Rosalinde: Gehört sie Peiting oder Hohenpeißenberg?

Peiting - Rosalinde ist eine Peitinger Moorleiche – sagen Peitinger Heimatkundler. Rosalinde ist eine Hohenpeißenberger Moorleiche – sagen die Kollegen aus dem Nachbarort.

Es haben alle ein bisschen Recht.

Ganz schön verwirren würde es den GPS-Empfänger eines modernen Navigationsgerätes, würde man bei einer Autofahrt die folgenden Koordinaten eingeben: N 47° 48. 935, EO 10° 58. 225. Das Auto würde im Moorgebiet landen, genaugenommen mitten im „Weiter Filz“. Genau so lauten nämlich dem aktuellen Forschungsbericht Archäologischen Staatsinstituts München zufolge die Koordinaten für den Fundort der Moorleiche „Rosalinde“. Weiter steht im Forschungsbericht: Der Fundort lag und liegt bis heute auf dem Gemeindegebiet von Hohenpeißenberg. Trotzdem ging die Moorleiche als „Frau von Peiting“ in die Literatur ein.“ Die Gemeindegrenze zwischen Peiting und dem Hohenpeißenberg im Osten verläuft direkt im Weiter Filz.

Ist die Peitinger Moorleiche also gar keine Peitinger Moorleiche? Der „Haus- und Hofgeschichte Hohenpeißenberg“ aus dem Jahr 2009 ist dies jedenfalls zu entnehmen. „Der Fundort befand sich nahe des Moorhofes auf unserer Gemeindeflur-Nr. 404/7 „Weiter Filz“, schreibt der Autor der Chronik, Georg Scherzl. Seit 1958 befasst sich der Hohenpeißenberger mit der Ortschronik. Auf Anfrage der Schongauer Nachrichten sagt er: „Rosalinde wurde auf Hohenpeißenberger Flur gefunden. Das stimmt – da bin ich mir sicher, sonst hätte ich es ja nicht in der Chronik gerschrieben.“ Die Moorleiche, sagt er – 53 Jahre nach dem Fund der Unbekannten aus dem Moor – wurde „auf unserem Boden gefunden“.

Franz Bleichner, Sprecher der Peitinger Heimatfreunde, weiß um die Fundort-Problematik. „Die Hohenpeißenberger wollen sagen, wir hätten ihnen die Leiche gestohlen“, fürchtet er um das gute Verhältnis. Dabei lässt sich die Sache mit den Koordinaten und dem Fundort doch eigentlich ganz sachlich und einfach klären.

Den Fundort möchte Bleichner den Hohenpeißenbergern keinesfalls streitig machen. Nur: „Als Rosalinde gefunden wurde, war diese Stelle gemeindefreies Gebiet.“ Dieses war zwar der Forstverwaltung Hohenpeißenberg zugeordnet, „wirtschaftlich und steuerlich war der Weiter Filz jedoch immer Peiting zugeschlagen“.

Im Jahr 1956, also ein Jahr, bevor Rosalinde überhaupt entdeckt wurde, hatte die Gemeinde Peiting bereits einen Antrag bei der Regierung von Oberbayern gestellt, der Weiter Filz solle eingemeindet werden. Die Regierung entsprach dem Antrag nicht, das Gebiet blieb gemeindefrei.

Anders war die Reaktion auf einen Antrag der Gemeinde Hohenpeißenberg aus dem Jahr 1969. Dem entsprach die Regierung, der Weiter Filz wurde nach Hohenpeißenberg eingemeindet. Und deshalb kann es, als Rosalinde zwölf Jahre zuvor aus dem Moor auftauchte, „noch gar nicht Hohenpeißenberger Flur gewesen sein“, schließt Franz Bleichner daraus.

Er deutet auf den Fundort, eingezeichnet auf einer Landkarte aus dem Jahr 1930. „Da steht zwar Gemarkung Hohenpeißenberg drauf.“ Aber zwischen Gemarkung und Gemeindegrenze gäbe es immer noch einen Unterschied. Gemarkung: Das ist ein Bezirk, ein ganzes Gebiet – und mehr eben nicht. „Also war der Fundort trotz Gemarkung gemeindefrei.“

Barbara Schlotterer-Fuchs

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