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„Rassismus ist keine Alternative“ – das zeigten diese Demonstranten mit ihren Plakaten in Peiting deutlich auf.

Höcke-Auftritt in der Peitinger Schloßberghalle

1000 Menschen demonstrieren gegen die AfD

Peiting ist bunt. Das haben am vergangenen Dienstagabend die rund 1000 Demonstranten bewiesen, die vor der Schloßberghalle aufmarschiert waren. Die Botschaft ist angekommen.

Peiting – „Für ein Peiting des Miteinanders“, diese Schlagzeile hatte Christian Lory auf ein Plakat gemalt und am Kinderwagen befestigt. Er war einer der ersten Demonstranten, die sich vor der Schloßberghalle eingefunden hatten. Mit Kind und Kegel ist er gekommen. Tochter Pauline (9) hat ihm sogar beim Bemalen des Plakates geholfen. Im Kinderwagen lag die jüngere Tochter Magdalena (3), und auch Ehefrau Constanze marschierte forsch mit.

Ja, ein Zeichen setzen wollten sie alle, die vielen Demonstranten – und zeigen, „dass in Peiting kein Platz ist für Hetze und Ausländerfeindlichkeit ist“. Auch aus Schongau sind viele gekommen. „Und es waren viele junge Leute dabei, die Flagge gezeigt haben, das macht Mut“, stellte Hans Schütz von der Umweltinitiave Pfaffenwinkel fest. Ihn hat auch beeindruckt, dass in Peiting ein breites Bündnis aufmarschiert ist, „sogar die beiden Ortspfarrer waren dabei“, stellte Schütz zufrieden fest.

Dass alles friedlich ablief, und es zu keiner gewalttätigen Konfrontation gekommen ist, war auch ein Verdienst der Polizei, die mit einem große Sicherheitsaufgebot vor Ort vertreten war. Die ordnungsgemäß angemeldeten Versammlungen wurden von der Polizeiinspektion Schongau unter Leitung von Herbert Kieweg mit Unterstützungskräften aus dem Polizeipräsidium Oberbayern und der Bayerischen Bereitschaftspolizei betreut.

Bilder der AfD-Veranstaltung und der großen Gegen-Demo am Dienstag in Peiting

„Insgesamt waren 100 Polizeibeamte im Einsatz“, berichtete Polizeisprecher Harald Bauer. An der Versammlung in der Schloßberghalle nahmen ca. 300 Personen teil. Zu der unmittelbar vor der Halle von der AfD abgehaltenen Versammlung kamen etwa 20 Teilnehmer. Die Teilnehmerzahl der Gegenversammlung auf dem Parkplatz vor der Schloßberghalle wurde mit geschätzten 1000 Personen angegeben. Wegen des großen Zulaufs musste die Münchner Straße von der Polizei von 18.10 bis 19.40 Uhr gesperrt werden.

„Pegida und AfD sind eine Schande für Deutschland“, machte Betty Reiners von Amnesty International, Gruppe Lechtal, ihrem Unmut Luft. Die Stiftung „Scheuklappen“ hatte auf dem Parkplatz einen Schminkstand aufgebaut. „Wir glitzern gegen Rechts, hier könnt Ihr Farbe bekennen“, kündigte Martina Wagner aus Schongau an und lud die Demonstranten ein, sich mit Theaterschminke anmalen zu lassen.

An den Zugängen zum Parkplatz wurden an die Demonstranten rote Karten verteilt, unter anderem auch von Thomas Elste (von den Peitinger Grünen) und von Markus Zimmermann (von den Jusos). „Wer gegen Nazis demonstriert, ist nicht links, sondern normal“, stand auf einem der Transparente, die deutlich sichtbar in die Höhe gehalten wurden.

Auch Künstler gegen rechts meldeten sich in Peiting zu Wort. Die DiPlomaten-Band aus Schongau mit Marcel und Timo sang kritische Lieder, dazwischen konnte Grünen-Sprecherin Katharina von Platen einige Redner ankündigen, z.B. Lukas Niemand aus Schongau, der für die IG-Metall auftrat und das Erstarken nationalistischer und rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen in Deutschland und Europa kritisierte.

„Unsere Demokratie hat schon vieles erlebt und überlebt, ich bin mir ganz sicher, dass sie auch diese AfD überleben wird“, sagte der Organisator der Demo, Andreas Krahl vom Bündnis 90/Die Grünen. Dazu brauche es aber den Schulterschluss von allen Demokraten, Verbänden und Vereinen. „Ich freue mich wahnsinnig, dass die Peitinger das erkannt haben und ein geniales, friedliches und buntes Zeichen gesetzt haben“, so Krahl, der sich im Anschluss an die Demo mit rund 300 Mitstreitern zum ökumenischen Friedensgebet vor der Pfarrkirche St. Michael eingefunden hatte.

Ein großes Lob an die Polizei sprach auch Vize-Landrat Karl-Heinz Grehl aus, und diesem Lob schloss sich auch der AfD-Sprecher Christof Schramm (aus Oderding) an. „Die Polizeibeamten haben einen hervorragenden Job gemacht“, bestätigte er. Er beklagte sich aber, dass er bei dem Versuch, mit den Demonstranten zu reden, regelrecht angebrüllt und fast gewürgt worden sei.

Ärger hatte auch Peitings Bürgermeister Michael Asam (SPD). Er beschwerte sich bei den AfD-Leuten, weil den vielen Demonstranten dreimal der Strom abgestellt worden sei und somit die Lautsprecheranlage auf dem Parkplatz nicht mehr funktionieren konnte. Der Stromstecker sei von allein rausgegangen, wollten die AfD-ler dem Peitinger Bürgermeister weißmachen. Der antworte nur, sie sollen keinen solchen Blödsinn reden. Wenn das mit dem Stecker rausziehen noch einmal passiere, dann sperre er die Schloßberghalle zu, drohte Asam. Dies zeigte Wirkung.

Von Michael Gretschmann

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