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Schongaus Polizeichef Rudolf Fischer

Lautstarker Ruf nach einer Sicherheitswacht

Schongau - Aufgeschreckt durch den jüngsten Prügel-Überfall an der Stadtmauer, haben sich Schongauer Senioren - und Polizeichef Rudolf Fischer - für eine Sicherheitswacht ausgesprochen.

Wenn sich der Stadtrat in der Sitzung am heutigen Dienstagabend damit auseinandersetzt, ob die Stadt eine Sicherheitswacht bekommen soll, dann dürften die Räte – ginge es nach den Senioren – nicht lange überlegen und mit „Ja“ stimmen. Bleibt die Frage: Lässt sich das Konzept „Bürger sorgen für Recht und Ordnung“ so einfach vom Wunsch in die Realität umsetzen?

Arthur Simnacher spricht bei der Informationsveranstaltung.

Denn tatsächlich haben die Mitglieder der Sicherheitswacht, die sechs bis acht Stunden pro Woche durch die Stadt „patrouillieren“ sollen, keine anderen Kompetenzen wie jeder normale Bürger auch. Diese ernüchternde Erkenntnis überbrachte der Schongauer Polizeichef Rudolf Fischer auf Nachfrage mehr als 50 Senioren. „Das sind geschulte Zivilpersonen – die können zu einem Störenfried hingehen, sagen: Weg mit dem Alkohol! Mehr nicht.“ Beobachtet die Sicherheitswacht beispielsweise einen Straftäter beim Einschlagen einer Scheibe, kann sie „den Täter lediglich festhalten, bis die Polizei kommt – so wie jeder andere Bürger auch.“

Kein Knüppel, keine Handschellen und schon gar keine Waffe – wie erkennt der Bürger überhaupt die Leute von der Sicherheitswacht. „Die sind durch Armbinden kenntlich gemacht“, wusste Kornelia Funke, Vorsitzende des Seniorenbeirats. Sie hat sich bereits in der Nachbarschaft umgesehen und weiß: „In Kaufbeuren funktioniert das mit der Sicherheitswacht bereits sehr gut, die Bürger haben einen Ansprechpartner.“

Allerdings hat sich auch Rudolf Fischer bereits in Kaufbeuren erkundigt und weiß von den Kollegen: 35 bis 40 Freiwillige müssen sich für die Sicherheitswacht melden und 40 Stunden Schulung durchstehen. Von diesen Freiwilligen bleiben letztlich sechs bis acht übrig, die dann tatsächlich noch den Dienst auf der Straße antreten.

Die Kosten für die Sicherheitswacht werden von der Stadt getragen. Eine Ausnahme ist das erste Jahr nach der Einführung: Das Ministerium übernimmt sowohl den Stundenlohn der Wacht, der bei 7,16 Euro pro Wachmann oder -frau liegt, als auch die Ausbildung der Sicherheitsleute.

Letzteres ist allerdings wieder eine Krux für die Schongauer Polizei: Die würde sich zwar wegen Personalmangels über eine Einführung der Bürgerwehr freuen, hat allerdings gerade wegen fehlender Beamten auch noch die 40 Stunden Schulung zu schultern – inklusive Vorbereitung. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder, „weil ja immer wieder neue Leute ausgebildet werden müssen“, so Fischer. Die Polizei schult, Entscheidung und Umsetzung wiederum liegen alleine bei der Stadt.

Trotz Sicherheitswacht gibt es häufig Situationen, in denen auch die Polizei machtlos ist. Vandalismus, Ruhestörung, tätliche Übergriffe: „In der Rechtsprechung werden die Jugendlichen noch immer mit Samthandschuhen angefasst“, weiß Rudolf Fischer aus der Praxis. Untermauert wird diese Aussage von Zahlen: „90 Prozent unserer Anzeigen werden eingestellt.“

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