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Wollen einmal um die Ostsee (v.l.): Martin Sinn, Christoph Sohmen, Thomas Speer und Philipp Demmel fahren bei der Baltic Sea Rallye mit. Jeweils zu zweit sind sie unterwegs. 

Männer aus Schongauer Land bei Abenteuer-Rallye

„Baltic Sea Circle“: Schnitzeljagd bei minus 33 Grad

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Wenn schon Abenteuer-Rallye, dann richtig, dachten sich vier Männer aus dem Schongauer Land. Mit zwei Oldtimern wollen sie einmal um die Ostsee. Von eisigen Temperaturen lassen sie sich nicht aufhalten. Schließlich geht es auch um einen guten Zweck bei der „Baltic Sea Circle“.

Rottenbuch– Während viele genug vom Winter haben, fahren vier Männer aus dem Schongauer Land jetzt in den hohen Norden. „Endlich wieder richtig Schnee“, meinen sie. Thomas Speer (24) und Philipp Demmel (32) aus Rottenbuch, Christoph Sohmen (26) aus Böbing und Martin Sinn (44) aus Schwabsoien starten bei der nördlichsten Rallye: in Zweierteams geht es bis zum Polarkreis, einmal um die Ostsee zum Start- und Zielort Hamburg. „Da wollten wir alle eh schon immer einmal rauf“, sagt Demmel. Jetzt im Winter wird die Fahrt besonders abenteuerlich.

Größte Herausforderung wird wohl die Kälte, sind sich alle einig. „Letzte Woche waren es am Polarkreis minus 33 Grad, aber ich hab heute noch einmal nachgeschaut – jetzt sind es nur noch minus 27“, sagt Demmel und lacht.

Weil Schrauben bei dieser Kälte natürlich nicht allzu viel Spaß macht, bringen sie ihre Autos, einen Audi 80 Quattro und einen Audi 100 Quattro, schon seit über einem halben Jahr in Rottenbuch auf den besten technischen Stand. Und hoffen auf möglichst wenige Pannen.

Das besondere an der Rallye: es geht nicht darum, wer am schnellsten im Ziel ist. Punkte können bei verschiedenen Aufgaben gesammelt werden. Wie zum Beispiel ein Foto mit einer bestimmten Statue zu schießen. Wie bei einer Schnitzeljagd werden die Rallyteilnehmer von Ort zu Ort geschickt. „So kommt man auch mit den Einheimischen ins Gespräch“, freut sich Sinn. Außerdem hofft er Polarlichter zu sehen. „Das wäre ein Highlight“. Dass es so oder so eine spannende Reise wird, glaubt Christoph Sohmen. „Der Weg ist das Ziel“. Die Landschaft wird ohnehin beeindruckend sein.

Martin Sinn hat schon einmal bei einer Rallye teilgenommen. Damals ging es nach Aserbaidschan, wo die Autos gespendet wurden. Was mit ihnen passierte, weiß er nicht. „Wahrscheinlich wurden sie einfach verschrottet“, vermutet er. Das sei schade, schließlich habe man viel Arbeit investiert.

Gespendet werden soll trotzdem. 750 Euro sind von den Veranstaltern pro Team vorgeschrieben. Wofür sie sammeln ist jedem selbst überlassen. Für die Teams Bienenflügel und Kuhauge stand gleich fest: das Geld soll in der Region bleiben.

Die Spenden haben sie in den vergangenen Tagen bereits übergeben. Der Kindergarten in Rottenbuch bekam Lego im Wert von 500 Euro, die Regens-Wagner Schule spezielle Räder, die mit Händen und Füßen angetrieben werden können. Der Kindergarten in Böbing hat sich ein Bällebad gewünscht. Bei der Übergabe hatten alle großen Spaß. „Seid ihr richtige Rennfahrer?“, wollten die Kinder zum Beispiel wissen. Auch wie es sich in einem Rallyeauto sitzt, probierten sie aus.

Das Geld haben die vier Männer bei Unternehmen und Privatpersonen aus der Region gesammelt. „Manche haben uns zwar für verrückt erklärt, aber uns trotzdem unterstützt. Dafür bedanken wir uns. Die Teilnahme wäre sonst gar nicht möglich gewesen wäre“, so Demmel.

Alle Sponsoren wurden auf den Autos verewigt. In einer Nachtschicht kurz vor der Abreise haben die Männer die Autos fertig beklebt und auch optisch rallytauglich gestaltet. Auf dem Dach haben sie zwei größere Fässer befestigt – darin lassen sich Gepäck und Ersatzteile fürs Auto verstauen. Denn im Fahrzeug selbst ist dafür kein Platz. Kofferraum und Rückbank wurden umfunktioniert. Ein großes Holzbrett liegt dort, darauf eine Matratze. Demmel, Sinn, Sohmen und Speer haben vor, während der Reise in ihren Autos zu schlafen – auch bei minus 33 Grad.

Los ging die Rallye am vergangenen Samstag in Hamburg. Erst dort bekamen die Teilnehmer die genaue Route. Nur dass es durch zehn Länder gehen wird, wussten sie schon: Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Lappland, Russland, Estland, Lettland, Litauen und Polen stehen auf der Liste. Insgesamt rund 7500 Kilometer in 16 Tagen.

Hinzu kommen zirka 1660 Kilometer, schließlich müssen sie zum Startpunkt nach Hamburg und zurück – bei der Reise ist diese Strecke aber kaum der Rede Wert, da seien sie ja schon fast wieder daheim, scherzen die vier.

Spenden für soziale Einrichtungen in
Rottenbuch und Böbing gesammelt

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