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Hohenfurchs Tor zur Welt ist geschlossen

Hohenfurch - Jahrelang bedeutete die Einstiegsrampe auf dem Bahnhof in Hohenfurch den ersten Schritt in die Welt. Nun wurde die 30 Meter lange Betonkante demontiert und wegtransportiert.

Frühmorgens um acht Uhr am Tag der deutschen Einheit. Viele Bürger bereiten sich auf einen besonderen Tag zum Feiern vor. Letztes Arbeiten an den Ständen in den Festmeilen der Innenstädte, lange Blechlawinen auf den Straßen in Richtung Berge. In der Schönachgemeinde sorgt noch dicker Nebel für alles andere als Feierstimmung.

Feucht kalt, schon fast frostig. Einsam steht eine Person an der langen Einstiegsrampe am Hohenfurcher Bahnhof. Die Person hält einen Fotoapparat in der Hand, dokumentiert. Hält in vielen Pixeln fest, was bald der Vergangenheit angehören wird. Ihm ist nicht zum Feiern zumute. Wehmut liegt in der Luft. Umschwirrt von vielen Gedanken. Walter Schiller lebt ein Leben lang im ehemaligen Bahnhofsgebäude neben der Einstiegsrampe. Seit seiner Kindheit hat er viel erlebt am Tor zur großen weiten Welt. Er hat die Züge kommen sehen, er hat Abschiedsszenen miterlebt. Schiller könnte Bücher schreiben. Jetzt müsste der 60-Jährige ein weiteres Kapitel an seine Memoaren anfügen. Die Demontage der Einstiegsrampe.

Man hatte damals für eine lange Zukunft gebaut. Stahlbeton, fest, für viele Generationen geplant. Doch jetzt müssen die Blöcke weichen. Im Rahmen der Schienen- und Schwellenerneuerung wird umgebaut. Für Frank Hilgenhof aus Rostock gibt es keinen Feiertag. Der Maschinist der Gleisbaufirma Emeran Braun aus München sitzt hoch in seinem Zweiwegebagger. Hilgenhof ist der erste im Glied der verschiedenen folgenden Trupps, die auf der Bahnstecke bis Kinsau zu finden sind. Grobarbeit ist angesagt. Die zerschweißten Gleisbereiche müssen gebrochen werden. Im Stück, Schienen und Schwellen miteinander. Die sechs Meter langen Gleisjoche werden dann mit dem Bagger aufgestapelt. Bis zu zehn Stück übereinander, soweit das Auge reicht. Die großen Schrottfirmen werden sich darum reißen.

Walter Schiller hat ein weiteres Motiv auf einer Eisenschwelle gefunden. Schiller wischt Rostspuren ab. Eine Jahreszahl wird sichtbar. 1934, danach der Schriftzug Krupp und das Logo. 79 Jahre wurden die Schwellen alt, jetzt werden sie ausgewechselt. Gegen neue aus Beton. In langen Reihen liegen sie neben der Strecke in Viererbündeln bereit. Ebenso die Schienenstränge. Und die müssen verlegt werden. Präzise und vor allem schnell. Denn die Zeit drängt, Zeit ist Geld. Bis zum 25. Oktober sollen alle Arbeiten ausgeführt sein. Solange müssen die Züge der Augsburger Localbahn über Pasing umgeleitet werden, um UPM zu beliefern. Deshalb ist zwischen Kinsau und Hohenfurch ein Soll zu erfüllen.

800 Meter müssen am Tag bewältigt werden. Meter für Meter, Schwelle für Schwelle, Schraube für Schraube. Nicht pi mal Daumen, sondern mit Lasersteuerung schiebt eine Raupe die Schottersteine auf die richtige Höhe. Verlegeplanum das Fachwort. Die Rollenzange legt die Schienen in die passende Position, mit dem Kettenbagger werden die neuen Schwellen in Viererbündel abgelegt. 65 Zentimeter der Abstand im richtigen Winkel. Befestigungsschrauben eindrehen, zuerst reine Handarbeit, dann Arbeit wie am Fließband mit dem Schraubesel. Das Team aus zirka 20 Mann versteht sein Handwerk. Das Schlusslicht bildet die Bettungsreinigung, eine fünfzig Meter Wagenanreihung, die für die Stopfmaschine Vorarbeit leistet.

Derweil am Bahnhof in Hohenfurch. Eisenbahnerfreundschaften werden geschlossen. Zwischen Rostock und der Schönachgemeinde, zwischen Frank und Walter. Ein wirklicher Tag der Einheit. In einer Pause schenkt Walter Schiller Kaffee aus. Dort wo einst die Rampe zum Tor der Welt war, steht, wenn auch nur für wenige Stunden, Walter's Kaffeeausschank.

hh

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