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Wiespfarrer Kirchmeir.

Jetzt spricht das Opfer

Wiespfarrer: „Ich war zu Tode erschrocken“

Böbing – Der brutale Raubüberfall auf ihn und seine Haushälterin im Pfarrhaus in Böbing – diese Schreckensbilder werden Wiespfarrer Georg Kirchmeir ein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf gehen. Mit dem Münchner Merkur sprach er über die Schreckensnacht.

Derzeit liegen er und seine Haushälterin immer noch in der Unfallklinik in Murnau. Der Heimatzeitung hat Kirchmeir geschildert, wie er den Überfall erlebt hat.

„Ich habe das Ganze als lebensbedrohend empfunden!“, berichtet der Wiespfarrer vom Krankenbett in Murnau. Dem 73-jährigen Prälaten, der Ende August offiziell in Ruhestand tritt, läuft immer noch ein kalter Schauer über den Rücken, wenn er an die schlimmen Vorfälle in der Nacht zum 20. Juli denkt. Damals waren – wie berichtet – um 3 Uhr nachts zwei schwarze Gestalten, mit Revolvern bewaffnet, in den Böbinger Pfarrhof (Altersruhesitz des Wiespfarrers) eingedrungen. „Ich war zu Tode erschrocken“, schildert Georg Kirchmeir die Situation, als er den Einbrechern gegenüberstand. Sie hatten ihn aus dem Schlaf gerissen, dann aus dem Bett gezerrt und zunächst nur drei Worte gesprochen: „Geld, Tresor, Karte.“

Kirchmeir will einen ostdeutschen Dialekt bei den Tätern erkannt haben, die beiden wegen des Pfarrhausüberfalls in Tuntenhausen verhafteten Ganoven haben aber laut Polizei mit osteuropäischem Akzent gesprochen. „Die Einbrecher haben gemeint, es muss einen Tresor im Haus geben“, fährt der Wiespfarrer fort. Auf die Frage, ob noch jemand im Hause sei, habe er mit „Nein“ geantwortet. Doch das nahmen ihm die Räuber nicht ab.

Wenig später zerrten sie seine Haushälterin zu ihm ins Schlafzimmer. „Wir mussten uns auf den Bauch legen, und dann haben sie uns die Hände auf den Rücken gefesselt“, so Kirchmeir mit immer noch etwas zittriger Stimme. Nachdem sich die Ganoven zuerst die EC-Karte der Haushälterin unter den Nagel gerissen haben (sie hoben damit 1000 Euro vom nahegelegenen Bankautomaten ab), bedrohten sie den Wiespfarrer massiv: Ihm blieb nichts anderes übrig, als zu verraten, dass sich seine EC-Karte im Handschuhfach seines Autos befindet. Auch die PIN-Nummer musste er angesichts der Gewaltandrohung preisgeben.

Als die Räuber sich am Bankautomaten bedient hatten, kehrten sie noch einmal an den Tatort zurück, zerrten ihre gefesselten Opfer an einen Heizkörper und fixierten sie dort. „Ich bin mit einem Strick durch den Mund geknebelt worden, und meiner Haushälterin wurde mit Taschentüchern der Mund zugebunden“, berichtet Kirchmeir.

Auch als die Täter verschwunden waren, herrschte bei den Opfern große Angst. Sie befürchteten eine erneute Rückkehr der Ganoven. „In unserer Not haben wir einen Rosenkranz gebetet“, so der Wiespfarrer. Wegen der Knebelung sei aber nur ein kaum verständliches Gemurmel herausgekommen. Das Gebet wurde auch an den Gegeißelten Heiland in der Wies gerichtet, „denn der ist ja auch gefesselt“. Rund eineinhalb Stunden zerrten Kirchmeir und seine Haushälterin an den Fesseln, ehe die Knoten dann doch gelöst und Hilfe herbeigeholt werden konnte.

Nach der Einlieferung ins Unfallkrankenhaus Murnau hat sich der Wiespfarrer einer Herzoperation unterzogen. Ihm wurde ein „Stent“ zur besseren Durchblutung der Herzkranzgefäße eingesetzt. „Es geht mir den Umständen entsprechen gut“, verrät Kirchmeir über seinen Gesundheitszustand. Noch eine Woche muss er in der Klinik verbringen, dann steht sein Abschiedsgottesdienst (15. August) in der Wieskirche an, und anschließend geht’s noch auf Reha.

Ob er in den Böbinger Pfarrhof, an die Stätte des Überfalls, zurückkehrt? „Ja, ich gehe wieder nach Böbing zurück“, verspricht Kirchmeir. Böbing – gerade zum schönsten Dorf Bayerns gekürt – sei für ihn der schönste Platz, den er sich vorstellen könne. Er habe dort während seines bisherigen Aufenthalts viele nette Leute kennengelernt. Wo so viele gute Menschen seien, dürfe man sich auch von ein paar bösen Typen nicht vertreiben lassen.

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