Trotz Schonzeit:

Grausiger Fund: Jäger schießen Rehbock - und zerstückeln ihn, um Tat zu vertuschen

Die Bayerischen Staatsforsten führten eine Drückjagd im Westerholz Durch. Dabei wurde mindestens ein Rehbock geschossen - trotz Schonzeit. Die Jäger starteten eine grausige Vertuschungsaktion.

Landsberg – Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass sich die Polizei mit dem Vorgang beschäftigt – zunächst vor einem spektakulären Hintergrund. Ein Spaziergänger entdeckte zwei Tage nach der großen Drückjagd vier Rehköpfe in dem großen Waldgebiet. Ein „hinzugerufener Jäger“ attestierte den Polizeibeamten, dass die Tiere wohl in den vorangegangenen zwei Tagen erlegt worden waren. Die Landsberger Ordnungshüter gingen von „Jagdwilderei“ aus und baten die Bevölkerung um Hinweise.

Drei Tage später die Entwarnung: Der „zuständige Jagdpächter“ habe sich gemeldet; die Köpfe könne man einer Drückjagd zuordnen. Doch einem Leser, der seit Jahrzehnten Jäger ist und namentlich nicht genannt werden will, ließ der Fall keine Ruhe. Er erhebt Vorwürfe gegen die Jagdmethoden in staatlichen und kommunalen Revieren: Gerade kurz vor Ende der Jagdzeit (15. Januar) werde mit allem Nachdruck Rehwild geschossen, meist in Drückjagden. Und nicht selten bleibe auch ein Bock auf der Strecke. Probates Mittel, um das allzu neugierigen Blicken zu entziehen: den Träger (Kopf) an Ort und Stelle abschneiden, großzügig aufbrechen und beides im Wald entsorgen. Danach könne nur der erfahrene Waidmann am Spiegel (weißes Fall am Hintern) erkennen, ob es sich um einen Bock oder eine Geiß handle. „Das machen die Herren von Stadt und Staat immer so“, wettert der Jäger.

Zumindest in einem Punkt haben sich seine Vermutungen als richtig erwiesen: Nur drei der vier gefunden Rehköpfe stammen von weiblichen Tieren, einer definitiv von einem mehrjährigen Rehbock. Das bestätigt Polizeisprecher Markus Siebert auf Anfrage. „Die weiteren Ermittlungen zur Frage des Schützen laufen derzeit.“

Forstbetriebs- und Jagdleiter Robert Bocksberger, der im Westerholz nicht mit von der Partie war, kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Ja, es sei bei der mit 24 Rehen und zwei Wildschweinen „sehr erfolgreichen Jagd“ auch ein Bock geschossen worden, räumt er unumwunden ein. „Das kann passieren und wurde von uns nicht angezeigt.“ Man müsse es auch nicht, denn schon seit fünf Jahren gebe es eine Anordnung der Obersten Jagdbehörde, dass eine Ordnungswidrigkeit wegen „versehentlich geschossener Rehböcke“ nicht verfolgt würde.

Ein Freibrief für Drückjäger? Die privaten Waidmänner im Landkreis sagen ja, die staatlichen nein. Die Drückjagd sei ein probates Mittel, um einen waldangepassten Wildbestand zu erzielen, betont Bocksberger. Im aktuellen Fall geht er davon aus, dass sich die Ordnungswidrigkeit spätestens nach der Rücksprache der Polizei mit der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt erledigt habe. 

oni

Rubriklistenbild: © dpa

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