Wenn der Regen in den Schnaps tropft

Ingenried - Das Neujahrsanblasen ist in vielen Gemeinden Tradition - und es ist nicht nur musikalisches Talent gefragt.

„An so einem Tag musst Du nicht nur eine gute Lunge haben, sondern auch eine gute Leber“, sagt Andreas Kirchmayr schmunzelnd. Er muss es wissen, schließlich ist der 33-jährige seit 15 Jahren mit der Musikkapelle Ingenried beim Neujahrsanblasen dabei. Das Flüssige macht ihm dabei keine Probleme, nur der Tragegurt seiner Kaisertuba „zieht gscheit nei“. Da legt man das Instrument gerne ab, wenn es eine Brotzeit gibt. Und am Abend, nach acht bis neun Stunden, weiß er dann ganz genau, wo die Schultermuskulatur verläuft.

Die Tradition des Neujahrsanblasens wird in Ingenried seit 1993 gepflegt. Damals wollte man in Vorausschau auf das Bezirksmusikfest eine neue Tracht beschaffen und spielte sich so einen großen Teil der Mittel ein. „Und heute ist das Ganze eine gewisse Kundenpflege“ sagt Markus Mangold. Seit fünf Jahren ist der 46-Jährige der Dirigent der gut gelaunten Truppe. Sein Vorgänger Anton Ziegler erinnert er sich gerne an alte Geschichten. Wie sie bei Wind und Wetter auch zu abgelegenen Höfen zu Fuß durch hohen Schnee stapften. Der Stärkste musste die Spur treten, der Rest kämpfte sich hinterher. Dass dabei die Ventile der Instrumente einfroren, wurde von den Musikern problemlos gemeistert. Da saßen sie eben so lange bei der Brotzeit in einer Stube, bis alles auftaute. „Und wo es uns gut gefallen hat, dauerte es besonders lange, bis sich die Ventile wieder drehten“ sagt der Altdirigent mit einem verschmitzten Lächeln.

Als die Musikanten bei Maria-Luise Rößle das Tablett gereicht bekommen, beginnt es zu regnen. Das nutzt Saxophonistin Katrin Lolacher gnadenlos aus. Nach dem Genuss des ersten Glases moniert „Miss Ingenried“, dass in ihr Getränk Regenwasser getropft sei. Maria-Luise lässt sich nicht lumpen und servierte noch einmal.

Das Glück, doppelt serviert zu bekommen, genießt auch Flügelhornist Franz Rieger. Seine Tochter Franziska ist mit dem Tenorsaxophon erstmals dabei, die 16-Jährige genießt noch nicht den Status einer trinkfesten Musikerin. Dafür hat sie beobachtet, dass der Marsch „In Reih und Glied“ zwar perfekt gespielt wird, aber keiner mehr in Reih und Glied steht. Die Musiker zieht’s ins Gemeindehaus, dort werden sie mit Bürgermeister Xaver Fichtl Mittagessen. Sie müssen bei Kräften bleiben, schließlich wollen noch Krottenhill und Erbenschwang sowie einige Weiler bespielt werden.

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