Dr. Karl Breu Leiter des Gesundheitsamtes

"Intensivstationen sind vorbereitet"

Weilheim-Schongau - Der Bundestag hat die Organspende neu geregelt. Das Gesetz sieht vor, dass die Krankenkassen die Versicherten nach ihrer Spendenbereitschaft fragen und dies in deren Versichertenkarte vermerken.

Wie das funktioniert und welche Auswirkungen das haben wird, dazu der Leiter des Gesundheitsamtes Weilheim-Schongau, Dr. Karl Breu. Breu ist Verfechter der Organspende.

-Das neue Organspendegesetz ist da, was erwartet uns?

Ich gehe davon aus, dass die Krankenkassen ab Oktober alle Versicherten über 16 Jahre anschreiben. Zuerst werden sie mit Informationsmaterial versorgt, dann werden sie gefragt, ob sie einer Organspende zustimmen. Auch werden die Bürger bei Behördengängen, zum Beispiel beim Beantragen eines Ausweises oder beim Abholen des Führerscheins, mit dem Thema konfrontiert.

-Ist das so in Ihrem Sinn?

Der deutsche Ärztetag hat Bedenken, weil die Entscheidungen an die Krankenkassen gehen. Wir Ärzte sehen da Probleme mit der Schweigepflicht wegen der Eintragung in die Versichertenkarte. Unseres Erachtens sollten Ärzte diese Einträge machen.

-Müssen sich die Versicherten jetzt zur Organspende äußern?

Nein, es gibt keine Verpflichtung, es ist alles freiwillig. Da es aber eine große Uninformiertheit und damit verbunden große Ängste in der Bevölkerung gibt, steht an erster Stelle die Information. Denn es zeigt sich: 92 Prozent der Bürger stimmen zu, wenn sie gut informiert sind.

-Sind die Krankenhäuser für mehr Organentnahmen gerüstet?

In Bayern gibt es ja schon die Vorschrift, dass die Kliniken einen Transplantationsbeauftragten haben müssen. Es gibt sowohl am Schongauer als auch am Weilheimer Krankenhaus je einen. Wenn ein Fall auftritt, müssen die Kliniken nun einen OP und Intensivbetten zur Verfügung stellen. Die Kostenübernahme dafür ist jetzt auch geregelt.

-Gab es schon eine Organentnahme an einem der Krankenhäuser?

Vor zwei Jahren hatten wir am Schongauer Krankenhaus eine Organspende. Damals wurden einer Person mehrere Organe entnommen. So ein Eingriff ist natürlich mit sehr viel Arbeit verbunden.

-Erwarten Sie mehr solcher Fälle?

Da es im Landkreis keine neurologische Intensivstation gibt und verunglückte Motorradfahrer beispielsweise ins UKM kommen, werden es nicht so viele sein. Aber auch die Intensivstationen in Schongau und Weilheim sind ausgestattet und vorbereitet.

Interview: Brigitte Gretschmann

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