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Bald werden die Matratzen in der Schongauer Berufsschulturnhalle wieder eingerollt.

Landratsamts-Pläne

Schongauer Berufsschul-Turnhalle soll im Sommer frei sein

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Schongau - Die Schongauer Berufsschulturnhalle soll nur noch bis zum Sommer Flüchtlinge beherbergen. Umgesetzt wird damit eine Bestrebung der Regierung von Oberbayern. Schongaus Schulleiter sind begeistert, der Bürgermeister zweifelt.

Im Weilheimer Landratsamt hat dieser Tage bereits eine Besprechung mit dem Ergebnis stattgefunden, dass die Berufsschulturnhallen in Schongau und Weilheim bis Sommer leer sein und zu Beginn des neuen Schuljahrs wieder den Schulen zur Verfügung stehen sollen. Dies basiert darauf, dass es bis Ende April keine neuen Zuweisungen von Asylbewerbern für oberbayerische Landkreise geben soll.

Vorher stehen noch kleinere Renovierungen und ein Großreinemachen in den Hallen an. Laut Pressesprecher Hans Rehbehn geht man aber davon aus, dass größere Schäden nicht zu erwarten sind, wie das Beispiel Penzberg gezeigt habe. Die dortige Halle wurde bereits geräumt und steht ab Mai den Schulen wieder zur Verfügung.

Flüchtlinge sollen im Großraum Schongau verteilt werden

Wohin genau die 155 Flüchtlinge, die noch in der Berufsschulturnhalle leben, umsiedeln, ist noch unklar. Rehbehn geht aber davon aus, dass dies im Großraum Schongau der Fall sein werde. „Wenn so schnell keine neuen Flüchtlinge zugewiesen werden, können wir sie in dezentralen Unterkünften oder in noch fertigzustellenden Großbauten unterbringen.“

Abzuklären sei vorher noch, wo Unterkünfte zur Verfügung stehen. Und so einfach wie bisher wird es auch nicht mehr sein. Hintergrund: Bislang konnte der Sachbereich Asyl die Unterbringung autark entscheiden, jetzt muss für jede einzelne Wohnung, sei sie auch noch so klein, erst das O.K. der Regierung eingeholt werden.

Bei den Schulleitern ist die Freude groß. Der Leiter der Berufsschule, Thomas Schütz, verweist zwar darauf, dass die Halle überwiegend dem Gymnasium und der Realschule zur Verfügung stehe, erklärt aber auch, „dass wir sie für unseren Fachbereich Kinderpflege dringend brauchen“. Schließlich müssten die Kinderpflegerinnen später einmal Kinder sportlich auf Vordermann bringen. Insgesamt nutze die Schule aber nur 18 bis 20 der insgesamt 120 verfügbaren Stunden. Froh ist Schütz trotzdem, „dass wir wieder Sportunterricht anbieten können, mit dem wir jetzt in den VHS-Gymnastikraum ausgewichen sind“. Ansonsten hat Schütz viel Lob für die Verantwortlichen übrig. „Alles war super organisiert, unsere Schule war keinerlei Beeinträchtigungen ausgesetzt.“

Schulleiter freuen sich über ein Ende der Provisorien

Auch Realschulleiter Armin Eder fällt ein Stein vom Herzen. „Wir mussten ein Notprogramm fahren, haben Sportunterricht in der Lechsporthalle, in der Sporthalle der Kaserne, aber auch in Peiting und Hohenfurch gehalten.“ Jetzt freut sich Eder, „dass die Flüchtlinge bessere Quartiere bekommen und wir wieder regulären Sportunterricht abhalten können“. Und bei dieser Gelegenheit möchte Eder auch allen danken, „die uns in dieser Zeit so großzügig unterstützt haben“. In Schongau sei die Welt halt noch in Ordnung.

Freude auch bei Gymnasiumsleiter Wolfgang Gebler. „Da wird sich einiges entzerren“, sagt er und erläutert, „dass wir in die Gymnasiumshalle, die Lechsporthalle und in die Halle der Grundschule ausgewichen sind, und sogar ins Bad und ins Eisstadion“. Und auch die Abiturienten sind betroffen. „Da sperren wir heuer einen Gebäudetrakt für die Prüfungen ab.“

Apropos Prüfungen. Davon sind auch die Berufschule, die entweder ins Jakob Pfeiffer-Haus oder nach Weilheim wechselt, und die Realschule betroffen, die im Pfeiffer-Haus unterkommt.

Schongaus Rathauschef Falk Sluyterman sieht die Entwicklung unterdessen zwiespältig. Erfreut ist er darüber, „dass die Flüchtlinge besser untergebracht werden können und auch der Schulsport wieder in gewohntem Umfang möglich ist“. Doch er verweist auch darauf, „dass in dem Moment, wo die Flüchtlinge in der Turnhalle ausquartiert werden, um in der Dießener Straße einquartiert zu werden, wieder ein Damokles-Schwert über uns kreist“. Bekanntlich hat die Stadt ja eine Klage gegen weitere Asylbewerber-Unterkünfte im Schongauer Osten vor dem Verwaltungsgericht angestrengt. Das Verfahren läuft.

Zudem weist Sluytermann darauf hin, „dass auf die Halle jederzeit zugegriffen werden kann, wenn der Flüchtlingsstrom wieder zunimmt“. Sollte die Halle aber auch künftig nicht mehr belegt werden, „werden wir uns als Stadt sicher bei weiteren Verhandlungen kooperativ zeigen, so lange sich auch andere Kommunen, die noch keine oder sehr wenige Flüchtlinge bei sich aufgenommen haben, solidarisch zeigen“.

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