Schongauer werden krank wegen Beitragserhöhungen bei privaten Krankenkassen

Schongau - Immer mehr Privatversicherte im Krankenwesen aus Schongau und Umgebung stöhnen über steigende Beiträge und wollen deshalb zurück in die gesetzliche Krankenversicherung.

Als Hans S. den Brief von seiner privaten Krankenversicherung in den Händen hielt, da war ihm schon vor dem Öffnen klar: „Die wollen wieder mal mehr Geld!“ Der Schein trügte nicht. „Oh je, die langen ganz schön hin“, schimpfte er, als er das Schreiben durchgelesen hatte. Wieder ist der monatliche Beitrag gestiegen - diesmal um 25 Prozent. Genau genommen ist die Erhöhung sogar noch „gnädig“ ausgefallen, denn im Jahr zuvor war bei ihm der Beitrag gleich um 64 Prozent angehoben worden. Damals war Hans S. dermaßen sprachlos, dass er die Kündigungsfrist zum Jahresende verpasst hatte und notgedrungen die Gebührenerhöhung akzeptieren musste.

„Wer von einer gesetzlichen zu einer privaten Krankenversicherung wechseln will, sollte sich diesen Schritt genau überlegen“, rät Udo Nagelschmidt, Mitglied der Geschäftsleitung bei der AOK Gesundheitskasse Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau. Denn die günstig erscheinenden Einstiegsangebote der privaten Kassen seien auf lange Sicht gesehen nicht immer so günstig.

Diese Erfahrung hat auch Hans S. machen müssen. Denn schon nach einem halben Jahr stand bei ihm die erste Beitragserhöhung an. Und es folgten in regelmäßigen Abständen weitere. Einen Teil davon hat Hans S. dadurch aufgefangen, dass er eine Erhöhung der Kostenselbstbeteiligung akzeptierte, doch die endet bei rund 2800 Euro (Höchstsatz).

Solange der Arbeitgeber sich prozentual an den Krankenversicherungskosten beteiligt, können die Beiträge zur privaten Krankenversicherung noch einigermaßen geschultert werden. Doch beim Eintritt ins Rentenalter fallen die Zuschüsse des Arbeitgebers weg, und der Versicherte muss für die Beiträge in voller Höhe aufkommen.

Bei diesem Gedanken hat Bernhard M. (Name ebenfalls geändert) die „Notbremse“ gezogen. Er hat es mit 54 Jahren gerade noch geschafft, den Weg zurück zur gesetzlichen Krankenversicherung zu finden. Er ist beruflich etwas kürzer getreten, so dass er unter die Bemessungsgrenze von 3825 Euro (Monatsverdienst) bzw. 50 850 Euro (Jahresverdienst) gefallen ist.

„Ja, es gibt bei uns vermehrt Anfragen von Privatversicherten, die wieder zurück zur gesetzlichen Krankenversicherung wollen“, bestätigt Udo Nagelschmidt von der AOK. Eine Rückkehr sei unter bestimmten Voraussetzungen möglich. „Wir orientieren uns da an den gesetzlichen Rahmenbedingungen“, so der AOK-Mann. Und die sehen vor, dass ein Wechsel zurück nur bis zu einem Alter von 55 Jahren möglich ist; außerdem muss das Einkommen des Versicherten wieder dauerhaft unter der Bemessungsgrenze liegen.

Gibt es auch Ausnahmen? „Nein“, sagt Diana Blank von der Barmer Ersatzkasse in Schongau und verweist auf das Sozialgesetzbuch, in dem dies genau geregelt ist.

Auch der Schongauer Finanzmakler Stefan Jocher wird immer wieder mal mit der Frage nach einer günstigen Krankenversicherung konfrontiert. Was sagt er? Nun, dass die Beiträge bei den privaten Kassen im Laufe der Jahre steigen, sei allgemein bekannt, aber das Problem mit den steigenden Kosten hätten auch die gesetzlichen Versicherer.

Dort seien zwar die Beiträge weitgehend stabil, aber dafür würden so manche Leistungen wegfallen, und dies könnte dann nur über eine Zusatzversicherung abgedeckt werden.

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