„Peißenberger Krankenhaus“. Wie lange wird es dieses Schild noch geben? foto: preller

Krankenhaus vor dem Aus

Peißenberg - Das Krankenhaus Peißenberg steht vor dem Aus. Der Kreisausschuss befasst sich schon am kommenden Montag mit der Schließung der Inneren Abteilung.

„Beendigung des Betriebs der Inneren Abteilung im Krankenhaus Peißenberg und die Verlegung nach Weilheim“, heißt es auf der Tagesordnung, hinter der das Schicksal von 60 Mitarbeitern steht. Als Begründung wird die „betriebswirtschaftliche Schieflage“ der Krankenhaus GmbH genannt. Die Peißenberger Klinik habe von 2006 bis 2012 ein Defizit von 3,9 Millionen Euro erwirtschaftet. In den folgenden Jahren wird bei einer „nur durchschnittlichen 60-Prozent-Auslastung der Inneren Abteilung“ ein Minus von bis zu einer Million Euro erwartet.

Für Fischer, der von der geplanten Schließung erst am vergangenen Freitag erfahren hat, ist die Begründung nicht plausibel. Jedes zweite Krankenhaus in Bayern arbeite nicht kostendeckend. Durch die Schließung würde das Defizit der GmbH, zu der noch die Häuser in Weilheim und Schongau gehören, nicht wesentlich geringer. „Das Übel liegt ganz woanders. Es liegt an den Rahmenbedingungen“, so der Chefarzt.

Im Mai kommenden Jahres geht Fischer in Rente, dann soll die Innere, die 40 Betten hat, verlegt werden. Aber das funktioniere nicht, denn der Umbau des Krankenhauses würde noch Jahre dauern. Und „Betten sind nicht gleich Betten“, die Innere Abteilung verfüge über vier Intensivbetten, die man nicht so einfach verlegen könne. Fischer und sein Weilheimer Kollege Dr. Andreas Knez seien sich einig, „dass wir das nicht verantworten können“. Fischer: „Man schafft ein Chaos. Der Personalrat lässt sich das nicht gefallen.“

„Die Leute sind absolut unten“, sagte die Betriebsrätin Annemarie Fürst gestern über die Stimmung. Die meisten Kollegen seien seit Jahrzehnten, teilweise seit über 30 Jahren, in der Peißenberger Klinik beschäftigt. Dementsprechend liege das Durchschnittsalter zwischen 50 und 60 Jahren. „Wo finden die Leute eine Arbeit?“, fragt Fürst. 75 Prozent der Belegschaft würde nicht übernommen. Die Schließung gehe von Landrat Friedrich Zeller aus, der diese in einem Gespräch mit dem Betriebsrat und Fischer angekündigt habe. Und schon in einer halben Woche ist die Schließung Thema im Kreisausschuss. Zu kurz, um eine Demo anzumelden, aber mit Transparerenten wollen die Beschäftigten die Bürger aufrütteln.

Sie haben einen Brief an die Kreisräte verfasst, und auch Chefarzt Fischer will sie noch vor der Sitzung anschreiben und mit einigen von ihnen sprechen. Fischer hätte auch einen Vorschlag: Die hochintensiven Fälle sollen weiter in Peißenberg behandelt werden, die schnellintensiven wie das Legen eines Herzkatheders in Weilheim.

Ob sich der Kreisausschuss darauf einlässt? Über eine Folgenutzung des Krankenhauses und des Geländes wird nachgedacht. „Es wird angestrebt, dort ein attraktives Sozial- und Gesundheitszentrum zu etablieren“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

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