+
Weil das Jugendschöffengericht zu der Auffassung kam, dass bei den Peitingern „noch Erziehung geleistet werden kann“, fiel das Urteil unter Einbezug von Vorverurteilungen mit Bewährungsstrafen, Jugendarrest und Sozialstunden moderat aus.

Schlägereien nach Sauf-Touren von Peitinger Clique vor Gericht milde bewertet

Peiting - Weil sie nach ihren Alkohol-Exzessen ständig prügelten und pöbelten, standen nun Peitinger Jugendliche vor dem Jugendschöffengericht.

Was die Clique verband, war ihr zum Teil exzessiver Alkoholkonsum und der damit verbundene Hang zu Gewalttaten. Wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Bedrohung in wechselnder Besetzung verurteilte das Weilheimer Jugendschöffengericht nach dem Jugendstrafrecht den 18-jährigen Haupttäter unter Auflagen zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung, eine schwangere Auszubildende (20) zu sieben Monaten Bewährungsstrafe sowie zwei weitere Angeklagte (17 und 18) zu zwei Wochen Dauerarrest respektive 64 Sozialstunden.

Bei den Angeklagten war an den Wochenenden stets Koma-Trinken angesagt. Der Haupttäter hatte bereits mit neun Jahren seinen ersten Rausch, auch die anderen begannen im Kindesalter mit dem Alkoholkonsum. Bis auf die 17-jährige Schülerin waren zudem alle Angeklagten vorbestraft. Jetzt warf ihnen die Staatsanwältin vor, in wechselnder Besetzung im Mai 2009 in Weilheim in der Bahnhofsunterführung zwei junge Männer angegriffen und geschlagen zu haben.

Etwa 14 Tage später schlug der 18-Jährige gemeinsam mit einem anderen, derzeit inhaftierten Spezl in Schongau einen Schaukasten ein. Laut Anklage beleidigte der 18-Jährige außerdem im Juli einen Peißenberger in Schongau als „Wichser“, schlug ihn von hinten nieder und trat und schlug dem am Boden liegenden Opfer mehrmals auf den Kopf. Am Schongauer Bahnhof pöbelte der Haupttäter im September einen ihm Unbekannten als „Arschloch“ an und schlug diesem mit voller Wucht eine volle Bierflasche auf den Kopf, so dass sie zersplitterte. Der Geschädigte erlitt am Kopf eine fast zwei Zentimeter lange Platzwunde sowie ein Schädelhirn-Trauma und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Die 18- und 17-jährigen Mädchen schlugen und bedrohten darüber hinaus im Sommer vorigen Jahres in Altenstadt eine Bürgerin und deren Mann. Die Peitinger gaben die angeklagten Straftaten zu, so dass von den 21 vorgeladenen Zeugen einige nicht vernommen werden mussten.

Der Vorsitzende Richter Wilfried Wittig befasste sich insbesondere mit dem Lebenslauf des Haupttäters, den nur sein Geständnis vor dem Knast bewahrte. Der 18-Jährige nimmt derzeit auf einem Bauernhof an einem Jugendprojekt teil, ein Gutachter attestierte ihm ein gestörtes Sozialverhalten.

Weil das Jugendschöffengericht zu der Auffassung kam, dass bei den Peitingern „noch Erziehung geleistet werden kann“, fiel das Urteil unter Einbezug von Vorverurteilungen mit Bewährungsstrafen, Jugendarrest und Sozialstunden moderat aus. Den jungen Leuten wurde indes auferlegt, in der Öffentlichkeit keinen Alkohol mehr zu trinken. (ik)

Auch interessant

Kommentare