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Der Einladung der AfD zum Wahlkampfabend in der Peitinger Schloßberghalle waren nach Schätzungen der Polizei rund 300 Besucher gefolgt

Wahlkampfveranstaltung

Höcke tritt in Peiting auf - AfD ruft „Schicksalswahl“ aus

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Mit dem Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke hatte sich der AfD-Kreisverband Weilheim-Schongau am Dienstag einen durchaus prominenten Gastredner eingeladen. Gut 300 Besucher wollten hören, was er zu sagen hatte.

Peiting – Der Gang zur Schloßberghalle hat etwas von einem Spießrutenlauf. Jeder, der zur AfD-Wahlkampfveranstaltung will, wird von den rund 1000 Gegendemonstranten gnadenlos ausgebuht. Es dauert, bis alle den Weg in den Saal gefunden haben. Um 19 Uhr soll die Veranstaltung beginnen, die Reihen sind gut besetzt. 350 Stühle habe man aufgebaut, sagt der Sprecher des AfD-Kreisverbandes, Christof Schramm. Die meisten sind besetzt, längst nicht alle von strammen AfD-Mitgliedern. Es haben auch etliche Neugierige und einige Gegendemonstranten den Weg in die Halle gefunden.

Dann passiert erst einmal 20 Minuten lang nichts. Mit einiger Verspätung marschieren die AfD-Kandidaten und Björn Höcke zum Bayerischen Defiliermarsch in den Saal. Der AfD-Kreisvorsitzende Reno Schmidt begrüßt die Anwesenden, bedankt sich bei den Gegendemonstranten – „die haben in den sozialen Medien jede Menge Gratis-Werbung für uns gemacht“ – und bei der Peitinger Verwaltung: „die haben uns keine Steine in den Weg gelegt.“ Er übergibt an den AfD-Bezirkstagskandidaten Alexander Neumeyer. Der greift sofort die Geschehnisse von Chemnitz auf, bittet zur Schweigeminute. Während alle stehen, klingelt irgendwo ein Handy. Die Titelmelodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ weht durch den Raum. Schnell fordert Neumeyer noch, dass „das Geld des Bezirkstages ausschließlich für bedürftige deutsche Staatsbürger verwendet werden“ dürfe, dann gibt er ab an den AfD-Landtagskandidaten Rüdiger Imgart. Die Zeit drängt, Björn Höcke wartet.

Währenddessen marschieren draußen 1000 Gegendemonstranten auf.

Imgart hält eine Variation seiner Rede, die er schon in Weilheim gehalten hat. Mehr deutsche Kinder wünscht er sich, und „unser Geld für unsere Leute“. Die Gegendemonstranten hinten im Saal recken wie so oft an diesem Abend ihre roten Karten in die Luft.

Bilder der AfD-Veranstaltung und der großen Gegen-Demo am Dienstag in Peiting

Dann ist, wie Imgart sie vorstellt, „unsere bezaubernde, hübsche, schöne stellvertretende Landesvorsitzende Katrin Ebner-Steiner“ an der Reihe. Die heizt die Stimmung im Saal an. „Bayerische Kinder sollen eine Zukunft haben“, die „Schicksalswahl“ wird von ihr in Bayern ausgerufen, eine Wahl, „die der Sargnagel für das Regime Merkel“ wird. Tosender Applaus. Dann der Auftritt von Björn Höcke, den Imgart zuvor als „Vorbild“ bezeichnet hatte: „So lange es Björn Höcke gibt, besteht Hoffnung.“

Der Thüringer AfD-Landesvorsitzende und Chef der Landtagsfraktion, Björn Höcke (r.), war aus Erfurt für einen Auftritt angereist.

Höcke steht auf der Bühne, breitet genüsslich die Arme aus, lässt sich feiern. Und beginnt seine gut einstündige Rede. Allein, der Funke will an diesem Abend nicht recht überspringen. Der Thüringer AfD-Chef hetzt von Thema zu Thema. Rente, Rechtschreibreform, Energiewende, die „durchgegenderte Bundeswehr“, Bismarck, Franz Josef Strauß, Preußen, die Reichseinigung 1871, der Verfassungsschutz.

Immer wieder bedient sich Höcke verschiedener Fachbegriffe, redet von der „no-bale- out-Regel“, der „Schweigespirale von Noelle-Neumann“, von „Rechtsfundamentalnormen“ und „Gendermainstreaming“. Höflicher Applaus im Saal, stehende Ovationen von der lokalen AfD-Führung. Lauter wird es, wenn er von der „Kartellregierung“ und den „Linksgrünversifften“ spricht, vor einer „kulturellen Kernschmelze“ warnt, in den Saal ruft, „wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“.

Später dann – Höcke hat wieder mit ausgebreiteten Armen seinen Applaus genossen – wird im Saal a cappella zuerst die Bayernhymne und dann das „Deutschlandlied“ gesungen. Die Technik versagt, aus der Konserve kommt keine musikalische Begleitung. Der Heimweg ist für die AfD-Besucher leichter: Draußen ist es dunkel, die Gegendemonstranten sind nach Hause gegangen.

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