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Bei der Spendenübergabe: (v.l.) SN-Redaktionsleiter Boris Forstner, Heidi Hepp (mit Tochter Katalin), Alexander und Franz Doll, Katharina Walk, Leni Lachmayr, Michael Walk, Birgit Risse, Christine Keim und Theresia Krecu

Spendenaktion für Schicksalsschläge

Hilfe auf dem Weg zurück ins Leben

Schongau - Viele Tränen der Erleichterung sind gestern bei der Spendenübergabe geflossen, die die Metzgerei Boneberger zusammen mit den Schongauer Nachrichten veranstaltet. Mit insgesamt 15 000 Euro konnte unter anderem Menschen geholfen werden, die sich in einer extremen Notlage befinden.

Tags zuvor lag er noch krank im Bett, doch die Spendenübergabe wollte sich Michael Walk nicht entgehen lassen. Der Chef der Metzgerei Boneberger stellt mittlerweile schon fast traditionell kurz vor Weihnachten 15 000 Euro zur Verfügung, um vor allem Menschen, aber auch Vereinen oder anderen Institutionen aus der Region zu helfen. Wobei die Betonung „auf der Region“ liegt: „Wir wollen in der Heimat, in der wir unsere Geschäfte tätigen, den Menschen auch etwas zurückgeben“, sagte Walk. Da gehe es ihm nicht um Werbung, sondern um die gute Sache, betonte er. Einige hatten sich selbst beworben, andere wurden vom Anruf der SN, dass sie ausgewählt wurden, völlig überrascht – vorgeschlagen werden kann nämlich jeder, mancher Hinweisgeber will anonym bleiben.

Sohn Emanuel liegt seit Jahren im Wachkoma

Das normale Leben von Familie Doll aus Bad Bayersoien endete am frühen Morgen des 29. Januar. Der 19-jährige Emanuel war morgens auf dem Weg nach Schongau zur Arbeit bei der Firma Hirschvogel. „Noch drei Tage, dann wäre er Geselle gewesen“, sagt Vater Franz (56). Doch bei starkem Schneefall nahe Rottenbuch geriet Emanuel auf die Gegenfahrbahn und prallte frontal in einen entgegenkommenden Lkw. Der 19-Jährige erlitt neben zahlreichen schwersten inneren Verletzungen einen Halswirbelsäulenbruch sowie schwere Kopfblessuren. „Auch nach drei Wochen hat es noch geheißen, es steht 50 zu 50, dass er durchkommt“, sagt Vater Franz. Emanuel überlebte, liegt aber seitdem im Wachkoma. „Ob er jemals wieder aufwacht, ist unklar“, sagt der ältere Bruder Alexander (23). Im Januar soll Emanuel aus der Unfallklinik Murnau heimkommen nach Bad Bayersoien. Dort wurde ein Zimmer behindertengerecht gemacht, Emanuel wird sein Leben lang Pflege brauchen. „Wie es weitergeht, weiß ich noch nicht. Wir haben einen Pflegedienst und hoffen, das klappt“, sagt Franz Doll. Seine Frau wird sich vor allem um die Versorgung kümmern. Die 4000 Euro aus dem Spendentopf kann die Familie gut brauchen. „Wir bedanken uns herzlich, auch bei allen, die uns unterstützen“, sagt Alexander Doll.

Haus und Hof niedergebrannt

Die beiden sind Leidensgenossinen. Beide kommen sie aus Rottenbuch (Krecu aus dem Ortsteil Rudersau, Lachmayer aus Hochkreit), und beide waren auf Feiern, als im September bzw. November ihr Haus und Hof niederbrannten. Und beide waren völlig überrascht, dass sie für die Boneberger-Spendenaktion vorgeschlagen wurden.

Krecu hatte sich das historische Haus, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1371 zurückreichen, toll hergerichtet. „Ich habe noch gesagt, ich könnte es mir nicht schöner vorstellen“, erinnert sie sich – bis der Brand im November alles zerstörte. „Erst gestern war ein Gutachter da, der hat gesagt, so einen Schaden hat er in 20 Jahren noch nicht gesehen“, sagt Krecu. Weil das alte Holz mit Hartwachsöl behandelt war, schwelte das Feuer, das als technischer Defekt an einer Stereoanlage oder einem Mehrfachstecker entstand, überall – die 50-Jährige konnte definitiv nichts mehr aus dem Haus verwenden. „Von einem auf den anderen Augenblick hat man nichts mehr“, sagt sie. Doch es gab viel Hilfe, von Freunden und Familie. Derzeit lebt sie mit ihrem Sohn in einer Ferienwohnung, aber Krecu will das Haus wieder herrichten. „Das wird schon wieder“, gibt sie sich kämpferisch.

Leni Lachmayr steht ihr da in nichts nach. Auch sie lebte nach dem Brand im September, der den Bauernhof zerstörte und das nebenanstehende Wohnhaus unbewohnbar machte, mit ihren beiden Kindern in einer Ferienwohnung, musste dort aber vor den Weihnachtsferien raus. Jetzt ist sie wieder nach Hause gezogen, inklusive Dixie-Klo vor der Tür. „Aber pünktlich zu Weihnachten soll die Toilette wieder funktionieren“, freut sie sich. Es ist ein Stück Normalität, doch der Weg ist noch weit. Die je 2500 Euro Spenden helfen Krecu und Lachmayr auf den Weg dorthin.

Wertvolles Therapiepferd Cilly mit zwölf Jahren gestorben

Durch ihre behinderte Tochter Katalin (19) kam Heidi Hepp auf die Arbeit mit Therapiepferden. Bei der Behinderten- und Rehasportgruppe Peiting (BRSG) leitet sie die Reitabteilung, hat sich ganz der Arbeit mit Kindern und Erwachsenen mit Handicap verschrieben. Zwei ihrer insgesamt sechs Pferde gehören der BRSG, doch dieses Jahr ist im Sommer der Therapie-Haflinger Cilly mit zwölf Jahren gestorben, ein anderes ist auch schon 20 Jahre alt und kann nicht mehr ständig eingesetzt werden für die rund 50 Leute, die das Therapie-Angebot nutzen. Deshalb wird im Januar ein neues Pferd getestet, „denn nicht jedes ist geeignet“, so Hepp. Sollte sich der neue Vierbeiner bewähren, kann er dank der 4000-Euro-Spende auch gekauft werden. „ich bin überglücklich“, sagt Hepp.

Verein für flexible Kinderbetreuung

Seit fast drei Jahren bietet der Verein Kimba in Schongau eine flexible Kinderbetreuung an, alles wurde selbst von den Initiatoren aufgebaut. „Aber viele Möbel sind noch ein Provisorium“, sagen die Tagesmütter Birgit Risse und Christine Keim. Als nächstes Projekt wollen sie die Garderobe angehen und Eigentumsfächer einrichten – was dank den 2000 Euro Spendengeld kein Problem mehr ist.

Boris Forstner

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