Ulrichsritt in Steingaden

Steingaden - Der Kreuzberg bei Steingaden bot am gestrigen Sonntag beim traditionellen Ulrichsritt wieder ein großartiges Zeugnis tief verwurzelten Glaubens im Pfaffenwinkel.

Über 1200 Gläubige feierten den Gottesdienst mit, der heuer genau auf den Festtag des Bistumspatrons fiel.

„Es ist immer wieder ein großartiges Erlebnis, wenn wir zum Kreuzberg hinaufreiten vor der imposanten Bergkulisse,“ freute sich Peter Echtler. Der leidenschaftliche Pferdezüchter war 50 Jahre mit dabei und durfte diesmal in der Ehrenkutsche von Karl Schmerold Platz nehmen. Und zwar neben Alfred Hindelang von der Jagdgenossenschaft Resle und den Bürgermeistern Xaver Wörle (Steingaden) und Helmut Angl (Lechbruck).

Schon früh am Morgen waren die Bauern aufgestanden und hatten den Blumenschmuck in die Mähnen und Schweife ihrer Pferde - heuer waren es 86 - geflochten. Zur Ehre Gottes und des Heiligen Ulrich. Der Vorstand der Ulrichsreiter, August Sieber, ist überzeugt, dass es „ohne festen Glauben“ dieses Brauchtum nicht mehr geben würde.

Wegen der Hitze der vergangenen Tage zog Ehrenvorstand Johann Sieber diesmal einen Platz im schattigen Garten vor. Im Herzen dabei darf er sich jedoch schon heute auf den nächsten oberbayrischen Festtags- und Brauchtumskalender freuen. Denn wegen des Ritts, um den sich Sieber verdient gemacht hat, kam gestern Fotograf Albert Grillhiesl extra nach Steingaden.

Passen musste heuer wegen einer Schulteroperation auch Manfred Wörle. Für ihn sprang Elisabeth Gruber ein, so dass der Musikantenwagen wieder - wie von Manfred Wörle eingeführt - vierspännig gezogen wurde. Rechtzeitig zum Ritt zogen am Himmel Wolken auf, so dass die Schwüle der vergangenen Tage gemildert wurde - sehr zur Freude von Roß und Reiter.

Pfarrer Günther Bäurle, der selbst im kostbaren Rauchmantel aus der Klosterzeit an der Spitze der Pferdeprozession mitritt, ging in seiner Predigt auf die Erfolgswelle der Deutschen bei der Fußballweltmeisterschaft ein. „Wo jeder seinen Platz kennt und das Zusammenspiel pflegt, kommt was Großartiges zusammen.“ So könnte es auch in der Politik und in der Kirche sein. Im Zusammenspiel gelinge das Zusammenleben. Ein großartiges Beispiel dafür sei „unser Bistumspatron“, der Heilige Ulrich. Er überzeugte durch gütiges und bescheidenes Leben, verwurzelt im Glauben bei Gott und immer wieder unterwegs auf Wallfahrten. Sein Leben sei noch heute ein schönes Beispiel, wie „wir selber unser Leben gestalten können“.

Kraft schöpfen aus dem Glauben: Daraus war damals wie heute Großes möglich, das Jahrhunderte überdauerte. Steht doch auf der Sonnenuhr des Kirchleins auf dem Kreuzberg: „Die in Gott leben fürchten nicht die fliehenden Stunden.“ Das wissen sie alle zu schätzen, die alljährlich hier herauf kommen, um beim Ulrichsritt mit dabei zu sein.

Zu ihnen zählt auch seit seinem Ruhestand der ehemalige Mesner Franz Glogger von der Wies. „Es ist unser Fest“ freuen sich auch alle, die hier oben wohnen. So lädt Irene Neß an diesem Tag stets all ihre Freunde und Verwante ein. Von ihrer Terrasse aus hat man einen herrlichen Blick hinüber zur Kirche und dem Haus ihrer Cousine Barbara Alvisini, vor dem traditionsgemäß der Feldaltar aufgebaut ist. Zur Tradition gehört auch, dass die Reiter auf dem Weg zur Aufstellungswiese durch ihr Grundstück reiten, quasi ein unverbrieftes Recht.

Für die feierliche Umrahmung des Festes sorgte einmal mehr die Musikkapelle Steingaden, dirigiert von Georg Müller vom Hiebler. Nach der Segnung von Roß und Reiter ritten die Wallfahrer der alten Tradition entsprechend dreimal um das Pestkirchlein auf dem grünen Hügel über dem Biberschwöller See.

Auch interessant

Kommentare