Der Steingressling lebt am Grund reißender Flüsse. F: lfu

Ein gutes Zeichen für die Vielfalt im Lech

Schongau - Eine seit 100 Jahren verloren geglaubte Fischart ist Gewässerspezialisten im Lech bei Augsburg ins Netz gegangen. Im Schongauer Land ist der Steingressling bislang unbekannt.

In Gersthofen bei Augsburg haben Spezialisten das Bayerischen Landesamts für Umwelt im Lech gleich vier erwachsene Exemplare des Steingresslings (lat. Romanogobio uranoscopus) in ihren Keschern gefunden. In Bayern gilt der Kleinfisch aus der Familie der Gründlinge als vom Aussterben bedroht, ist seit über 100 Jahren nicht mehr nachgewiesen worden. Laut Landesamt steht er auch europaweit auf der Liste schützenswerter Arten.

Den Fischern vor Ort ist der Steingressling bislang kein Begriff. „Ich höre den Namen zum ersten Mal“, sagt Alois Neumann, Vorsitzender des Peitinger Fischereivereins. Die Peitinger fischen vorwiegend im Deutensee und in der Peitnach.

Aber auch für die Angler, die am Lech aktiv sind, ist der Steingressling ein Unbekannter: „Uns ist noch keiner ins Netz gegangen“, meint Horst Nagl, Vorsitzender des Angelvereins Petri-Heil Altenstadt-Schongau. Ähnlich ist es beim Vorsitzenden des Kreisfischereivereins Schongau, Adolf Fastner: „Mir ist dieser Fisch nicht bekannt. Vermutlich ist er bei uns nicht natürlicherweise ansässig.“ Tatsächlich hat der Steingressling seine Heimat in der Donau.

Fastner kann sich allerdings vorstellen, dass das Tier auf Umwegen in den Lech gelangt ist: „Es gibt viele Möglichkeiten, wie Fischbrut vertragen wird. Beispielsweise können Enten den Laich ins Gewässer gebracht haben.“

Der Fischbestand im Lech hat sich über die Jahre gewandelt: Waren früher Eschen, Barben, Huchen und Nasen in dem Gewässer zuhause, leben dort mittlerweile vor allem Hechte, Rotaugen und Karpfen. „Der Lebensraum Stausee ist für diese Fische ideal – und die klassischen Fischarten werden immer weniger“, erklärt Fastner. Kleinfische wie der Steingressling werden im Lech nicht befischt. „Für das Biotop sind sie aber unheimlich wichtig“, sagt Fastner. „Wenn eine Art wieder auftaucht, ist das ein Zeichen, dass alles in Ordnung ist.“

Das kann Barbara Zach vom Bund Naturschutz nur bestätigen: „Im Hinblick auf die Biodiversität ist es grundsätzlich positiv, wenn eine Art in den Lech zurückkehrt oder sich ansiedelt – sofern sie sich in die Ökologie einfügt.“ Denn nur, wenn ein Tier in den Lebensraum passt, kann es keinen Schaden anrichten.

Auch Fastner freut sich über den Fund des Steingresslings: „Wir schützen den Lebensraum unter dem Wasser – und freuen uns über Vielfalt in unseren Gewässern.“

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