Christoph Zöbele aus Pähl neben dem Auto, das vom Baum getroffen wurde. Es hat Totalschaden. fotos: ruder fotos: ruder

Stürmische Nacht für die Helfer

Weilheim-Schongau - Vergleichsweise glimpflich ist der Altlandkreis Schongau beim Sturm in der Nacht zum Mittwoch davongekommen. Doch ein Autofahrer raste bei Schwabsoien in eine Ulme - und hatte Glück.

Bedeutsamster Zwischenfall war der Bruch der über 100 Jahre alten Ulme zwischen Schwabsoien und Sachsenried. Zum Verhängnis wurde dies einem 20-jährigen Sachsenrieder, der mit seinem silberfarbenen Ford Mondeo gegen 21.40 Uhr auf der Staatsstraße 2014 zwischen Sachsenried und Schwabsoien unterwegs war und mit hohem Tempo in die Ulme fuhr, die nach ihrem Bruch quer über der Fahrbahn lag. Dabei hatte der Fahrer noch Glück im Unglück und blieb unverletzt. Sein Fahrzeug allerdings hat nur noch Schrottwert.

Männer der Schwabsoier Feuerwehr um Kommandant Norbert Schmid schleppten den Baum später von der Straße. „Der Fahrer hat eine gehörige Portion Glück gehabt“, sagte Schmid. Schwabsoiens Rathauschef Siegfried Neumann kannte die alte Ulme gut - sie war vor drei Jahren angesägt worden, was für viel Aufregung gesorgt hatte. „Da sie so alt ist, wollten wir sie unbedingt erhalten. Ein Sicherheitsrisiko hat sie nicht dargestellt, weil sie nur an der Borke angesägt war. Der Täter wollte auf diese Weise bewirken, dass der Baum austrocknet.“ Seitdem sei schon so mancher Sturm drübergegangen, „diesmal war’s eben ein besonders heftiger“. Darüberhinaus ist Neumann der Meinung, „dass man bei solchem Wetter immer mit herabstürzenden Bäumen rechnen und seine Fahrweise entsprechend anpassen muss“.

Die Schongauer Wehr hatte gerade eine Übung bei der Firma Hochland, als der erste Alarm einging. Auf dem Rückweg habe man zwei bis drei übergelaufene Gullys richten müssen, sich aber auch um fünf bis sechs umgestürzte Bäume gekümmert. „In der Augsburger Straße drohte ein Baum auf ein Haus zu stürzen. Den haben wir von der Drehleiter aus Stück für Stück runtergeschnitten“, sagte Kommandant Werner Berchtold. Ab Mitternacht sei der Funkverkehr deutlich ruhiger geworden.

Sechs Einsätze registrierte auch Peitings Wehr. Wie Kommandant Rudolf Schropp erläuterte, seien beispielsweise am Amselweg und am Steg Bäume entwurzelt worden, an der Ramsauer Straße flogen Teile eines Baugerüsts durch die Luft. Noch schlimmer erwischte es die Füssener Straße und den Bereich, der frisch geteert wurde. „Dort ist die komplette Absperrung durch die Luft geflogen.“

Im Raum Weilheim riss der Sturm, der laut dem deutschen Wetterdienst auf dem Hohen Peißenberg Windstärke 10 erreichte, reihenweise Bäume um, beschädigte Bauzäune und Oberleitungen der Bahn. Bei Christoph Zöbele in Pähl hatte der Sturm mehrere mächtige Bäume umgerissen und zum Teil entwurzelt. Gegen 21.20 Uhr begrub eine etwa 20 Meter hohe und rund 150 Jahre alte Linde das Auto der Familie unter sich, beschädigte zudem Fassade und Dach des 1872 erbauten Hauses. Kurz bevor die Linde zu Boden krachte, hatte der Sturm an der Westseite des Gebäudes zwei Fenster eingedrückt. Zöbele wurde von Scherben getroffen, blieb aber „bis auf eine kleine Schnittwunde“ unverletzt. Der Wagen hat Totalschaden, wie der 52-jährige sagt, für die Reparaturen am Haus des Daches müsse er mit mindestens 20 000 Euro rechnen. „Jetzt geht’s erst mal ans Aufräumen“, so Zöbele.

Bei der Weilheimer Polizei gingen zwischen 21.20 und 23.15 Uhr insgesamt 13 Mitteilungen über umgestürzte Bäume ein. Betroffen waren die B 2 am Hirschberg, die B 472 bei Peißenberg, an der Abzweigung nach Polling und bei Oberhausen, die Staatsstraßen bei Wessobrunn und Forst sowie die Kreisstraßen bei Eberfing, Raisting und Forst. Und laut dem Pähler Feuerwehrkommandanten Manfred Hafenmayer musste mancherorts sogar ein Schneepflug eingesetzt werden, um die mit nassem Laub und Ästen übersäten Straßen wieder befahrbar zu machen.

Eine unfreiwillige Nachtschicht mussten auch Mitarbeiter des RVO einlegen. Weil sowohl zwischen Tutzing und Seeshaupt wie auch auf mehreren Abschnitten auf der Bahnstrecke München-Mittenwald Bäume oder Äste in die Oberleitungen gefallen waren, war der Zugverkehr in mehreren Bereichen blockiert. Als Ersatz mussten insgesamt 25 Busse eingesetzt werden.

Kurz vor 23 Uhr war wegen eines Schadens in der Oberleitung auch in Polling ein Zug liegengeblieben. Die Evakuierung der zehn Fahrgäste zog sich bis 1 Uhr nachts hin. Die Bayerische Regiobahn hingegen hatte nur geringe Probleme. Die Züge zwischen Schongau und Augsburg fuhren aber maximal mit Tempo 80, was teilweise Verspätungen von 9 bis 15 Minuten zur Folge hatte. spe/mb