Sozialarbeit an Schulen ausgeweitet

Soziale Kompetenz bei Schülern: mangelhaft

Weilheim-Schongau – Der Landkreis reagiert beim Thema Schulsozialarbeit auf die erheblich gestiegenen Anforderungen: An den Förderzentren in Altenstadt und Weilheim wird aufgestockt – und auch an der Grundschule Schongau, für die der Landkreis eigentlich gar nicht zuständig ist.

In den vergangenen Jahren hat der Landkreis Weilheim-Schongau die Jugendsozialarbeit an den Schulen, für die er zuständig ist, kontinuierlich ausgebaut. Bei der jüngsten Sitzung des Schulausschusses hat das Gremium jeweils einstimmig beschlossen, die Sozialarbeit an den sonderpädagogischen Förderzentren in Altenstadt und Weilheim sowie an der Grundschule Schongau von jeweils einer Halbstages- auf jeweils eine Ganztagsstelle aufzustocken.

An den Förderschulen in Altenstadt und Weilheim konnten Sozialarbeiter bislang erst ab der 5. Klasse tätig werden. Diese Richtlinien hat der Freistaat, der die Sozialarbeit in der Regel mit bis zu 40 Prozent fördert, aufgehoben. Ab September können nun auch Grundschüler in den beiden Schulen betreut werden.

Der Bedarf dafür sei in jedem Falle gegeben, schreiben die beiden Schulleiter in ihren Anträgen. Rund ein Viertel der Schüler hat einen Migrationshintergrund, andere Kinder wiederum stammen aus schwierigen Verhältnissen. „Bereits in diesem Schuljahr war eine zunehmende Betreuung von Kindern und Jugendlichen notwendig, da mehrere Eltern ihre Erziehungsaufgabe aufgrund psychischer Erkrankungen nur bedingt wahrnehmen konnten“, schreibt Altenstadts Schulleiter Jörg Walter. Der Landkreis lässt sich die Aufstockung rund 10 200 Euro jährlich kosten.

Obwohl die Grundschule in Schongau nicht unter der Trägerschaft des Landkreises, sondern unter der der Stadt Schongau steht, unterstützt er im Rahmen seiner Zuständigkeit für die Jugendhilfe auch dort die Schulsozialarbeit – und zwar künftig mit einer Ganztagsstelle. Abgesehen davon, dass die Staufer-Grundschule mit 404 Schülern eine der beiden größten Grundschulen im Landkreis ist, beträgt der Migrationsanteil 35 Prozent – der mit Abstand größte im Kreis.

Schulleiterin Ulla Heitmeier schlüsselt in ihrem Antrag genau auf, wo die Problemfelder liegen: Angefangen von erzieherischen (50 Schüler) und psychosozialen Problemen (45) über erhöhte Gewaltbereitschaft (27) und mangelnde soziale Integration (43) bis zur fehlenden Motivation der Eltern zur Zusammenarbeit mit der Schule (23) ist die Bandbreite enorm groß. „Auffallend ist die hohe Anzahl der mangelnden sozialen Kompetenzen“, schreibt Heitmeier – 66 Schüler fallen darunter. „Die sich zunehmend verändernde Lebensumwelt unserer Schüler ist geprägt von einer Orientierungslosigkeit bezüglich eines gemeinsamen Wertekonsenses“, so Heitmeier.

Auch die Sozialraumanalyse weise signifikant auf soziale Auffälligkeiten im Bereich Schongau hin, die zusätzliche soziale Begleitmaßnahmen rechtfertigen. Die derzeit tätige Sozialpädagogin leiste unverzichtbare Hilfe, so Heitmeier, doch mit einer halben Stelle sei das nicht zu bewältigen. „Die Problemlagen werden immer stärker und häufiger, stetig ist eine Zunahme des Migrationshintergrunds zu verzeichnen“, zählt Heitmeier auf. Deshalb bitte sie dringend um eine weitere halbe Stelle – die gewährt wurde.

Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman nahm seine im Ausschuss geäußerte Kritik, die Stadt Schongau, sei über die Aufstockung nicht informiert worden, obwohl sie rund 20 Prozent der Kosten beisteuere, rasch zurück, als er erfuhr, dass der Landkreis aufgrund geänderter Förderrichtlinien einen höheren Anteil übernimmt und für die Stadt sich im Prinzip nichts ändert.

Johannes Thoma und Boris Forstner

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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