Eine Pflege-Informationstour quer durch den Landkreis plant Birgit Stögbauer (Bild) mit ihrem Team. foto: spe

Pflege-Infotour durch den gesamten Landkreis

Weilheim-Schongau - Was können sich alte Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, noch leisten? Birgit Stögbauer von der Ökumenischen Sozialstation will dazu mit ihrem Team den kompletten Landkreis bereisen. Und die Senioren darüber informieren, dass sie weit mehr Leistungen in Anspruch nehmen können, als sie vermutlich wissen.

„Es geht uns darum, Wissenslücken zu schließen“, erklärt Stögbauer, deren Projekt noch in den Kinderschuhen steckt. Das soll sich aber schon in naher Zukunft ändern. Pflegestärkungsgesetz, Pflegesachleistungszuschüsse, Betreuungs- und Entlastungsleistungen, Verhinderungspflege - Worthülsen, die gerade viele ältere Menschen oft an böhmische Dörfer erinnern und mit denen sie deshalb oft nicht viel anfangen können. Birgit Stögbauer und ihr etwa achtköpfiges Team wollen genau dort ansetzen, Licht ins Dunkel bringen. „Meist bekommen diejenigen, die es betrifft, von den Veränderungen am wenigsten mit“, so Stögbauer, die dabei vor allem auf das Pflegestärkungsgesetz anspielt, das zum 1. Januar in Kraft getreten ist. Damit einher gingen sowohl hauswirtschaftliche wie auch Betreuungshilfen für jeden Pflegebedürftigen. „Die alten Menschen werden darüber zu wenig aufgeklärt und lassen deshalb Leistungen verfallen, die ihnen prinzipiell zustehen.“

In Zahlen sind das 104 Euro, die jedem Betroffenen monatlich neuerdings mehr zustehen. Dieses Geld kann zum Beispiel eingesetzt werden für hauswirtschaftliche Versorgung, Alltagsbegleitungen, Betreuungsgruppen wie das zukünftige Cafe Schatzinsel (Eröffnung ist Ende März im Schongauer Mohrenhaus). Dort werden Betroffene am Montagvormittag zwischen 8 und 12 sowie am Mittwochnachmittag zwischen 13 und 17 Uhr von Mitarbeitern der Sozialstation betreut. Im Angebot befinden sich dort Gedächtnistraining, Yoga für Senioren und Ballspiele.

Aber auch die sogenannte Verhinderungspflege stelle einen nicht unbeträchtlichen Faktor dar. „Wer beispielsweise verhindert ist und deswegen eine nahestehende Person nicht pflegen kann, kann bis zu 2418 Euro pro Kalenderjahr dafür in Anspruch nehmen. Abhängig ist das von der jeweiligen Pflegestufe.“ Das reiche von der Hilfe beim wöchentlichen Duschen bis hin zur Rundum-Versorgung am Tag mit bis zu vier Besuchen.

Birgit Stögbauer will auch prinzipiell informieren. Darüber, was dem Betroffenen bei der jeweiligen Pflegestufe zusteht, was man erhalten kann, wenn man noch keine Pflegestufe hat. Dazu soll jetzt ein Fahrplan durch den ganzen Landkreis erstellt werden. Den Anfang hat man bereits in Wessobrunn gemacht, „wo mir zwei Stunden lang ein Raum vom Bürgermeister zur Verfügung gestellt wurde“. Mit weiteren Gemeindechefs ist sie bereits im Gespräch.

So zum Beispiel mit Schwabsoiens Siegfried Neumann oder mit Martin Hinterbrandner in Bernbeuren. Und auch mit Thomas Dorsch in Hohenpeißenberg. Die Vorgehensweise, sagt sie, sei dabei einfach. „Wir schreiben alle Gemeinden an und bitten darum, den jeweiligen Bedarf bei den alten Menschen zu ermitteln. Ist dies erfolgt, setze sich die Gemeinde mit der Sozialstation in Verbindung und stelle einen Kontakt mit dem jeweiligen Bürgermeister her. Mit dem wird dann besprochen, welcher Raum wie lange genutzt werden kann. In Schwabsoien und Sachsenried, wo sie wohnt, hat Birgit Stögbauer ihr Konzept bei der Bürgerversammlung vorgestellt. Und hat viel positive Resonanz erfahren. In Altenstadt will man schon bald einen Termin vereinbaren.

Zusammengeschlossen hat man sich dazu auch mit der Alzheimer-Gesellschaft, was die Beratungstermine angeht. „Da können wir uns hervorragend ergänzen“, ist Stögbauer überzeugt. Und sie ist überzeugt, „dass wir im Laufe der Zeit das Klientel, das wir aufklären möchten, auch erreichen werden.“

Stephan Penning

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