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Walter Wölfle, Musiker-Urgestein aus Schongau,  ist erzürnt über die Entscheidung von Bayern 1.

Zum Volksmusik-Aus von Bayern 1

"Programmdirektor gehört in die Wüste geschickt"

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Schongau - Volksmusik nur noch über Digitalradio: Dass Bayern 1 seine letzten Volksmusiksendungen aus dem Programm streichen, heißen die Brauchtumsvertreter aus dem Altlandkreis alles andere als gut. Wir haben bei Gauvorstand Franz Multerer und Musikerurgestein Walter Wölfe nachgefragt.

Der Radiosender Bayern 1 streicht ab 15. Mai die letzten Volksmusiksendungen aus dem Programm. Sowohl die Stunde am Abend zwischen 19 und 20 Uhr als auch der Frühschoppen am Sonntagvormittag gehört dann der Geschichte an. Für Trachtler, Musiker und viele andere Zuhörer wirkt diese Nachricht wie ein Schlag in die Magengrube. „Nicht zu befürworten“, sagt Lechgau-Vorsitzender Franz Multerer kurz und schmerzlos. Damit schiebe man die Tradition einen weiteren Schritt aus der bayerischen Gesellschaft.

Insbesondere denkt Multerer an die ältere Generation „wie meinen Vater“, die das jeden Tag sehr gerne zur Brotzeit gehört haben. Und an die Autofahrer. „Ich weiß zwar, dass es mittlerweile einen Zusatz für digitalen Empfang zu kaufen gibt, aber die meisten Leute haben noch den normalen UKW-Radio.“

Multerer spielt auf den digitalen Radiosender BR Heimat an. Auf diesem Kanal sind den ganzen Tag über Volks- und Blasmusik sowie bayerische Gschicht’n zu hören. „Wenigstens haben wir damit eine gute Alternative, denn ganz ohne Volksmusik im Radio wäre das ganze richtig schlimm.“

Zum Kauf eines Digitalradios gezwungen

Multerer selbst hat noch kein Digitalradio in der Stube stehen, kann sich hinter der Programmstreichung durchaus einen wirtschaftlichen Schachzug des öffentlich-rechtlichen Senders vorstellen. „Jetzt wird man dazu gezwungen, sich einen zu kaufen.“ Ob das die ältere Generation wirklich mitmacht?

„Das von den älteren Leuten zu verlangen, ist wirklich eine besonders große Frechheit“, sagt Schongaus Musiker-Urgestein Walter Wölfle (57), derzeit Männerchorleiter des Trachtenvereins. Er ist stinksauer über diese Programmstreichung. „Es gibt 120 000 im Verband organisierte Blasmusiker, davon sind 48 000 unter 18 Jahre alt. Rechnet man noch alle nichtorganisierten Kapellen und die zahlreichen Zuhörer dazu, sprechen wir von einer halben Million – und das wird vom Programmdirektor einfach so ignoriert?“ Für Wölfle gehöre der „in die Wüste geschickt. Ich kann doch keine komplette Sparte abschaffen. Die Rock- und Popmusik aus den 60er und 70er wird ja auch nicht aus dem Programm gestrichen.“

Volksmusik an sich nicht in Gefahr - aber traurig für die Hörer

Programmbereichsleiter Walter Schmich begründet die Entscheidung damit, dass sich der Sender künftig auf die 45- bis 55-jährigen Rock- und Softrock-Hörer konzentrieren möchte. Außerdem sei die Entscheidung mit Volksmusik- und Brauchtumsverbänden abgesprochen. Tatsächlich? Lechgauvorsitzender Franz Multerer zum Beispiel wusste davon überhaupt nichts.

Wölfle kann darüber nur den Kopf schütteln, sieht die Zukunft der echten bayerischen Volksmusik allerdings nicht in Gefahr: „Die überlebt, weil sie an tausend Orten von Jung und Alt gespielt wird, dort kein UKW-Radio braucht."

js

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