Zu wenig Nachfrage auf dem Land

"Veggie" ist Metzgern (fast) wurscht

Schongau - Grillzeit: Das bedeutet für viele knackige Würstel und deftiges Fleisch auf dem Grill. Vegetariern und Veganern allerdings bleibt dieser Genuss verwehrt.

Der griabige Grillabend gehört an einem warmen Tag im Sommer einfach dazu. Das Sixpack ist gekauft, die Salate angerichtet, der Rost glüht - doch während der Allesesser jetzt zum Grill läuft, schielen Abstinenzler nach Brot und Salat. Denn immer mehr Menschen verzichten aufs Fleisch - aus moralischen, ökologischen oder gesundheitlichen Gründen. Gerade zu Beginn der Grillsaison sind deshalb Alternativen gefragt.

Elke Weglmeier vom „lebensmittel.punkt“ in Schongau ist selbst Vegetarierin. Wie alle drei Verkäufer an der Wursttheke des Ladens von Herzogsägmühle. Ohne Fleisch an der Fleischtheke geht es bei ihnen aber nicht. „Wir sind ein eher kleiner Metzgerladen“, erklärt sie. „Deshalb erwartet und verlangt das der Kunde nicht.“

Auch viele Metzger geben Veggie-Produkten im Schongauer Land keine große Chance. „Dafür ist die Nachfrage einfach zu gering“, sagt Alexandra Geretshuber von der Altenstadter Metzgerei Filser. „Denn die Produkte sind sehr frischebedürftig.“ Um diese alternativen Nahrungsmittel anzubieten, müsste auch der Warenumschlag da sein. „Ist er aber nicht.“ Deshalb ist sie sich sicher: „Auf dem Land ist das nicht groß ausbaufähig.“ Würstchen und Aufschnitt ohne Fleisch sind ihrer Meinung nach „Nischenprodukte“. Große Wursthersteller wie Wiesenhof und Rügenwalder Mühle hingegen sind längst auf den Geschmack gekommen. Mit immer mehr fleischlosen Produkten überschwemmen sie den Markt.

Ohne Tier, darauf setzt auch Ute Schmid von der „Veganen und Vegetarischen Zauberei“. Sie lebt selbst seit zehn Jahren vegan. „Aus gesundheitlichen Gründen“, wie sie erzählt. In ihrem kleinen Restaurant im Schongauer Stadtkern bietet sie neben Getreide- und Gemüsegerichten auch manche „Wie-Fleisch“-Produkte an. „Bolognese oder Pflanzerl stehen bei mir ab und zu auf der Karte“, sagt sie. Mit Erfolg: „Das wird auch angenommen.“

Fleischlose Ersatzprodukte kann sich Gisela Rohrmoser in der Metzgerei nicht vorstellen. Aber auch die Peitinger „Metzgerei Rohrmoser“ hat vor fünf Jahren reagiert. Seitdem gibt es zwei Mal pro Woche vegetarisches Mittagsmenü. „Der Kunde hat danach gefragt, also sind wir natürlich auf den Wunsch eingegangen“, erzählt sie. Doch richtige Veggie-Schnittchen, „das macht der traditionelle Metzger nicht“. Ändern wird sich das auf dem Land wohl erstmal nicht, glaubt sie.

Anders sieht das Michael Walk von der Metzgerei Boneberger: „Wir sind da ganz offen.“ Die von Großherstellern betitelte Veggie-Wurst ist ihm aber ein Gräuel. Das liegt zunächst am Namen: „Bei uns Metzgern spricht man nicht von Wurst in diesem Zusammenhang. Eine Wurst enthält hochwertiges Fleischeiweiß - bei einem fleischlosen Produkt ist das nicht so.“ Doch nicht nur die Bezeichnung stört ihn. „Was auf dem Markt angeboten wird, ist oft kein hochwertiges Nahrungsmittel.“ Zwischen dem Herstellungs- und dem Verkaufspreis liege eine unglaubliche Preisspanne. Denn: „Die Herstellung ist einfach: Man lässt Erbsenmehl aufquillen, fügt Öl bei und lässt es emulgieren. Zum Schluss kommen noch Gewürze, Bindemittel und Farbstoffe hinzu.“ Die Rohstoffe seien billig, „deshalb ist das für viele lukrativ“.

Kauft man bio, muss man sich vor solchen Zusatzmitteln aber nicht fürchten, beruhigt Klaus Grundner. Der Besitzer des Schongauer Bioladens „Pfifferling“ ist selbst seit 35 Jahren Vegetarier. Gesundheitliche oder ökologische Bedenken kann er völlig ausräumen. „Bioprodukte sind frei von allen Zusatzstoffen und das Soja beziehen wir direkt vom Bodensee oder aus Österreich.“ Keine langen Transportwege und keine Pestizide also.

Walk von der Metzgerei Boneberger sieht sich aber als Anbieter gefordert. Deshalb tüftelt der Metzgermeister seit knapp einem Jahr in einer Versuchsküche an fleischlosen Waren. Er sieht das so: „Vegetarier und Veganer gehen nicht in die Metzgerei“, da ist sich der Hersteller sicher. Wenn die Familienmutter aber für die vierköpfige Familie mit zwei Veganern einkaufe, brauche sie gerade in der Grillsaison auch Alternativen. „Bis zum Herbst“, versichert er, soll ein hochwertiges fleischloses Produkt hinterm Tresen zu finden sein.

Elena Wlacil

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