BDM und Grüne kommen sich näher

Weilheim-Schongau - Der BDM-Kreisverband Weilheim-Schongau hat sein zehnjähriges Bestehen gefeiert - mit Festredner Anton Hofreiter von den Grünen.

Für viele Landwirte sind sie noch immer ein rotes Tuch, auch wenn es in den vergangenen Jahren Zeichen der Annährungen gab. Am vergangenen Sonntag haben sich Grüne und der Bund der Deutschen Milchviehalter (BDM) auf dem Hof der Familie Mayr in Deutenhausen noch ein wenig stärker angenähert: Vor über 300 Zuhörern sprach Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen des BDM-Kreisverbandes.

Und sowohl der Grüne als auch der BDM-Kreisvorsitzende Bernhard Heger in seiner Begrüßung versuchten nicht, die unterschiedlichen Auffassungen bei Düngung und Anbindehaltung im Stall unter den Tisch fallen zu lassen, gleichzeitig betonten beide aber auch Gemeinsamkeiten. Die größte davon ist ein Papier, das der BDM mit den Grünen erarbeitet hat: Beide wollen keine neue Milchquote, aber ein Marktbeobachtungssystem, das eingreift, wenn der Preis sinkt, dann sollen die Bauern entsprechend weniger produzieren. „Wir können nicht ausschließlich auf den freien Markt setzen, es ist ein Unterschied, ob ich bei VW mit Stahl arbeite oder im Stall mit Lebenwesen“, so Hofreiter, dessen rund 40-minütige Rede mehrfach von Applaus unterbrochen wurde. Den bekam er auch, als er sagte, dass die Grünen kein Problem mit einer Landwirtschaft hätten, wie sie im Oberland vorzufinden sei. Dort sei der Respekt vor der Kreatur noch sichtbar. „Aber kann man das noch Landwirtschaft nennen, wenn 10 000 Schweine oder 40 000 Hühner auf engstem Raum gehalten werden und die Gülle mit dem Lastwagen durch die Lande gefahren werden muss?“, so die rhetorische Frage. „Mit dieser Form der Landwirtschaft stehen wir in Konflikt.“

Der in Sauerlach geborene Biologe kritisierte auch die Bundesregierung, die sich nicht wirklich für ein Frühwarnsystem bei der Milch einsetze und die Milchbauern ihrem Schicksal überlasse. Aktuell liegt der Preis im Freistaat für einen Liter konventionell erzeugte Milch bei rund 29 Cent, im Landkreis bei rund 30 Cent. Kostendeckend wären zwischen 40 und 50 Cent, so Hofreiter, der für Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner eingesprungen war, der zuerst zu-, dann wieder abgesagt hatte (wir berichteten).

Hofreiter betonte, wie sehr er sich über die Einladung freue und wie sehr er sich freue, endlich wieder oberbayerisch sprechen zu können und sich nicht wie als Fraktionsvorsitzender in Berlin ständig auf die Zunge beißen zu müssen, damit ihn alle verstehen. „Ihr versteht’s mich“, so Hofreiter und meinte das nicht nur in Bezug auf seinen Dialekt. Vor seiner Rede in der einigermaßen kühlen Maschinenhalle hatte Hofreiter mit Vertretern von ÖDP, Grünen, SPD und Freien Wählern den Hof der Familie Mayr besichtigt.

In seiner Ansprache hatte Heger zunächst seine Kollegen vom BDM, dann die Gäste begrüßt - offizielle Vertreter von CSU und Bauernverband waren nicht dabei. Landrätin Andrea-Jochner Weiß (CSU) sprach nach der Mittagspause ein kurzes Grußwort. Heger betonte, dass der BDM ein fester Bestandteil der Verbändelandschaft sei. Grund zum Feiern habe man auf jeden Fall, auch wenn die Situation derzeit alles andere als rosig sei.

Das bestätigte auch Romuald Schaber, der Bundesvorsitzende aus Petersthal (Oberallgäu), der wie zuvor Heger und Hofreiter auf die Gemeinsamkeiten von Partei und Verband verwies: Eine nachhaltige, bodengebunde Landwirtschaft sei das Ziel beider - und ein „vernünftiger Milchpreis“, so Schaber.

jt

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