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Mit pfiffigen Ideen wie der Pflegebewerbernacht gelingt es der Krankenhaus GmbH neues Personal zu gewinnen.

Licht und Schatten in der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau

Geburtenstation in Weilheim wohl endgültig beerdigt

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Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, berichtete im Kreistag über die aktuelle Geschäftsentwicklung. Dabei wurde – ganz nebenbei – de facto die Geburtenstation in Weilheim wohl endgültig beerdigt.

Landkreis – Mit seinem Eingangssatz bereitete Lippmann die Kreisräte schon einmal auf Dinge vor, die kommen sollten: „Die Rendite der Krankenhaus GmbH sollte eine gute Versorgung für die Bürger sein.“

Mit anderen Worten: Damit, dass die Krankenhaus GmbH schwarze Zahlen schreibt, ist nicht zu rechnen. In der Schongauer Klinik zum Beispiel würden die Mitarbeiter ihn fragen: „Was sollen wir machen? Die Betten sind voll, aber wir kommen dennoch auf keinen grünen Zweig.“ Das liege daran, dass das fallbasierte Abrechnungssystem „sehr Geräte- und OP-getriggert ist“, sagte Lippmann. In Schongau habe man zwar mehr Fälle, diese seien aber leichter und pflegeintensiver als in Weilheim. Daher stünden am Ende weniger Einnahmen.

Mehr leichtere Fälle in Schongau

In Weilheim gebe es mehr schwerere Fälle – viele Operationen in der Prothetik oder bei Herzkathetern wurden durchgeführt. Das bedeutet steigende Einnahmen. Generell lobte Lippmann die Arbeit der Weilheimer Kollegen: „Die Fallzahlen sind gestiegen – und das trotz der immer noch laufenden Sanierung.“ Die Baufortschritte seien mittlerweile unübersehbar, die Arbeiten auf der Zielgeraden. Lippmann rechnet mit einer Fertigstellung Anfang 2020.

Doch auch in Weilheim mache das ungerechte Abrechnungssystem der Krankenhaus GmbH zu schaffen. In der neuen Notaufnahme habe man die Kapazitäten verdoppelt, dennoch sei sie immer voll. „Das ist schön für die Bürger, dass wir das Angebot dort erweitern konnten – für uns ist das ein finanzielles Desaster“, so Lippmann. Er hatte allerdings auch gute Nachrichten.

Einstellungsoffensive zeigt Wirkung

Deutschlandweit werde verzweifelt nach Pflegekräften gesucht, die Lage in Weilheim und Schongau sei da weit weniger dramatisch. „Unsere Einstellungsoffensive zeigt Wirkung“, meinte Lippmann. Heuer beschäftige die Krankenhaus GmbH erstmals über 1000 Mitarbeiter – Ende 2018 waren es noch 904. Allein 60 neue Pflegekräfte seien eingestellt worden – auch mit Blick darauf, dass das Abrechnungssystem umgestellt werde und demnächst die tatsächlichen Pflegekosten übernommen werden. Das werde insbesondere private Klinikbetreiber, die ihre Gewinne vor allem durch Kürzungen beim Pflegepersonal realisieren, hart treffen, prognostizierte Lippmann. Die könnten nämlich gar nicht so schnell Personal ausbilden und einstellen, wie sie es brauchen. In seinem Haus sei derweil die Zahl der Auszubilden im ersten Jahr von 25 auf 50 gestiegen.

Ein dickes Minus macht derweil weiter die Geburtenstation in Schongau. Würden dort 600 Kinder pro Jahr zur Welt kommen – also mindestens die Hälfte aller Geburten im Landkreis stattfinden – könnte man einen Millionenbetrag einstreichen. Da man das nicht schafft, wie Lippmann einräumte, fließt gar kein Geld.

Geburtenstation bleibt geschlossen 

Ob es da helfen würde, wenn die Geburtenstation in Weilheim wieder geöffnet würde, wollte ein Kreisrat wissen. Nein, antwortete Lippmann klar. Wenn Weilheim wieder geöffnet würde – und das ist angesichts des fehlenden Personals ohnehin sehr unwahrscheinlich – würde für die Geburtenstation dort auch die 600-Geburten-Grenze gelten. Mit anderen Worten: 100 Prozent aller Geburten im Landkreis müssten dann entweder in Weilheim oder in Schongau stattfinden, damit Gelder fließen.

Aber das sei angesichts der „händeringenden Suche nach Gynäkologen“, von der Landrätin Andrea Jochner-Weiß berichtete, ohnehin kaum wahrscheinlich.


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