Fall Walter Lübcke: Zeugenaussage und Fund auf Toilette bringt Ermittler auf die Spur von Mittätern

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Kritik an Informationspolitik

Schockierender Vorfall an Grundschule: Drittklässler nötigt Erstklässler zu sexueller Handlung

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Ein Drittklässler soll einen Erstklässler während der Mittagsbetreuung auf der Toilette zu einer sexuellen Handlung genötigt haben. Ort des Geschehens: eine Grundschule im Landkreis Weilheim-Schongau. So schildert es eine besorgte Mutter, deren Kind ebenfalls die Mittagsbetreuung besucht. Sie kritisiert die Informationspolitik der Schule.

Landkreis– Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd bestätigt auf Anfrage der Heimatzeitung den Vorfall, der sich bereits vor den Osterferien zugetragen hat. Die Kriminalpolizei sei vor Ort gewesen und habe Befragungen durchgeführt, sagt eine Sprecherin. Eine Anzeige gebe es nicht, da es sich bei den beteiligten Kindern um keine strafmündigen Personen und somit um keine Straftat handle. Weitere Details könne man aus Rücksicht auf die Beteiligten nicht nennen. Man habe das Jugendamt und das Landratsamt über die Geschehnisse informiert.

Im Amt für Jugend und Familie zeigt man sich in einer ersten Stellungnahme überrascht. „Mir ist kein solcher Fall bekannt“, sagt Sachgebietsleiter Jürgen Wachtler. Weil es sich um einen schulinternen Vorgang handle, sei zuerst die Schulaufsichtsbehörde in der Verantwortung. Das Schulamt in Weilheim will auf Anfrage nur schriftlich auf Fragen antworten und bittet um Geduld.

Auch ein Anruf beim Bürgermeister der Gemeinde wirft mehr Fragen auf, als er Antworten liefert. Ihm sei der geschilderte Fall vollkommen neu, sagt der Rathauschef. Eine Grundschulleitung, die den Chef der eigenen Gemeinde – diese ist immerhin der Sachaufwandsträger – nicht über ein derartig erschreckendes Vorkommnis informiert? Das findet nicht nur der Rathauschef „eigenartig“. Ist also etwas dran an der Vermutung der Mutter, die Schule wolle den Fall möglichst unter den Teppich kehren?

Schulamt und Gemeinde nicht informiert

Tatsächlich räumt die Schulleitung auf Nachfrage ein, dass die Gemeinde nicht informiert worden sei. Auch das Schulamt sei nicht ins Bild gesetzt worden: „Unsere Intention war, dass der Fall keine großen Wellen schlägt.“ Man habe dabei an die beiden Kinder gedacht, die man vor einer Stigmatisierung habe bewahren wollen. „So einen Fall haben wir noch nicht erlebt, die ganze Schule ist fassungslos.“ Natürlich habe man Verständnis für die Sorgen der Eltern der anderen Schüler. „Wir nehmen das ernst.“ Auf die Frage, warum das Jugendamt nicht informiert worden sei, zeigt sich die Schulleitung überrascht. Auch ihr habe die Polizei mitgeteilt, dass der Fall dorthin gemeldet würde.

Nach Rücksprache mit der Schulleitung äußert sich schließlich das Schulamt. Seine Leiterin Ingrid Hartmann-Kugelmann bestätigt, dass ihr Amt erst durch unsere Nachfrage von dem Vorfall erfahren hat – ein klares Versäumnis der Schulleitung. „Die Schulen sind gehalten, ein solches Vorkommnis umgehend und in Gänze der Schulaufsichtsbehörde zu melden.“ Nachdem man Kenntnis von dem Vorfall erlangt habe, habe man „umgehend alle erforderlichen Schritte unternommen, um über den Sachverhalt umfassend informiert zu werden und einen Überblick über das Geschehen zu erhalten“, teilt Hartmann-Kugelmann mit. „Das Staatliche Schulamt wird die Klärung und Aufarbeitung begleiten. In einem so hochsensiblen Thema, in dem der Schule anvertraute Kinder betroffen sind, bedarf es einer verantwortungsbewussten und überlegten Planung und Vorgehensweise.“ Laut Schulamt ist der Fall bislang einzigartig im Landkreis.

