Ein gesundes Mittagessen in der Schule können sich viele Eltern für ihre Kinder nicht leisten. Die Gutscheine sollen ihnen bei der Finanzierung helfen, doch die bürokratischen Hürden sind sehr hoch. Foto: Monkey Business - Fotolia.com

Hilfe für Kinder scheitert an "Bürokratiemonster"

Weilheim-Schongau - Nur die Hälfte der Hartz IV-Empfänger im Landkreis Weilheim-Schongau beantragt Bildungsgutscheine für ihre Kinder.

Weil die Bürokratie für so genannte Bildungs- und Teilhabeleistungen zu hoch ist, nehmen nur wenige berechtigte Eltern staatliche Hilfe für ihre Kinder an. Das sagten Georg Guggemos, Geschäftsführer des Job-Centers in Weilheim, und Roland Kauf, Leiter des Sozialamts im Landkreis Weilheim-Schongau, bei der jüngsten Kreisausschuss-Sitzung. Die Kreisräte forderten Landrat Friedrich Zeller auf, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales über die Erfahrungen im Landkreis zu unterrichten.

Die Idee ist einfach: Hartz IV-Kinder sollen in den Genuss von Angeboten der Sportvereine, Musikschulen oder der Mittagsverpflegung an Schulen kommen, wobei das Geld dafür direkt an diese Anbieter und nicht an die Eltern überwiesen wird. „Es gibt eine Klientel, die das Geld in andere Dinge, etwa Alkohol oder Zigaretten umsetzt“, so Landratsamtssprecher Hans Rehbehn.

Für Hartz-IV-Empfänger heißt das, alle halbe Jahre neue Anträge zu stellen. Automatisch erhalten sie lediglich die „Schulbeihilfe. Da sind 70 Euro zum Schuljahresbeginn und nochmals 30 Euro zum Halbjahr für Schulmaterialien. Alle anderen Leistungen, etwa für Klassenfahrten oder Mittagessen, müssten mit einem eigenen Formular beantragt werden.

„Im Landkreis stellten 2011 lediglich 234 von 970 Berechtigten einen Antrag“ beim Sozialamt, wie Kauf den Kreisräten berichtete, „im Jahr drauf waren es 460 von 960 Berechtigten“. Beantragt wird an erster Stelle Schulbedarf, also Schulranzen, Hefte und dergleichen, an zweiter Stelle Mittagsverpflegung und an dritter Stelle Klassenfahrten. Beim Job-Center beantragten derweil 670 von 1200 Hartz IV-Empfänger Anträge auf Leistungen wie Sportverein-Mitgliedschaften, Klassenfahrten oder Mittagessen „Wir sind relativ ernüchtert“, so Guggemos; ihm falle nichts mehr ein, wie man mehr potentiell Berechtigte erreichen könne. „Die hohe Bürokratie ist den meisten ein Greuel“, so Georg Guggemos.

„Die Eltern und Kinder, die wir erreichen wollen, erreichen wir nicht“, stellte Kauf fest. Zwar biete man beim Ausfüllen der Anträge Hilfe an, die Hemmschwelle aber bleibe. Er habe bei höheren Gremien beantragt, den Eltern die Hilfen direkt auszubezahlen, wenn sie einen Beleg vorlegen könnten, doch habe man keinen Handlungsspielraum erhalten.

„Wir haben ein bürokratisches Monster geschaffen“, kommentierte der Sachsenrieder Kreisrat Hans Geisenberger die Situation. Die Peißenberger Bürgermeisterin Manuela Vanni empfahl, eine Resolution zu verfassen, dass der Kreisausschuss wünsche, „das Bürokratiemonster abzumonstern“.

Kreisrat Karl-Heinz Grehl schlug vor, einen Brief an die veranwortliche Ministerin Ursula von der Leyen mit den Erfahrungen im Landkreis Weilheim-Schongau zu schreiben, was der Kreisausschuss einstimmig unterstützte. Landrat Zeller versprach, an das Bundesministerium heranzutreten.

Christoph Ulrich

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