Bewährung für Paketfahrer

"Über die B472 geschossen"

Weilheim-Schongau - Ein Paketfahrer schießt über eine Kreuzung, rammt dabei das Auto eines älteren Ehepaares. Wie durch ein Wunder hatten der Mann und die Frau keine größeren Verletzungen. Jetzt fand  sich der Paketfahrer vor Gericht wieder - wo er noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davonkam.

„Er kam in Sekundenschnelle, wie ein Pfeil schoss er über die Straße“, sagten zwei Geschädigte jetzt vor dem Weilheimer Amtsgericht übereinstimmend. Das Ehepaar aus Huglfing war an jenem Tag auf der B 472 von Huglfing Richtung Peißenberg unterwegs. Sie sei wie immer auf dieser Strecke mit 70 Stundenkilometern unterwegs gewesen, sagte die 77-jährige Fahrerin.

In diesem Moment fuhr plötzlich ein Kleintransporter, von Oberhausen kommend, über die Bundesstraße und erwischte das Fahrzeug des Ehepaares. „Ich weiß nur noch, dass mein Airbag plötzlich aufging“, sagte der 80-jährige geschädigte Ehemann, der an jenem Tag auf dem Beifahrersitz saß.

Größere Verletzungen, außer einigen Prellungen an Brust und Knie, trug das ältere Ehepaar glücklicherweise nicht vom Unfall davon. Jedoch sind die Nachwirkungen erheblich. Beide haben seither Schlafstörungen. „Mein Nervenkostüm ist ganz schön erschüttert“, sagte die Geschädigte. Der 80-Jährige hat zudem massive Atemprobleme.

Der 25-jährige Unfallfahrer ließ bei der Verhandlung wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Weilheim über seine Dolmetscherin eine andere Version des Unfalls verlesen. Der gebürtige Inder, der für DHL mit einem Kleintransporter unterwegs war, wollte von Oberhausen kommend die B 472 überqueren. Er behauptete, schon die Vorfahrt beachtet zu haben, jedoch sei der Wagen der Geschädigten zu schnell gewesen. Er habe keine Chance gehabt, auszuweichen.

Der Mann lebt seit einem Jahr in Deutschland und hat bei DHL seit einigen Monaten einen festen Arbeitsplatz.

„Er hat die Vorfahrt sicherlich nicht beachtet“, sagte die Geschädigte sichtlich aufgebracht vor Gericht. Die Sicht sei gut gewesen, und sie habe auch kein wartendes Auto an der Kreuzung gesehen, so die Frau. Davon war auch der Staatsanwalt überzeugt. „Die Kreuzung ist groß und übersichtlich“, sagte er. Beim Verlesen der Einträge im Bundeszentralregister stellte sich heraus, dass der Angeklagte einige Monate zuvor schon einmal in einen Unfall verwickelt war. Damals hatte er einen Radfahrer angefahren und wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

„Sie haben innerhalb kurzer Zeit zweimal einen Unfall mit Personenschaden verursacht“, sagte Richterin Katrin Krempl und wertete das zu Lasten des Angeklagten. Sie verhängte eine dreimonatige Freiheitsstrafe, die sie für drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Ein zweimonatiges Fahrverbot kam hinzu. Und da die Versicherung bisher noch keine Arztkosten für den geschädigten 80-Jährigen übernommen hatte, muss der Angeklagte diesem 1500 Euro zahlen, in monatlichen Raten von 150 Euro.

Der Dolmetscherin blieb dann noch im Gerichtssaal die schwierige Aufgabe, dem Angeklagten den Begriff „Bewährung“ zu erklären. Der nimmt sich hoffentlich vor, im Straßenverkehr mehr Vorsicht walten zu lassen.

Regina Wahl-Geiger

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