Freispruch für Medizinrebell Mohr - Aber Ärzte warnen vor umstrittener Methode

Steingaden - Mit seiner Methode, die nur durch "lebenskundliche Beratung" Hilfe von der Erkältung bis zum Krebs verspricht, hatte Dr. Uli Mohr Landratsamt und Ärztlichen Bezirksverband alarmiert.

Beide prüften, ob der 48-Jährige unerlaubt die Heilkunde ausübt. Ergebnis: Mohr kann keinerlei Fehlverhalten nachgewiesen werden. Dennoch warnen Gesundheitsamts-Leiter Dr. Karl Breu und Dr. Hans-Joachim Lutz, Vorsitzender des Ärztlichen Bezirksverbandes: Simplonik sei eine risikoreiche Methode und wissenschaftlich nicht belegbar.

Auf SN-Anfrage kommentierte Mohr am Donnerstag gelassen den Ausgang der Untersuchungen. "Ich freue mich grundsätzlich über ein friedliches Miteinander aller Menschen." Dass seine Simplonik-Methode das Gesundheitsamt und den ärztlichen Bezirksverband alarmierte, überrascht ihn keineswegs. "Ich bin seit vielen Jahren ein Grenzgänger. Das Unverständnis der Menschen, die sich im normalen Rahmen befinden, hat mich doch schon immer begleitet."

Dr. Karl Breu fasst den Ausgang der Untersuchungen so zusammen: "Berufsrechtlich können wir Dr. Mohr nicht belangen ­ und das wollen wir auch gar nicht." Allerdings betont der Gesundheitsamts-Leiter, dass es nach wie vor keinen Beleg für die Wirksamkeit von Simplonik gebe. "Herr Mohr muss deshalb seine Patienten darauf hinweisen, dass es eine Außenseitermethode ist." Aber sowohl das Landratsamt als auch der Kreisverband gingen davon aus, dass der Steingadener Arzt dieser Verpflichtung auch nachkomme.

Daran lässt auch Mohr keinen Zweifel. Gegenüber den SN betonte er überdies, dass er gar keine Patienten behandle und sein Verfahren mit Medizin nichts zu tun habe. "Ich biete lediglich eine Lebensbegleitung mit Nahrungsergänzung an."

So habe er vor mehreren Jahren auch 20 000 Euro bei einer renommierten Münchner Anwaltskanzlei ausgegeben, um seine Methode so zu formulieren, dass dabei nicht der leiseste Eindruck einer Heilkunde entstehe. "Denn ich wollte vermeiden, dass die niedergelassenen Ärzte ihre Anwälte einschalten, weil sie um ihre Patienten fürchten."

Glaubt man Mohrs Erzählungen, so hätten die etablierten Mediziner allen Grund dazu: Denn der 48-Jährige berichtet von "beeindruckenden Erfahrungsberichten", die die Effizienz von Simplonik belegen. "Das reicht von Kindererziehung über Lebenskrisen bis hin zu schweren Erkrankungen wie Bluthochdruck, Multipler Sklerose oder Krebs."

Bei Dr. Hans-Joachim Lutz lässt Mohrs Methode nach wie vor die Alarmglocken schrillen. Der Chirurg aus Germering warnt jeden Erkrankten davor, sich alleine auf Simplonik zu verlassen. "Ich sehe das Verfahren sogar als äußerst gefährlich an, weil Menschen, die eine schwere Krankheit haben oder Angst davor, sich an jeden Strohhalm klammern." Dazu meint Mohr nur: "Wer zu mir kommt, hat bereits alle Therapien hinter sich."

Lutz betont zudem, dass vor jeder seriösen Therapie eine Diagnose stehen muss. Auch das sei bei Simplonik nicht der Fall "Dr. Mohr untersucht die Leute doch nicht. Er gibt ihnen nur Ratschläge im persönlichen Gespräch oder per Telefon." Fazit des Chirurgen: "Mohrs Methode gaukelt Hilfesuchenden Heilung vor ­ und das ohne wissenschaftlichen Beleg für eine einzige Heilung."

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