Als Reaktion auf den Vorfall sollen an der Grundschule „lehrplangemäße Unterrichtseinheiten, die sich mit dieser Thematik befassen, gegebenenfalls wiederholt oder aufgrund des gegebenen Anlasses vorgezogen werden“, kündigt Hartmann-Kugelmann an. Unabhängig davon finde an der Schule derzeit das Projekt „Ich bin stark“, dass das Selbstvertrauen der Kinder fördere und das richtige Verhalten der Kinder in möglichen Gefahrensituationen aufzeige, statt.

Den Eltern des Erst- und Drittklässlers habe die Schule Möglichkeiten der Betreuung aufgezeigt. Außerdem seien weitere Fachberatungsstellen wie das Netz gegen sexuelle Gewalt und das Kinderschutzzentrum München hinzugezogen worden, teilt die Schulamtsleiterin mit. Die Schule habe zudem zwischenzeitlich das Jugendamt informiert (siehe unten).

Schule informiert Eltern und will zum Elternabend laden

Auch zum Vorwurf der Mutter, dass die Schule die anderen Eltern nicht informiert habe, nimmt das Schulamt Stellung. Die Sorgen der Eltern seien gut nachvollziehbar. Die Schule habe damit die beteiligten Kinder schützen wollen. „Dass dies zu einer Verunsicherung der Eltern geführt hat, bedauert die Schule sehr.“ Eine Elterninformation werde geprüft.

Tatsächlich hat die Schulleitung zwischenzeitlich die Eltern per Brief über den Vorfall in Kenntnis gesetzt. Nach den Pfingstferien soll es auch einen Elternabend geben. „Wir haben gemerkt, dass es noch Gesprächsbedarf gibt.“

„Sexualität darf nicht erst Thema werden, wenn es Probleme gibt“

Ein Drittklässler nötigt einen Erstklässler zu einer sexuellen Handlung: Die Rollen Täter und Opfer sind damit auf den ersten Blick klar verteilt. Doch genau das sei in einem solchen Fall keineswegs so einfach, sagt Jürgen Wachtler, Leiter des Amts für Jugend und Familie in Weilheim. „Beide sind Kinder und damit nicht strafmündig und in dem Alter auch nicht verantwortlich.“ 

Die wichtigste Frage laute daher, wie könne man das Geschehene kindgerecht aufarbeiten, um beiden zu helfen. Der Fall mache deutlich, wie wichtig es sei, dass Kinder schon in frühester Kindheit altersgerecht an die Sexualität herangeführt werden. Diese dürfe nicht erst Thema werden, wenn es Probleme gebe, fordert er. „Nur so können sie wissen, was erlaubt ist und was nicht.“ 

Dabei seien die Einrichtungen wie Kindergarten und Schulen gefordert, aber in erster Linie natürlich die Eltern. „Kinder lernen am Modell. Damit einher geht eine hohe Verantwortung.“ Wachtler vergleicht es mit der Verkehrserziehung. Niemand würde einen Dreijährigen allein zum Kindergarten schicken. „Die Gefahr, dass etwas passiert, ist zu groß.“ Was in diesem Beispiel für Eltern selbstverständlich sei, gelte genauso für den Bereich der Sexualität. Gerade in der heutigen Zeit, wo schon Kinder leicht Zugang zu pornografischen Inhalten bekommen, sei eine entsprechende Erziehung zum gesunden Umgang mit Sexualität wichtiger denn je, betont Wachtler. „Wenn Kindern nicht gesagt wird, was in Ordnung ist und was nicht, kennen sie auch keine Hemmschwelle.“ 

In seiner Arbeit hat der Jugendamtsleiter allerdings schon oft festgestellt, dass es Eltern selbst an Wissen fehlt. „Die Toleranz geht in bestimmten Bereichen über das hinaus, was erlaubt ist.“ Das beginne schon damit, wenn der 15-jährige Sohn die 13-jährige Nachbarstochter intensiv küsse. „Vor dem Gesetz ist das ein sexueller Übergriff.“ Zurück zum Vorfall an der Grundschule.

Derlei Vorkommnisse seien die Ausnahme, betont Wachtler. Im Jugendamt liege die Zahl der meldepflichtigen Fälle in Kindergärten, Jugendheimen und Horten pro Jahr „im unteren einstelligen Bereich“. Eine Problemlage habe man im Landkreis damit nicht.

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