Ein Verbrauchermarkt für Bernbeuren?

Bernbeuren - Braucht Bernbeuren einen Verbrauchermarkt? Diese Frage beschäftigte den Gemeinderat in seiner Sitzung. Wobei: Zu einer Diskussion kam es (noch) gar nicht.

Bernbeuren - „Wie stehen Sie zu einem Verbrauchermarkt in Bernbeuren?“ lautete die Frage auf dem Mitteilungsblatt, das im Dezember vergangenen Jahres an die Dorfbewohner herausgegeben wurde. Mit folgendem Ergebnis: Nur 87 der insgesamt 2288 Einwohner haben sich geäußert, davon 54 Pro- und 33 Contra-Stimmen (Stand: 24. Januar 2012).

Für Bürgermeister Heimo Schmid trotz der wenigen Teilnehmer ein klarer Fall: „Die Leute haben Bedenken was passieren würde, wenn die Gemeinde keinen Grundversorger mehr hätte.“ Das Geschäft sollte mittags durchgehend geöffnet sein und ein umfangreiches Angebot an Lebensmitteln und Drogerie-Artikeln vertreiben - das sind Anregungen der Bürger. Auch an Biowaren zeigen sich die Befragten interessiert. Außerdem könnten mit einem Verbrauchermarkt neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Alles positive Argumente, doch wo bleiben die Aussagen der Gegner? „Es fällt schon auf, dass der Bürgermeister die nicht aufgezählt hat“, sagt eine Zuhörerin, die anonym bleiben will. Immerhin bedeute ein Großmarkt für den Ort, dass die alteingesessenen Läden möglicherweise aussterben. So geschehen in Rettenbach. Ihrer Meinung nach sei der Dorfladen an dem vor fünf Jahren aufgemachten Weichbergmarkt zerbrochen. „Stimmt nicht“, widerspricht Rettenbachs Bürgermeister Wilhelm Fischer. Der habe schon vor der Eröffnung des neuen Markts seine Pforten geschlossen. Im Gegenteil, der Laden habe das Geschäft der gegenüberliegenden Metzgerei und Bäckerei sogar noch angekurbelt. „Wenn die Leute schon beim Einkaufen sind, nehmen sie dort auch noch ihr Brot und ihre Wurst mit“, freut sich Fischer. Trotzdem sei es ein Risikogeschäft für die Gemeinde in Eigeninitiative so etwas auf die Beine zu stellen. „Da braucht man schon einen finanziellen Rückhalt“, sagt Fischer. Nicht nur das Gebäude müsse gebaut, auch Arbeitskräfte eingestellt und entlohnt werden. Für Bernbeurens Bürgermeister Schmid ist die Gemeinde Rettenbach trotzdem ein gutes Beispiel. „Da funktioniert das super“, sagt er.

Zwei Metzger und zwei Bäcker gibt es derzeit in Bernbeuren. „Zuwenig“, findet Schmid. Die Geschäfte seien in Angebotsfläche und Sortiment viel zu begrenzt. Damit der Gemeinde aber kein Großmarkt vor die Nase gesetzt werde, müsse man selbst aktiv werden. „Das könnte durch einen Zusammenschluss der bestehenden Läden passieren, die dann mehr Ware verkaufen“, meint der Rathaus-Chef. Schließlich wäre es wünschenswert, wenn sich die bestehenden Anbieter besser positionierten. „Nur so können sie verhindern, dass sie dem Verdrängungswettbewerb zum Opfer fallen“, gibt er zu bedenken.

Konkrete Zahlen möchte Bürgermeister Heimo Schmid aber noch nicht preisgeben: „Uns hat lediglich interessiert, wie die Einwohner zu dem Thema stehen. Der Rest kommt dann irgendwann später.“

Sabine Krolitzki

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