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Andreas Keller Bürgermeistervon Rottenbuch

Turbo-Internet für Rottenbuch

Rottenbuch - Vodafone erschließt Rottenbuch und seine Nachbargemeinden mit der LTE-Mobilfunktechnologie. Ab Dezember sollen die dortigen Haushalte in Windeseile durchs World Wide Web surfen können

Gemütlich Kaffeeholen, während sich der Computer ins Internet einwählt, in Seelenruhe die Heimatzeitung durchlesen, bevor sich endlich die Datei heruntergeladen hat - das ist ab sofort Geschichte, wenn man in Rottenbuch, Böbing, Steingaden, Burggen, Wildsteig, Wessobrunn, Eglfing, Bad Kohlgrub oder Bernbeuren wohnt. Denn dort, wo Internetnutzung oft ein nervenaufreibendes Geduldsspiel war, kann schon bald mit der neuen, leistungsstarken LTE (Long Term Evolution)-Mobilfunktechnologie surfen. „Diese ermöglicht je nach Standort Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 MBit/s. Das ist ein Vielfaches der bislang erreichten Leistung“, verkündet Dieter Vogelhuber, Vodafone Regionalleiter Süd.

Ziel der Umrüstung auf die hochmoderne Technologie ist es, sogenannte „weiße Flecken“ von der Landkarte verschwinden zu lassen. „Wir wollen eine lückenlose Interabdeckung im bislang unterversorgten ländlichen Raum gewährleisten“, erklärt Vogelhuber. Das sei ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität der Menschen vor Ort. Der heimischen Wirtschaft biete das Turbo-Internet zudem die Möglichkeit, Arbeitsprozesse zu optimieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Ohne großen Aufwand werden in den kommenden Wochen die Sendeanlagen umrüsten. Für den Anschluss an das moderne Mobilfunknetz müssen lediglich einige Antennen an Europas größtem Funkmasten auf dem Schnaidberg ausgetauscht werden. „Die Veränderungen sind für den Laien kaum zu erkennen“, sagt Vogelhuber.

Da die Breitbandverbindung drahtlos hergestellt wird, erübrigen sich aufwändige, zeitintensive und teure Erdarbeiten zur Kabelverlegung. Auch der komplizierte Zugang über das Kupferkabel bis zum Haus, die so genannte letzte Meile, entfällt. „Es ist lediglich ein kleines Empfangsgerät notwendig.“ Und das mobile Internet sei ebenso schnell, sicher und leistungsstark wie ein Festnetzanschluss, versichert Vogelhuber. Durch seinen geringen Energiebedarf arbeite es zudem umweltschonend.

Einer, der sich nicht so richtig über das schnelle und kabellose Internet freuen kann, ist Burggens Bürgermeister Joseph Schuster. „Wir haben lange für eine Lösung mit Kabel gekämpft, deshalb kommt diese neue Technologie, von der ich heute zum ersten Mal höre, für uns nicht in Frage“, sagt er. Bei einer Funklösung sei seiner Meinung nach keine ausreichende Datenübertragungssicherheit gewährleistet. „Außerdem könnten die Strahlen gesundheitsgefährdend sein.“

Als positive Nachricht, die aber mit Vorsicht zu genießen sei, beurteilt Rottenbuchs Bürgermeister Andreas Keller die neue Art der Internetversorgung. „Grundsätzlich finde ich es gut, aber unser Ortskern ist jetzt schon gut bedient (16 MBit/s)“, meint Schuster. Er wolle daher abwarten und „mal schauen, ob LTE tatsächlich mehr Leistung bringt“.

Skeptisch ist auch Wildsteigs Bürgermeister Josef Taffertshofer: „Es wird darauf ankommen, mit welcher Art von Funkübertragung wir es zu tun bekommen. Darüber ist mir bis dato noch nichts bekannt. Die Frage wird aber sein, wie stark die Strahlenbelastung ist“, erklärt er. Er könne sich aber durchaus vorstellen, dass Betriebe, die stark von einer schnellen Internetverbindung abhängig sind, sich für diese Lösung entscheiden könnten.

Dass der Wildsteiger Bürgermeister mit seiner Vermutung goldrichtig liegt, beweist die Aussage von Alexander Schröder, IT-Experte des Steingadener Unternehmens Neumann und Neumann: „Momentan sind wir noch zufrieden mit unserer Interverbindung. Aber es ist gut möglich, dass die LTE-Technologie schon bald für uns interessant und notwendig wird.“ Allerdings müsse man abwarten, ob Preis und Angebot passen.

Übrigens: Einen Haken hat das Turbo-Internet. Wer in Windeseile durchs World Wide Web surfen möchte, der muss zunächst einen Vertrag mit dem Telekommunikationsriesen Vodafone abschließen. Preis: 39,99 bis 69,99 Euro pro Monat.

Ab Dezember sollen die die Geräte für den Empfang der neuen Funksignale im Handel verfügbar sein.

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