Methadonabgabe: Verbots-Vollstreckung verschoben

Peiting - Die Methadon-Patienten in Peiting und Umgebung können vorerst aufatmen. Das für gestern terminierte Abgabeverbot des Drogenersatzstoffes ist um eine Woche verschoben worden.

Für die Patienten ist es zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer – wenn auch nur für eine Woche. Denn wie Dr. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamtes, mitteilt, hat das zuständige Verwaltungsgericht die Vollstreckung des Methadon-Ausgabeverbots durch Substitutionsarzt Dr. Pirzer (wir berichteten) um eine Woche verschoben. Das Gericht reagierte damit auf den Einspruch des Peitinger Arztes.

Wie es aber danach weitergeht, ist unklar. „Das Gericht hat angekündigt, kommende Woche eine Entscheidung zu treffen. Wie die ausfällt, kann man momentan nicht hundertprozentig sagen“, erklärt Breu. Allerdings gäbe es laut dem Gesundheitsamtsleiter Hinweise, dass die vom Landratsamt erhobenen Vorwürfe gegen den Arzt auch vom Gericht bestätigt werden.

Sollte dies der Fall sein, stehen die Patienten erneut vor der – für sie existentiellen – Frage: „Welcher Arzt betreut uns jetzt?“ Zwar gibt es nach Auskunft des Landratsamtes in der Region 21 Ärzte, die Methadon verabreichen dürften. Ob diese die 25 betroffenen Patienten allerdings aufnehmen werden, ist mehr als fraglich. „Wir können niemanden dazu zwingen“, meint Dr. Breu.

Martin Kayser, zweiter Vorstand des Praxisverbunds Pfaffenwinkel, zweifelt an einer internen Lösung. „Viele Ärzte trauen sich an dieses sensible Aufgabenfeld nicht heran. Die Richtlinien sind einfach zu streng“, sagt er. Der aktuelle Fall habe seine Kollegen zusätzlich abgeschreckt. Er würde sich wünschen, dass die Behandlung der Suchtkranken in Zukunft vom Gesundheitsamt übernommen wird. „Das wäre optimal, ist aber leider nicht erlaubt. Vielleicht könnten sich unsere Politiker damit mal auseinander setzen.“

Dringender – aus Patientensicht – ist momentan aber die Suche nach einem Nachfolger für Dr. Pirzer. Bei der Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), die dafür zuständig ist, glühten daher in den vergangenen Tagen die Telefonleitungen, wie Pressesprecherin Kirsten Warweg versichert. „Wir arbeiten unter Hochdruck daran, Ersatz zu finden. Aber es ist sehr schwierig“, so Warweg. Definitive Zusagen gibt es bisher nur von der Ambulanz eines Klinikums in München sowie zweier Ärzte aus Wolfratshausen und Oberau.

Keine optimalen Lösungen, wie Kayser findet. „Wie sollen die Patienten dort hinkommen? Viele haben kein Auto oder Geld für Bus und Bahn“, stellt er klar. Er befürchtet, sollte kein Ersatz in der unmittelbaren Umgebung gefunden werden, dass die Beschaffungskriminalität im Landkreis wieder stark ansteigen wird. „Dann gibt es wieder Überfälle und ähnliches“, vermutet er.

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