das leider viel zu selten erlebbare „Stabat Mater“ von Joseph Haydn als ideale Basis.

Ähnlich wie Haydns „Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuz“ hat das wie eine große Meditation einnehmende Werk einen subtil zarten, klagend liebenden Urgrund. Werden der sich in schwingender Bewegung an die Seite Mariens stellende Chor und das stimmige Solistenquartett so feinfühlig unterstützt wie an diesem Abend, macht sich unter den Zuhörer ein still spürbarer Konsens breit: das „Hören-Wollen“, das mit großer Konzentration dem Geschehen zugewandte Ohr des Publikums ist auch für den Künstler eine bemerkenswerte Resonanz in dieser Aufführung. Nicht die große erzählende Geste, der emotional dramatische Ausbruch ist es, der fasziniert, sondern die schlichte, fast meditative Eindringlichkeit, der sich die Solisten verschrieben haben.

Andrew Lepri Meyer deklamiert den Weg der Schmerzensmutter mit feinem, respektvollem Tenor, der mit sicherer Linie fließt. Mit seufzend zustimmender Schwere trägt der Christussohn bei ihm das Kreuz, während Blank das Orchester im „Dum emisit spiritum“ in ein fahles Licht eintaucht.

Eine wärmende Wohltat ist der Alt von Margarete Joswig, die nicht nur über eine samtige Tiefe und Mittellage verfügt, sondern auch mit leuchtender Höhe einnehmen kann. Ihr „Fac me vere tecum flere - Lass mich mit dir herzlich weinen“, keine Spur ins Süßliche gleitend, von ruhiger Entschlossenheit und stetem Ernst der großen, ganz den Kirchenraum erfüllenden Stimme geprägt, wird zu einem der Höhepunkte der Aufführung.

Auch Sopranistin Saskia Steinfeld fügt dem wohl proportionierten Klangmosaik einen funkelnden Edelstein hinzu. Sie verleiht der Heiligkeit Mariens einen wunderbaren Glanz, ihre sicheren, lockeren Koloraturen sind ein rechtes Glück fürs Ohr. Dass man sich auf die Laufbahn des noch jungen Andreas Burkhart auch zukünftig wird freuen können, machte er mit der Basspartie im gefühlvollen „Pro Peccatis“, im lodernden „Flammis orci“ deutlich. Die Schönheit dieses „Stabat mater“, die ausmusizierte Ehrfurcht, die Blank mit einnehmender Eleganz seines Dirigats wiederspiegelt, sind ein Gewinn für alle, die das Konzert miterleben konnten.

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