"Musica sacra" begeistert in der Altenstadter Basilika

Altenstadt - "Musica sacra" hat in der Altenstadter Basilika die Zuhörer bei einem Konzert von den Sitzen gerissen.

Er sitzt unprätentiös in Hemd und Strickpulli unter dem „Großen Gott von Altenstadt“. Der Däne Skye Løfvander, Sänger, Schriftsteller und Lehrer, beherrscht eine seltene Kunst, die weltweit vor allem von Schamanen und Heilerinnen ausgeübt wird: das Obertonsingen.Seine in allen Farben und Registern beheimatete Stimme zu einer Art Bordunzither füllt das voll besetzte Kirchenschiff mühelos. Dieser Musik der Entschleunigung wird eine heilende, transzendierende Wirkung zugeschrieben. Mit einer Gesangstechnik, die aus dem Klang- und Schwingungsspektrum der Stimme einzelne Obertöne so herausfiltert, dass sie als getrennte Töne wahrgenommen werden können und eine Mehrstimmigkeit hörbar wird, fasziniert Løfvander seine in bemerkenswerter Stille lauschenden Zuhörer. Es schwebt, raunt, vibriert und irrlichtert aus dem Mund des Künstlers und tut wie Seelenbalsam so wohl, dass man einfach versinken mag. Und die Zeit steht irgendwie still.

Auch im zehnten Jahr von „Musica Sacra International“ setzt sich Festivalchef Dolf Rabus mit seinem Team und Künstlern aus aller Welt- seit 1992 sind 127 Ensembles aller großen Weltreligionen aus 41 Ländern in Marktoberdorf und im Allgäu zu Gast gewesen - mit beispielhaftem, unermüdlichen Engagement für den Dialog der Religionen ein.

Die „Aswatuna Global Voices“ aus Jordanien übernahmen den Part des ursprünglich vorgesehenen Kammerchores Oreya aus der Ukraine. Anlässlich des ersten arabischen Chorfestivals 2008 gründete sich das junge Ensemble, dass sich zu Beginn im ganzen Kirchenraum verteilt. Nur ein Nicken, ein kurzes Zeichen des Inders André de Quatros, gibt den Impuls zu „Allah u Akbar - Allah ist groß“. Gesungen wird Arabisch, dabei ergibt die Vermischung verschiedener Chortraditionen der arabischen Kirchen ein ganz neues Repertoire. Kraftvolle Rufe und Gebete verschmelzen mit zeitgenössischer Dur-moll-Tonalität.

Die aufgeführte Literatur, die es für uns Europäer erst noch zu entdecken gilt, traditionell wie modern verblüfft ebenso wie Sendungsbewusstsein und mitreißender Gestaltungswillen des Chores. Die mitschwingende Hoffnung auf Versöhnung trägt neben dem wunderbaren Vortrag auch dazu bei, dass das Publikum mit stehenden Ovationen dankt.

Aus 24 lateinischen Hymnen „Gloria Patri“ des estnischen Komponisten Urmas Sisask wählte das „St. Jacobs Vocal Ensemble“ unter Gary Graden aus Schweden eine Sammlung elf kontrapunktisch angelegter Sphärenharmonien aus. Sisask, bekennender Katholik, ließ sich nicht nur von Gregorianik und Barock, sondern vor allem von der Astronomie beeinflussen.

So entschied der Chor auch, völlig in den Hintergrund der verdunkelten Basilika zu treten und Raum für Bildprojektionen aus der Sternenwelt zu geben. Die nur acht Stimmen des überirdisch schön klingenden kleinen Kammerchors singen völlig geschlossen, rund, stets ausgewogen in der Balance. Samtig weich klingen die Männerstimmen, brillant und glockenklar die Frauen. Die rasche Bildfolge ungezählter Spiralnebel, Leuchtpunkte und Sternenwolken bedrängt die großartige Musik fast. Am schönsten ist es, mit geschlossenen Augen den sagenhaften Crescendi, dem mit einem leisen Hauch von Ewigkeit verklingenden „Oremus“ zu folgen. Am Ende steht enormer Jubel.

.

Auch interessant

Kommentare