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Müssen weiterhin im Stall bleiben: Die Legehennen des Fischerhofes in Hohenfurch.

Stallpflicht bleibt in Kraft

Hühner müssen drin bleiben – auf unbestimmte Zeit

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Seit Mitte November dürfen Nutzgeflügelhalter ihre Tiere nicht ins Freie lassen. Drei Monate später ist die Gefahr der Vogelgrippe noch immer nicht gebannt. Die Stallpflicht bleibt in Kraft – auf unbestimmte Zeit. Allerdings nicht in allen Bundesländern. Wettbewerbs-Verzerrung?

Weilheim-Schongau – Die Nerven liegen blank. „Ich kann kaum schlafen und beobachte seit Wochen jeden Wildvogel, der bei uns vorbeifliegt“, sagt eine Geflügelhalterin aus der Region. Seit 18. November 2016 gilt die bayernweite Stallpflicht. „Und Stand jetzt kann keiner sagen, wie lange sie noch andauern wird.“ Nach wie vor werden im Freistaat, wenn auch vereinzelt, tote Wildvögel entdeckt, die mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert sind. Zuletzt in Freising. Und so lange die Gefahr dieser tödlichen Krankheit nicht gebannt ist, gilt für Nutzgeflügelhalter die landesweite Stallpflicht.

Im Landkreis Weilheim-Schongau wurden von Mitte November bis 17. Januar 23 tote Wildvögel aufgefunden und auf Geflügelpest untersucht, davon 13 positiv. Auffallend: Alle verendeten Tiere zählen zur Gattung der Wasservögel. Am häufigsten betroffen waren Enten (zehn), gefolgt von zwei Schwänen sowie einer Möwe. Aktuell in Untersuchung befinden sich drei tote Tiere. Eine Ente, aufgefunden an der Ammer bei Weilheim, ein Reiher, aufgefunden an der Ammer bei Rottenbuch und ein Schwan, aufgefunden an der Lechstaustufe oberhalb von UPM in Schongau. „Das Ergebnis dieser Untersuchungen gibt’s Ende nächster Woche“, sagt Sabine Tralmer vom Veterinäramt Weilheim-Schongau.

“Nicht auf Menschen und Säugetiere übertragbar“

Tralmer wünscht sich inständig, dass diese Ergebnisse durchgehend negativ ausfallen, der Spuk der Vogelgrippe endlich ein Ende nimmt. Die einzig gute Nachricht: „Stand jetzt ist das Virus weder auf Menschen noch auf Säugetiere übertragbar.“ Das gilt übrigens auch für Singvögel, die im Grunde mit Wasser bzw. Wasservögel nicht in Berührung kommen.

Trotzdem haben sich die Nutzgeflügelhalter weiterhin strikt an die Stallpflicht zu halten. Auch die, die etwas weiter von Fluss oder See zuhause sind. „Weil das Virus mutiert, kann nach wie vor niemand sagen, wie stark und wohin es sich verbreitet“, sagt Tralmer.

Die namentlich nicht genannte Geflügelhalterin akzeptiert die Stallpflicht. „Lieber so, als unnötig Risiko eingehen“, sagt sie. Knapp 8000 Hühner im Gesamtwert von rund 100 000 Euro tummeln sich derzeit in ihrem Stall. Damit die Legeleistung auch ohne Freilauf konstant gut bleibt, Bedarfs besonders viel Pflege. Häufiger Einstreuen, das Sandbecken regelmäßiger auffüllen, mehr Picksteine aufstellen. „Wir versuchen das, was unseren Hühnern durch die Stallpflicht genommen wird, mit mehr Extras auszugleichen.“ Das bedeutet für sie und ihren Mann: Deutlich mehr Arbeitsaufwand und höhere Kosten, speziell für Futter. Denn „draußen würden die Hühner sehr viele natürliche Nährstoffe, zum Beispiel Gras finden“.

Das gilt auch für die 10 800 Hühner vom Fischerhof in Hohenfurch, von denen normalerweise 9500 im Freien gehalten werden. Zur Info: Freilandeier sind in der Regel wertvoller, werden pro Stück für zwei bis vier Cent mehr verkauft als bei Bodenhaltung. „Wir haben aber beschlossen, unsere Eier zum gleichen Preis wie bisher zu verkaufen, damit die Kosten unseres neuen Freilandstalls, den wir erst im Herbst 2016 in Betrieb genommen haben, gedeckt sind“, sagt Inhaber Jürgen Fischer. Ein Aufkleber auf der Eierschachtel weise darauf hin, dass die Ware aufgrund verordneter Stallpflicht zum Schutz der Legehennen vorübergehend aus Bodenhaltung stamme.

Fischerhof-Besitzer fordert einheitliche Regelungen 

„Deshalb haben wir bis jetzt auch kein Verlustgeschäft gemacht“, sagt Fischer. Was ihn dennoch stört: „Dass wir deutschlandweit keine einheitlichen Regelungen haben.“ Von insgesamt 6,9 Millionen Freiland-Hennen sind lediglich 6,2 Millionen vom Auslaufverbot betroffen. Außerdem wurde die Stallpflicht in Baden-Württemberg, Thüringen und im Saarland gewieft umgangen. Wie? Indem die Stallpflicht kurzzeitig aufgehoben wurde. Dadurch zögert sich die Vermarktungsbeschränkung (schreibt vor, die Eier auch zu Bodenhaltungs-Preisen zu verkaufen) erneut um die kolportierte Frist von zwölf Wochen hinaus. Zudem wurde die Stallpflicht in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz bereits in Teilen aufgehoben. Geflügelhalter in diesen Bundesländern können also ihre Ware wie gewünscht zu Freiland-Preisen verkaufen.

Fairer Wettbewerb funktioniert in Fischers Augen anders. Allerdings geht er fest davon aus, dass in wenigen Wochen auch in Bayern die Stallpflicht aufgehoben wird. Das hängt letztlich von der Risikobewertung des Friedrich-Löffler-Instituts ab, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit mit Hauptsitz auf der Insel Riems, Mecklenburg-Vorpommern. Dort wird entschieden, ob und wann die Gefahr der Vogelgrippe endgültig gebannt ist. Das gilt auch für Weilheim-Schongau.

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