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Bürokratie im Kuhstall: Bauer Thomas Guggenmos aus Burggen mit seinen Kindern Gabriela und Dominik.

Schongauer Bauern beklagen Bürokratie-Wahnsinn

Weilheim-Schongau - Fast die Hälfte der Bauernfamilien im Landkreis Weilheim-Schongau wirtschaftet im Nebenerwerb. Sie sind ein wichtiger Aktivposten im ländlichen Raum und leisten einen beträchtlichen Beitrag zum Erhalt der bayerischen Kulturlandschaft. Doch die Bürokratie macht auch ihnen schwer zu schaffen.

„Es wird immer schlimmer, für jeden Rotz muss man drei Zettel ausfüllen“, ärgert sich Thomas Guggenmos aus Burggen. Der 34-Jährige hat vor drei Jahren den Hof von seinem Vater übernommen. Der Bestand umfasst rund 40 Kühe, die zu versorgen sind, und nebenbei arbeitet Guggenmos noch im EVG-Lagerhaus in Burggen.

Um beispielsweise der sogenannten „Viehverkehrsordnung“ gerecht zu werden, sei es immer ein „Mordsaufwand“, wenn ein Stück Vieh verkauft oder gekauft werde, berichtet der Nebenerwerbslandwirt. Und wenn eine Kuh mal ihre Ohrmarke verliere, „dann existiert sie überhaupt nicht mehr“, schimpft der 34-Jährige. Das sei schon fast schlimmer, als wenn er seinen Personalausweis verliere. Um alle Fristen und Termine einzuhalten (z.B. bei den Förderanträgen), müsse man sich intensiv mit der Sache befassen, ansonsten drohten Förderabzug oder Strafzahlungen. „Es geht immer an den Geldbeutel“, so die Erfahrung von Thomas Guggenmos, der seine Freizeit auch lieber mit der Familie (mit seiner Frau und den beiden Kindern) verbringen würde, als sich mit all dem Bürokram zu beschäftigen.

Überhaupt: Ohne den landwirtschaftlichen Buchführungsdienst Schongau, der alle drei Monate vorbeikommt und dem sämtliche Rechnungen vorzulegen sind, sei der bürokratische Aufwand für einen landwirtschaftlichen Betriebsleiter fast schon nicht mehr zu bewältigen. „Wenn das noch schlimmer wird, darf man sich nicht wundern, wenn immer mehr Landwirte aufgeben“, befürchtet Guggenmos.

„Nebenerwerbslandwirte und Betriebe mit Einkommenskombination dürfen nicht von der Förderung ausgeschlossen oder mit bürokratischen Nachweispflichten überflutet werden“, greift BBV-Kreisobmann Wolfgang Scholz aus Sachsenried in die Diskussion um die künftige Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik nach 2013 ein. Hintergrund ist der Vorschlag der Kommission, künftig nur noch sogenannte „aktive Landwirte“ zu fördern. Dies hätte zur Folge, dass mehr als die Hälfte der Betriebe einen Nachweis über ihre Einkommensverhältnisse, genauer ihrer nichtlandwirtschaftlichen Umsätze, einreichen müssten.

Deshalb drängt auch Scholz darauf, dass der längst überfällige Bürokratieabbau auf allen politischen Ebenen angepackt wird. Für Nebenerwerbslandwirte, die oft noch einen anderen Beruf ausübten, sei die Fülle an Auflagen bereits jetzt kaum mehr zu überblicken, heißt es von Seiten des BBV.

Die immer höher werdenden Standards und Auflagen führten zu Mehrkosten, was viele Nebenerwerbsbetriebe nicht selten zur Aufgabe zwinge. „Unsere Nebenerwerbsbetriebe brauchen dringend spürbare Entlastungen über praxisgerechte Kleinerzeugerregelungen sowie Toleranz- und Bagatellgrenzen“, unterstreicht BBV-Kreisobmann Scholz eine Forderung des Bauernverbandes.

Nach Auskunft von Wolfgang Schrott, Abteilungsleiter (Förderung) am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim, gibt es im Landkreis Weilheim-Schongau insgesamt 832 Nebenerwerbslandwirte. Diesen stehen 954 Haupterwerbslandwirte gegenüber. Was die Förderung betrifft, stellt Schrott klar: „Für gleiche Arbeit gibt es die gleiche Förderung“ - egal, ob Nebenerwerbs- oder Vollerwerbslandwirt.

Michael Gretschmann

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