Noch ein Prosit auf das neue Jahr gab es am Sonntag beim Empfang der Kreis-Grünen. gro

G7-Demonstranten und Milchquote

Weilheim-Schongau - Der Umgang mit Demonstranten während des G7-Gipfels war Thema beim Neujahrsempfang der Kreisgrünen. Und die Abschaffung der Milchquote.

Der Landkreis Weilheim-Schongau sei „weltoffen und gastfreundlich“, erklärte Grehl in Anbetracht des G7-Gipfels - und das sage er in Rücksprache mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Wie berichtet, hatten Äußerungen von Landratsamtsmitarbeiter Helmut Stork für Aufsehen gesorgt, bei denen es um die Verhinderung von Protestcamps anlässlich des G7-Gipfels ging. Stork hatte auf einer Bürgermeister-Dienstbesprechung über Vorgaben des bayerischen Innenministeriums referiert.

„Wir begrüßen alle friedliebenden Demonstranten“, sagte Grehl im Lokal Schildbürger, es gelte, das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit zu schützen. Laut Grehl gibt es genug Gründe, „den Mächtigen zu zeigen, dass vieles auf unserer Erde nicht in Ordnung ist“. Demonstranten dürften daher auch im Landkreis aufgenommen und beherbergt werden - das zu tun, liege im Ermessen jedes Einzelnen. Eine Ausnahme bildeten größere Zeltlager - doch damit umzugehen, wüssten die Kommunen. Für den G7-Gipfel prognostizierte Grehl seinen Zuhörern: „Vieles wird in diesen Tagen nicht so sein, wie Sie es gewohnt sind.“

Der Milchpreis in der Region wird fallen - bei dieser Prognose waren sich dann alle einig, die am Sonntag am Meinungsaustausch beim Neujahrsempfang teilnahmen. Ansonsten waren aber recht unterschiedliche Aussagen rund um das Thema „EU-Landwirtschaftspolitik: Wegfall der Milchquotenmenge“ zu hören.

Einer, der der Milchquote wohl nicht hinterhertrauert, ist Wolfgang Scholz vom Bayerischen Bauernverband (BBV). Die Quote sei wie „ein Auto, das keine Räder mehr hat“, sagte er. „Die Quote kann nicht mehr wirksam sein.“ Scholz nannte einige andere Maßnahmen, die den Bauern aus seiner Sicht helfen könnten, etwa die Einlagerung von Milch zur Preisstabilisierung. Er hofft, dass die Talfahrt des Betrages, den die Bauern in der Region für einen Liter Milch erhalten, bei 32 Cent stoppt.

Daran glaubt Michael Schelle vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) nicht. Wegen der Quote liege der Preis derzeit in Bayern noch bei über 30 Cent. Er werde aber unter die 30-Cent-Marke fallen, sagte Schelle, „das ist logisch“. Die „totale Freigabe“ des Milchmarktes ist aus seiner Sicht nicht erwünscht. Ein Milchmarkt ohne Mengenregelung sei nicht in Ordnung. Ein Instrument, das laut Schelle helfen würde, ist, das Angebot der Nachfrage anzupassen. Denn wenn Angebot und Nachfrage übereinstimmten, seien kostendeckende Preise zu erzielen.

Eine Lanze für die Öko-Landwirtschaft brach Biobäuerin Maria Lüdemann, die als Beisitzerin dem Vorstand der Kreis-Grünen angehört. Sie plädierte dafür, lieber weniger, aber hochwertige Milch zu produzieren - dann sei eine Quote gar nicht nötig. 60 Prozent der deutschen Milch werden laut Lüdemann hergestellt, indem Kraftfutter zum Einsatz kommt - ein Verfahren, das aus Sicht der Bäuerin nicht sinnvoll ist.

„Die Kühe sollen fressen, was bei uns auf den Flächen wächst“, stieß Irene Popp von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AgL) in eine ähnliche Richtung. Es sei falsch, zuerst Futtermittel zu importieren und dann über Exportprobleme zu klagen. Vielmehr soll aus Popps Sicht der europäische Markt beobachtet und die Produktion der Nachfrage angepasst werden. Die AgL-Vertreterin befürchtet, dass es nach dem Aus für die Milchquote zu einem „Strukturbruch“ mit vielen Betriebsstilllegungen kommt - zumal es schon jetzt viele extrem gefährdete Höfe gebe.

Ludwig Huber von der Landesanstalt für Landwirtschaft prognostizierte: „Wenn die Quote fällt, werden wir auch mehr Milch haben. Das gilt für Bayern sicher.“ Er geht davon aus, dass der Milchpreis noch bis Mitte des Jahres sinkt. Allerdings sei zu erwähnen, dass das Preisniveau je nach Verwertung der Milch unterschiedlich ist. So erhalte etwa der Landwirt für Milch, die bei der Herstellung von hochwertigem Käse verwendet wird, mehr Geld als für Milch, die an den Verbraucher geht.

Stephanie Uehlein

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