Milchpreis: BDM ist bestürzt, BBV bleibt gelassen

Weilheim-Schongau - „Die Milch macht’s“, lautete einst ein Werbeslogan. Heute macht die Milch vielen Landwirten vor allem nur noch eines: Sorgen durch steigende Milchquoten, einen erneut unter Druck geratenen Milchpreis und zunehmend hohe Produktionskosten der Bauern.

In der Landwirtschaft im Oberland „stehen die Zeichen auf Sturm“, sagt Landtagsabgeordneter Florian Streibl von den Freien Wählern.

Längst hat der eine oder andere Bauer seine Milchviehhaltung umgestellt, zurückgefahren oder ganz aufgegeben. Laut Bernhard Heger aus Peißenberg, selbst Milchbauer mit 60 Kühen und Kreisvorsitzender des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BDM), haben im Landkreis Weilheim-Schongau von 2005 bis 2012 insgesamt 200 Milchviehbetriebe aufgehört. Der fallende Milchpreis in Verbindung mit drastisch gestiegenen Produktionskosten möge zwar im einen oder anderen Fall der Grund gewesen sein, sei aber nicht der einzige. Viele Landwirte hätten mangels eines Nachfolgers aufgegeben, andere wegen des Strukturwandels „hin zu größeren Betrieben“, so BBV-Kreisobmann Wolfgang Scholz.

„Es ist falsch, von einer Krise zu reden, dann redet man sie nur herbei“, sagt Scholz. Beim Milchpreis sieht er sogar eine „leichte Besserung - Gott sei Dank“. Wie viele andere Landwirte im Landkreis liefert Scholz die Milch seiner 60 Kühe an das „Butterwerk Schongau“, aktuell bekommt er 35 Cent pro Liter. Gegenüber März ist der Milchpreis um einen Cent pro Liter gefallen, gegenüber April nochmals um einen halben Cent.

Kreisbäuerin Silvia Schlögel, auf deren Hof in Peiting 50 Milchkühe stehen, räumt ein, „besorgt“ zu sein. Angesichts steigender Milchquoten werde es für die Milchbauern „immer schwieriger“, gleichzeitig würden die Flächen immer weniger. „Große Biogasanlagen werden es den Milchbauern nicht leichter machen.“

Gegensätzlicher Meinung als Scholz ist Heger - „nicht aus Stimmungsmache, sondern, weil die Fakten auf dem Tisch liegen“ (siehe auch den Kasten im Text).

Betrachte man allerdings die jetzigen Preise und die Entwicklung der steigenden Milchquote, also der staatlich festgelegten Höchstproduktion, die nach jetzigem Stand im Jahr 2015 ganz wegfallen soll, „laufen wir sehenden Auges in die Katastrophe“, sagt Bernhard Heger. Die Neuburger Milchwerke zum Beispiel hätten jetzt bereits angekündigt, ihren Milchpreis gar auf 29 Cent zu senken.

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