Ab sofort weisen extra angeschaffte Schilder an den drei Ortseingängen auf das Wildsteiger Jubiläum hin: Rathauschef Josef Taffertshofer (links) und Festleiter Max Bertl hoffen darauf, dass vom Festjahr eine Menge für den Ort übrig bleibt. foto: baar

950 Jahre Wildsteig: Jubiläums-Startschuss an Silvester

Wildsteig - Wildsteig wird 950 Jahre - und das ganze Dorf feiert mit. Das große Jubiläumsfest beginnt an Silvester.

„Wilde Steig“: So wurde im Jahr 1110 die Flur genannt, in welcher Graf Welf II. Besitz hatte – und der in jenem Jahr schriftlich festhielt, dass er just jenen Flecken Erde der Kirche in Rottenbuch übergibt. Das war die erste urkundliche Erwähnung Wildsteigs, 2010 feiert das 1200 Einwohner zählende Dorf groß sein 900-jähriges Jubiläum.

Das Programm steht. Am 31. Dezember wird das Festjahr ab 23 Uhr auf dem Schulplatz begrüßt. Zwölf Monate Vorbereitung liegen hinter den Wildsteigern, seit der Gemeinderat im November 2008 beschloss, den Dorfgeburtstag zu begehen. Das Besondere: Gefeiert wird das ganze Jahr über, mit Veranstaltungen, Ausstellungen, Umzug und Festgottesdienst (siehe Kasten).

„Wir wollten bewusst weg von dem klassischen Ritual nur mit einem historischen Festzug“, erklärt Bürgermeister Josef Taffertshofer. Stattdessen sollen „alle Themenbereiche, die für das Dorf wichtig sind, beleuchtet werden.“

Und so rauchten in acht Arbeitskreisen die Köpfe. Rund 70 Bürger, schätzt Festleiter Max Bertl, machten sich Gedanken, wie Energie, Handwerk, Landwirtschaft, Natur, Alltag, Bildung, Wald und Wild sowie die Partnergemeinden Oulmes und Auernheim im Festjahr untergebracht werden können. „Die haben sich viel Mühe gemacht“, lobt Bertl, unter dessen Regie der Festausschuss das Programm zusammenstellte.

Schwerpunkt sind die vergangenen 100 Jahre und vor allem die Zeit nach 1945. Warum? „Die Epoche ist für die Menschen noch nachvollziehbar“, meint der Rathauschef. „Da können wir noch viele alte Arbeitstechniken und kulturelle Elemente aufleben lassen.“ Denn Geschichte wird 2010 in Wildsteig lebendig: Am Festwochenende vom 13. bis 15. August wird die Kirchbergstraße zum historischen Handwerksmarkt – Münzpräger, Werkzeugmacher, Käser, Schmiede, Fischer und Trachtenschneider zeigen ihre Techniken; alte Kinderspiele dürfen ausprobiert werden.

Im Verlauf des Festjahres gibt es Heu- und Kartoffelernte wie vor 100 Jahren auf den Felder zu sehen. Und am 16. Mai wird der Jakobus-Brunnen eingeweiht – um dessen Standort vor Pfarrhof und Schule politische und kirchliche Gemeinde gestritten hatten.

Der Bürgermeister sieht nicht nur das Fest, für das die Kommune 20 000 Euro in den Haushalt gestellt hat, er hofft auf Nachhaltigkeit: Man wolle, sagt Taffertshofer, dass sich die Einwohner „intensiv mit dem Ort identifizieren und wir unsere Stärken und Schwächen spüren“.

Ein Anfang ist gemacht: Die rund 300 Anwesen samt der etwa 500 Familien in Wildsteig wurden von zehn heimischen Fotografen abgelichtet, der Bildband soll laut Taffertshofer „als Archiv für spätere Generationen“ dienen. Außerdem boten heimische Künstler Hausnamen-Schilder an.

Geschichte wird beim Feiern selbst lebendig: Die Ettaler Mönche brauen ein Festbier, dazu gibt es 20 000 Bierdeckel mit dem Jubiläums-Logo.

Und beim Preisschafkopfen im am 11. August liegen extra Spielkarten auf dem Tisch – die 1000 Packerl zieren Wildsteiger Persönlichkeiten wie Klosterprobst Ambrosius Mößmer. Festleiter Bertl lobt Engagement und Programm: „Ein Dorf feiert sich selbst und lädt dazu Gäste ein.“

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