Milder Winter kostet (zu) viel Kraft

Schwabsoien - Das milde Winterwetter macht nicht nur Wintersportler ungeduldig. Auch die Bienen werden ständig aus ihrer Ruhephase gelockt - das kostet viel Kraft.

Ruhig ist es an den drei Bienenkästen von Christian Meßmer, Vorsitzender der Schwabsoiener Imker. Kein Wunder, schließlich hat es seit längerem mal wieder geschneit, die Temperaturen sind gefallen. Zusammenrücken und sich gegenseitig wärmen heißt es dann bei seinen rund 50 000 Carnika - der beheimateten Bienenart.

„Sie rücken bei Kälte zu einer engen Traube zusammen.“ Die Äußeren wärmen die Inneren, und das im ständigen Wechsel. In ihrer Geschlossenheit durchwandern sie dann schrittweise die Wabe, um sich von Zuckersirup zu ernähren. „Der wird im Spätsommer vom Imker selbst in die Wabe gegossen“, betont Meßmer.

Im Grunde klingt das nach einem ruhigen Überwintern. Dabei waren die vergangenen Wochen für die Honigspender alles andere als ein kuscheliges Beisammensein. „Sobald es wärmer wird, gehen die Bienen in Brut.“ Und warm war es in den vergangenen Wochen und Monaten zu Hauf. Aus dem gleichmäßigen, geschlossenen Durchwandern der Wabe wird dann das Sitzenbleiben auf der Brut. Und dort geht irgendwann das Futter aus.

„Fünf Zentimeter Luft zwischen Brut und Futter reichen bereits aus, dann verhungert die Biene“, erklärt Norbert Moser, Vorsitzender der Imker im Landkreis Weilheim-Schongau. Deshalb machen sich die heimischen Imker um ihre Bienenvölker derzeit Sorgen. „In der Regel sterben über den kompletten Winter verteilt rund zehn Prozent eines Volkes“, ergänzt Moser. Aktuell seien es allerdings schon rund 20 Prozent - also doppelt so viele. Und der Winter ist noch lange nicht vorbei.

Sollten die wechselnden, warmen Temperaturen über die eigentlich kälteste Jahreszeit weiter anhalten, wird es zu weiteren Todesfällen in der sogenannten Dadant-Beute (Bienenkasten aus Holz) kommen.

Ein Massensterben schließt Moser trotzdem aus. Dafür ist ein Bienenvolk auch viel zu stark besetzt. Bei Meßmer überwintern beispielsweise in nur einem Kasten zwischen 15 000 und 20 000. Genug, um zumindest die Hälfte in den Frühling zu retten.

js

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