Der Schongauer Otto Bauer (26) studiert in Clausthal und steht an der Spitze eines Studentencorps-Dachverbandes.

Schongauer leitet deutschlandweite Studentenverbindung

Schongau - Von Schongau aus an die Spitze eines Studentencorps-Dachverbandes mit 57 studentischen Corps an 23 deutschen Hochschulstandorten und rund 1200 Mitgliedern:

Das hat der Schongauer Otto Bauer geschafft.

Die Corps sind eine besondere Form von Studentenverbindungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie im Baltikum und in Belgien (siehe Kasten). Bauer ist „Vorortsprecher”, das ist der Titel des gewählten Vorsitzenden der Weinheimer SC (Studenten-Corps), ein Verband von 57 studentischen Corps an 23 Hochschulorten mit 1200 aktiven Mitgliedern und einem Altherrenverband, dem 8000 Akademiker angehören.

Der 26-jährige Bauer studiert Chemie an der Technischen Universität Clausthal. „Eigentlich war ich ja schon in Dresden für das Chemie-Studium eingeschrieben“, berichtet Bauer. „Aber dieser Pilotstudiengang ist kurzfristig nicht zustande gekommen, und dann hat es mich in den Norden verschlagen.“

Der Weg ins Corps Montania, für Bauer ein ganz logischer Schritt: „Da Clausthal eigentlich eine Kleinstadt mit 16 000 Einwohnern ist - 3000 davon sind Studenten - spielt sich das studentische Leben im Prinzip in den Corps ab. In die Montania bin ich eingetreten, weil mir da gleich die Corpsbrüder sympathisch waren und weil das Verbindungshaus in der Nähe meiner Wohnung liegt.“ Also nachvollziehbare Gründe.

„Außerdem schätze ich die Geselligkeit im Corps besonders, und dass man sich gegenseitig im Studium unterstützt. Auch bietet die Verbindung mit ihren alten Herren viele Vorteile im Hinblick auf den späteren Beruf.“

Dennoch ist ein weiterer Schritt, sich auch corpsintern einzubringen, Führungsaufgaben zu übernehmen und über den eigenen Studienort hinaus in der Studentenverbindung mitzuarbeiten: „Ich war schon seit meinem elften Lebensjahr in Schongau in der Feuerwehr und beim Roten Kreruz und generell jemand, der gerne was organisiert hat und Verantwortung übernommen hat“, beschreibt sich Bauer selbst. „Und hier habe ich jetzt die Möglichkeit, wirklich was zu bewegen.“

Bauer beschreibt seine Hauptaufgabe als Vorortsprecher darin, die Verbindung mit den anderen Corps des Dachverbandes zu halten: „Im Moment steht natürlich die Organisation unserer Jahrestagung auf der verbandseigenen Wachenburg im Vordergrund“, ergänzt er. Bei dieser Großveranstaltungen kommen alle Coprs des Dachverbandes vom 13. bis 16. Mai in Weinheim an der Bergstraße zur traditionellen Weinheimtagung zusammen.

„Ich bin daher viel unterwegs an den Hochschulstandorten in Deutschland und Österreich. Dabei lerne ich interessante Leute kennen und kann vor allem persönliche Verbindungen knüpfen“, freut sich der Ex-Schongauer.

Ein zweiter Schwerpunkt ist für ihn die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit: „Wäre ich nicht nach Clausthal gekommen, hätte ich garnicht gewusst, dass es Studentencorps gibt und was diese sind“, bekennt der 26-Jährige. Vor dem Hintergrund der zahlreichen positiven Aspekte, die für ihn die Corpsmitgliedschaft hat, möchte er die Corps wieder mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit bringen.

Eine Besonderheit der studentischen Corps ist das Tragen der Erkennungsfarben (Couleur) und die Pflege des studentischen Fechtens, der Bestimmungs-Mensur: Diese Tradition führt bis in die frühe Neuzeit zurück, wo den Studenten erlaubt war, Waffen zu tragen. In den Befreiungskriegen gegen Napoleon spielten diese studentischen Corps ebenfalls eine Rolle.

„Dieses Fechten ist kein bewegtes Stichfechten, wie beim Fechtsport, sondern ein Hiebfechten“, sagt Bauer. „Heute ist das Verletzungsrisiko dabei stark minimiert. Wer fleißig übt, bekommt auch keine Blessuren geht. Man lernt allerdings auch Selbstbeherrschung, denn wegzucken unter den Hieben des Gegners führt zur Disqualifikation.“

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