Lebensleistung von Schwester Lucia aus Böbing und Sepp Klasen aus Hohenpeißenberg gewürdigt

Weilheim-Schongau - Es sind zwei Persönlichkeiten, wie sie auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: der frühere Landtagsabgeordnete Sepp Klasen (75) und Schwester Lucia (78), Leiterin des Kinderheims St. Hedwig in Böbing.

Beide wurden bei der gestrigen Sitzung des Kreistages in Bernbeuren vom Landkreis geehrt: Schwester Lucia mit dem silbernen, Klasen mit dem goldenen Ehrenring des Landkreises.

„Dankeschön, ein bisschen schäme ich mich aber auch für die Auszeichnung. Das was ich tue, ist doch eine Selbstverständlichkeit“, so Schwester Lucia (Maria Langer) in ihrer Dankesrede. Seit zehn Jahren leitet die Hedwigsschwester, die vorher in Lippstadt und Berlin war, das Heim, in dem aktuell 24 Kinder und Jugendliche untergebracht sind. Die gebürtige Dresdnerin trat 1953 in die Kongregation der Hedwigsschwester ein, legte ihre ewige Profess 1960 ab und studierte später Sozialarbeit. Laut Landrat Friedrich Zeller werde mit der Verleihung des silbernen Ehrenringes, dessen Zahl auf 20 lebende Personen beschränkt ist, die Lebensleistung von Schwester Lucia gewürdigt, ihre Arbeit und die vieler anderer in diesem Bereich werde damit ein wenig ans Licht der Öffentlichkeit geholt.

Um zu wenig Öffentlichkeit brauchte sich Sepp Klasen während seiner aktiven Zeit als Politiker keine Sorge zu machen: Der gebürtige Schongauer, Sohn eines Maurers, war 20 Jahre Landtagsabgeordneter für die SPD (1970 bis 1990), 24 Jahre im Kreistag, davon 16 Jahre Fraktionssprecher, heute ist Klasen Vorsitzender des VdK-Oberland. Viermal trat Klasen als Landratskandidat seiner Partei an, viermal unterlag er, bisweilen recht knapp. „Ich wäre gern Landrat geworden, die Arbeit hätte mir Spaß gemacht,“ so Klasen in seiner Dankesrede, die er auch dazu nutzte, den heutigen Kreisräten ins Gewissen zu reden. Er mahnte zu mehr Geschlossenheit zum Beispiel bei der Frage nach der Zukunft des Krankenhauses Penzberg und erinnerte, wie er und die SPD seinerzeit mit CSU-Landrat Manfred Blaschke und der CSU-Fraktion die heutige Müllpolitik des Landkreises auf den Weg gebracht haben. „Da haben wir auch widerstanden zu zündeln“, so Klasen. Grundsätzlich, so Klasen, habe den Landkreis Weilheim-Schongau eigentlich keiner gewollt, er sei einer derjenigen, die sich dafür am meisten engagiert hätten.

Dieses Engagement würdigte der Landrat, der aber auch die andere Seite des heute in Hohenpeißenberg lebenden Klasen beleuchtete. So hat Klasen schon seit seiner frühesten Jugend gesungen und Geige gespielt. Neben dem Jura-Studium habe Klasen auch eine Gesangsausbildung. Der Bariton sei auch einer der wenigen SPD-Politiker gewesen, dem es nicht gelungen sei, ein Bierzelt leerzureden, so Zeller. „Klasen ist ein Redner, an dem Cicero seine Freude gehabt hätte.“

Klasen, der auch als Synchronsprecher arbeitete, bedankte sich für die Auszeichnung mit einem „des hätt’s jetzt nicht gebraucht“. Die Zahl der Träger des goldenen Ehrenringes ist auf zehn lebende Personen beschränkt, zu ihnen zählt zum Beispiel auch Klasens langjähriger Weggefährte und politischer Gegenspieler, Peter Widmann (CSU).

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