Thema Missbrauch von Kindern und Jugendlichen: Diplom-Psychologin Dagmar Schmidt und Vereinsberater Hans Beinlich führten durch die Infoveranstaltung. Foto: fkn

Missbrauch im Sport: Was Vereine tun können

Schongau - Weil auch immer wieder Sportvereine von Missbrauchsfällen erschüttert werden, hat sich der TSV Schongau jetzt professionelle Unterstützung für einen Diskussionsabend geholt.

Die Skandale um den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen haben eine nie geahnte Dimension erreicht. Dass auch der Sport und sein Umfeld davon betroffen sind, zeigen einige drastische Fälle: So hat ein Leichtathletiktrainer aus Penzberg fast 300 Mal ihm anvertraute Buben missbraucht. Dafür ist er zu acht Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden.

Die Suche nach Wegen, wie der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen besser erkannt und wie er verhindert werden kann, sollte deshalb auch Anliegen der Sportvereine sein. Zum Thema „Prävention und Erkennen“ organisierte der TSV Schongau deshalb eine Informationsveranstaltung für seine Mitarbeiter. Insbesondere waren die Trainer, Übungsleiter und Betreuer angesprochen.

Mit Diplom-Psychologin Dagmar Schmidt vom Kinderschutzzentrum München versuchte der TSV im Forum der Kreissparkasse Schongau Antworten und Hilfestellungen für Trainer und Übungsleiter zu geben, wie beim Verdacht auf sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen besser reagiert wird. Die Expertin ging zunächst kurz auf die Phasen sexueller Entwicklung im Kindesalter und eventuelle Verhaltensauffälligkeiten ein. Dies sei immer der Fall, wenn Grenzen der Intimität und der Intimsphäre überschritten werden. Um diese Symptome zu erkennen, müsse man kein Sachverständiger sein, gab die Referentin zu verstehen.

Dagmar Schmidt appellierte auch an die besondere Verantwortung und Wachsamkeit der Eltern: „Stellen Sie ein besonderes Vertrauensverhältnis mit Ihren Kindern her.“ Eine Kultur des Vertrauens sei der beste Schutz vor Missbrauch. Die Psychologin stellte dabei auch die besondere Rolle eines Trainers oder Übungsleiters für Kinder und Jugendliche heraus. Gerade im Sport herrsche eine gewisse Vertrauensebene. Wenn ein Kind durch merkwürdiges Verhalten auffällt, ist eine behutsame Vorgehensweise gefragt. Der Rat der Expertin dazu: Den Betroffenen direkt ansprechen, mit dem betreffenden Kind und mit den Eltern das Gespräch suchen - und sich bei Verdacht sofort an die Fachleute beim Landratsamt wenden.

Auch die Frage, wie sich Übungsleiter und Trainer vor ungerechtfertigten Vorwürfen schützen können, stand im Raum. Die Diplom-Psychologin: „Wir müssen achtgeben vor dem Missbrauch des Missbrauchs. Wir brauchen eine Kultur des Vertrauens.“

TSV-Vorsitzender Hannes Rauch stellte insbesondere die Frage, was ein Verein wie der TSV Schongau tun könne, um entsprechend vorzubeugen. Sportmanager und Vereinsberater Hans M. Beinlich, der die Veranstaltung moderierte, forderte dafür eine „Kultur des Hinschauens“. Wenn Gewißheit vorliege, müsse der Verein sofort mit aller Konsequenz reagieren. Auch regte er die Einrichtung eines „Kummerkastens“ an.

In der Diskussion stellten sich auch Richtlinien heraus, die bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wichtig sind. So sollten Trainer und Übungsleiter nie gemeinsam mit den Kindern duschen und sich auch nicht vor den Kindern ausziehen. Zum Schluss der Informationsveranstaltung gingen die Diplom-Psychologin und der Vereinsberater noch einmal gezielt auf das Thema Aufsichtspflicht eines Trainers oder Übungsleiters gegenüber Kindern und Jugendlichen ein.

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