Die Kirche soll im Dorf bleiben

Landkreis - Zu Hunderten umarmten sie ihre Kirche oder reichten sich nach dem Gottesdienst einträchtig die Hände: Gläubige, die am Sonntag gegen die pastorale Raumplanung 2025 demonstrierten.

Dicht gedrängt stehen sie da, den Blick fest nach vorn gerichtet. Einige fassen sich an den Händen und sprechen Gebete: Die Gläubigen der Pfarrgemeinden Schwabsoien, Schwabbbruck, Schongau, Prem, Steingaden und Hohenfurch, die nach dem Gottesdienst Menschenketten bildeten, um gegen die pastorale Raumplanung 2025 zu demonstrieren.

„Die Aktion war ein großer Erfolg“, freut sich Thomas Stalter, Pfarrgeimederatsvorsitzender von Schwabsoien. 114 Menschen standen nach dem Sonntagsgottesdienst in einem großen Kreis um das Kirchenmodell ihrer Pfarrkirche. „Doppelt bis dreimal soviele Menschen“ fanden sich laut Stalter ein. Ein eindeutiges Zeichen der Gemeinde, dass sie das Vorhaben unterstützen, findet er. Das Kirchenmodell, welches schon bei vielen Festzügen ein sichtbares Glaubensbekenntnis der Bürger war, steht in Sichtweite zur Pfarrkirche. Und diese soll auch weiterhin der Mittelpunkt des Dorfes sein. Die Gläubigen zeigen Solidarität zu ihrem Pfarrgemeinderat. Sie beten, sie singen und sie bitten miteinander, dass sie auch weiterhin in ihrer Kirche Wortgottesdienste abhalten dürfen. Nach eindringlichen Worten von Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Thomas Stalter tragen die Gläubigen ihre Gedanken und Wünsche in ausgelegte Hefte. Es sind Gedanken des Dankes an den Pfarrgemeinderat, der mit Mut und Klarheit vordenkt und sich mit deutlichen Worten äußert, dass die Dorfkirche weiterhin der Mittelpunkt für die Gläubigen bleiben soll. Unter ihnen Fritz Linder, der sich klar ausdrückt. Traten doch zum Wortgottesdienst am Samstag genauso viele Menschen vor den Altar wie am Sonntag zur Messe. „Die Kirche soll im Dorf bleiben“, dieser Spruch kommt nicht von ungefähr, erinnert Linder. „Unsere Familienmitglieder wurden hier getauft, sie empfingen in unserer Dorfkirche die Kommunion und wurden hier beerdigt“, sagt er.

In Schongau versammelten sich laut Pfarrgemeinderätin Kornelia Funke „überraschend viele Menschen“ auf dem Vorplatz der Kirche. „Jung und alt, es war alles dabei. Das zeigt Zusammenhalt“, freut sie sich.

Auch nach den Familiengottesdiensten in Steingaden und Prem versammelten sich die Menschen nach der Predigt von Pfarrer Günther Bäuerle. 140 Leute fassten sich in der Premer Kirche über die Bänke hinweg an den Händen und in Steingaden bildeten 210 Gläubige im Innenraum am Kirchenschiff entlang einen Kreis. „Bei uns gehen auch häufig Kinder allein in die Kirche. Beispielsweise wenn die Mutter sich ums Geschwisterle kümmert oder eine Kuh kalbt“, erzählt Gemeindereferentin Sylvia Hindelang. Gäbe es nur noch einen festen Gottesdienst in einem anderen Ort, könnten die jungen Christen natürlich „nicht mehr schnell rüber in die Kirche huschen“, gibt Hindelang zu bedenken.

„In einer anderen Kirche fühlt man sich immer fremd“, betont Sieglinde Schuster, ehemalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Hohenfurch. Darum hätten auch die Hohenfurcher Gebete gesprochen. Worum es in den Gebeten ging? „Wir baten um Frieden in der Kirche und den Heiligen Geist um Eingebung , dass die Kirche nicht gespalten wird“, so Schuster.

Sabine Krolitzki und Hans Herold

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